Lehrbuch der biologischen Heilmittel

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:
Eupatorium wirkt als Blutreinigungsmittel bei Erkrankungen der Leber, Galle und Milz und wird, in gleicher Weise wie Eupatorium perfoliatum, bei grippösen und intermittierenden Fiebern angewandt.
Recht häufig wird es als Diuretikum bei Hydrops, insbesondere bei beginnender Aszites und bei Ãdemen der FüÃe sowie als Purgans (in gröÃeren Dosen) verordnet. Ferner wird es bei Erkrankungen der Atmungsorgane wie Pneumonie, chronischer Bronchitis, Tussis und Schnupfen, auch Stockschnupfen, gegeben. Bei Schnupfen und Stockschnupfen läÃt man mit Erfolg dil. D 3 inhalieren.
ÃuÃerlich (das zerquetschte Kraut oder das “Teep” als Breiumschlag) leistet es gute Dienste bei Geschwülsten, Quetschungen und Exanthemen.
Angewandter Pflanzenteil:
Matthiolus empfiehlt das Kraut.
Nach v. Haller wurden hauptsächlich die Blätter, ferner die Wurzel gebraucht.
Geiger gibt das Kraut und die Wurzel, Herba et Radix Eupatorii seu Cannabis aquaticae, als früher offizinell an.
Schulz kennt die Verwendung der Blätter, des Krautes und der Wurzel. Zörnig, Hager und Thoms erwähnen das blühende Kraut.
Zur Herstellung der Präparate eignet sich das
frische blühende Kraut (
Sammelzeit: Juli bis August
), demgemäà wird auch das “Teep” hergestellt. Die homöopathische Urtinktur nach dem HAB. hat den gleichen Ausgangsstoff (§ 3).
Dosierung:
Ãbliche Dosis:
4–5 g des Wurzelpulvers als Cholagogum und Purgans (Leclerc);
2 Teelöffel voll (= 2 g) zum kalten Auszug täglich.
½ Teelöffel der Frischpflanzenverreibung “Teep” drei- bis viermal täglich.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt.)
In der Homöopathie:
dil. D 1, dreimal täglich 10 Tropfen.
Maximaldosis:
Nicht festgesetzt.
Rezepte:
Bei Leber‑, Milz- und Gallenstauungen und Hydrops:
Rp.:
Hb. Eupatorii cannabini conc.
30
(= Wasserdostkraut)
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.41 RM.
Fußnoten:
1 Fuchs, New-Kreuterbuch, Basel 1543.
2 Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 181.
3 Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 351.
4 Weinmann, J. W., Phytanthoza iconographia, Regensburg 1737, Bd. 2, S. 422.
5 Boerhaave, zit. b. v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 618.
6 Osiander, Volksarzneymittel, S. 257.
7 Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., 1929, S. 258.
8 Janson, ärztliche Sammelblätter 1937, S. 155.
9 Dragendorff, Die Heilpfl. d. versch. Völker u. Zeiten, S. 660.
10 Kroeber, Das neuzeitliche Kräuterbuch, S. 376.
11 Aschenbrenner, Die neueren Arzneimittel und Arzneizubereitungsformen, S. 130, Erlangen 1851.
12 Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 1215.
13 Vgl. 9).
14 Fischer, H., Beitr. Biol. d. Pflanzen 1898, 8, 86.
15 Nach eigenen Untersuchungen.
16 Vgl. 14).
17 Teezubereitung:
Der Extraktgehalt des im Verhältnis 1: 10 bereiteten Tees beträgt 1,6% gegenüber 2% bei kalter Zubereitung. Der Aschengehalt des Extraktes beträgt heià 0,38% und kalt 0,46%. Geschmacklich scheint der heià bereitete Tee allerdings etwas bitterer zu schmecken. Ein Ansatz 1:100 dürfte die Grenze dessen darstellen, was man noch trinken kann. Die Peroxydasereaktion ist negativ. 1 Teelöffel voll wiegt 1 g. Der Tee wird auf Grund dieser Ergebnisse zweckmäÃig kalt unter Verwendung von etwa 1 Teelöffel voll auf 1 Teeglas bereitet.