Ger­hard Mad­aus: Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heil­mit­tel. Ver­lag Georg Thie­me, Leip­zig, 1938
(Ori­gi­nal, voll­stän­dig erhal­ten) – bei eBay zu ver­kau­fenRezen­si­on 1938, Archiv der Pharmazie

Adonis vernalis – Seite 3 von 5 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Ado­nis ver­na­lis (Sei­te 3 von 5)
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Wirkung

Übersicht aus der therapeutischen Literatur:

Wäh­rend Bock1 der “fal­schen schwar­zen Nies­wurz”, unter wel­cher Bezeich­nung Ado­nis ver­na­lis damals bekannt war, pur­gie­ren­de Eigen­schaft zuschreibt, läßt sie
Mat­thio­lus2 nur äußer­lich zur Erwei­chung von mali­gnen Geschwüls­ten gebrauchen.
Wohl infol­ge ihrer dau­ern­den Ver­wechs­lung mit der Schwar­zen Nies­wurz, Hel­le­bo­rus niger, ist über ihre Anwen­dung in den Wer­ken der älte­ren medi­zi­ni­schen Schrift­stel­ler, wie v. Hal­ler, Hecker u. a., nichts Cha­rak­te­ris­ti­sches zu finden.
Schulz3 sind als Anwen­dun­gen in der Volks­me­di­zin Harn­be­schwer­den und Lithi­asis bekannt.
In der rus­si­schen Volks­me­di­zin galt nach W. Demit­sch4 Ado­nis ver­na­lis als ein siche­res, anti­hy­dro­pi­sches Mit­tel, das auch bei Krämp­fen und Fie­ber gebraucht wur­de, wie aus dem nach­ste­hen­den, der Arbeit von Demit­sch ent­nom­me­nen Abschnitt zu erse­hen ist:
Pal­las (Rei­se durch ver­schie­de­ne Pro­vin­zen des rus­si­schen Reichs, St. Peters­burg 1773–1776, T. I, S. 72) erwähnt, daß die ers­te Pflan­ze, das Früh­lings­wei­den­rös­chen, von den Mok­scha­nen gegen hys­te­ri­sche Krämp­fe gebraucht wur­de. Von Falk (Bei­trä­ge zur topo­gra­phi­schen Kennt­nis des rus­si­schen Reichs. St. Peters­burg 1785–1786, Bd. II, S. 202) wird die getrock­ne­te pul­ve­ri­sier­te Wur­zel der Ado­nis ver­na­lis als ein Pur­gier­mit­tel der Land­leu­te ange­führt. Wenn Kraut, Blu­men und Wur­zel, sagt er fer­ner, frisch zer­quetscht auf die gesun­de Haut gebun­den wird, so ent­steht Ent­zün­dung mit Bla­sen. Nach Kre­bel (Volks­me­di­zin und Volks­mit­tel ver­schie­de­ner Völ­ker­stäm­me Ruß­lands. Skiz­zen. Leip­zig und Hei­del­berg 1858) wird ein Pul­ver davon bei Durch­fäl­len ein­ge­nom­men. In Sibi­ri­en dient es als Abor­ti­vum. In den Step­pen­gou­ver­ne­ments Ruß­lands wird das getrock­ne­te Kraut von Ado­nis ver­na­lis als Tee bei Was­ser­sucht getrun­ken (W. Deri­ker, Zusam­men­stel­lung von Volks­heil­mit­teln, die von Zau­be­rern in Ruß­land gebraucht wer­den. St. Peters­burg 1866. S. 35). Im Gou­ver­ne­ment Twer ist die Pflan­ze ein Volks­mit­tel gegen Kin­der­krämp­fe (T. Wersch­biz­ki, Kiew­sche Gou­ver­ne­ments-Zei­tung 1867). Im Gou­ver­ne­ment Perm ist sie ein sehr gebräuch­li­ches Mit­tel: eine ziem­lich star­ke Abko­chung oder eine Tink­tur von der blü­ten­tra­gen­den Pflan­ze und den Früch­ten wird hier bei Fie­ber, Was­ser­sucht und Mens­trua­ti­ons­an­oma­lien getrun­ken. Auch wird das Mit­tel vom Vol­ke mit ande­ren dunk­len Indi­ka­tio­nen ange­wandt (P. Kri­low, Arbei­ten der Natur­for­scher-Gesell­schaft bei der Uni­ver­si­tät Kasan. Bd. V, Heft II, S. 45 bis 46, Kasan 1876). Nach Annen­kow wird ein star­ker Tee von Ado­nis ver­na­lis bei Was­ser­sucht und Kin­der­krämp­fen ein­ge­ge­ben. Fer­ner wird die Pflan­ze in der Volks­me­di­zin bei Krämp­fen, Hus­ten, Koli­ken, ver­schie­de­nen Schmer­zen usw. gebraucht (N. Annen­kow, Bota­ni­sches Lexi­kon. St. Peters­burg 1871, S. 10). In Klein­ruß­land bedient man sich der Blät­ter und Sten­gel der­sel­ben zu Bädern für Was­ser­süch­ti­ge und Ikte­ri­sche; der fri­sche Saft wird vor dem Par­oxys­mus bei Fie­ber getrun­ken (Gor­nitz­ki, Bemer­kun­gen über eini­ge wild­wach­sen­de und ange­bau­te Pflan­zen der Ukrai­ne-Flo­ra, die als Volks­heil­mit­tel im Gebrau­che sind. Char­kow 1887, S. 3).”
Durch den Volks­ge­brauch auf das Mit­tel auf­merk­sam gemacht, wand­te es Noß5 mit gutem Erfolg bei Hydro­ps an.
Auch Bubnow6 gebrauch­te es mehr­fach bei ver­schie­de­nen hydro­pi­schen Erkran­kun­gen und kam zu der Über­zeu­gung, daß das­sel­be nur in den Fäl­len Hil­fe leis­tet, wo die Was­ser­sucht durch eine Kom­pen­sa­ti­ons­stö­rung der Herz­tä­tig­keit bedingt ist. Er stell­te als ers­ter fest, daß das Ado­nis­kraut zwar die vol­le Digi­ta­lis­wir­kung besit­ze, aber kei­ne kumu­la­ti­ven Neben­er­schei­nun­gen zei­ti­ge und auch bei län­ge­rem Gebrauch nicht in sei­ner the­ra­peu­ti­schen Wirk­sam­keit geschwächt werde.
Des­halb ver­ord­ne­te es Mut­te­rer7 über­all da, wo die Anwen­dung eines Herz­mit­tels für einen län­ge­ren Zeit­raum nötig und Digi­ta­lis kon­tra­in­di­ziert war.
Das in Ado­nis ent­hal­te­ne Ado­ni­din wur­de von Des­plats8 und Huchard9 bei Inkom­pen­sa­ti­on und Herz­schwä­che in Fäl­len erfolg­reich ange­wandt, bei denen Digi­ta­lis und Con­vall­aria wir­kungs­los waren, nament­lich zur Erhö­hung des Blut­drucks, zur Besei­ti­gung von Arhyth­mi­en, Pal­pi­ta­tio­nen und Öde­men und zur Stei­ge­rung der Diurese.
Stern10 hält Ado­ni­din bei hef­ti­ger Dege­ne­ra­ti­on des Herz­mus­kels, Hyper­tro­phie und athe­ro­ma­tö­sen Zustän­den für dem Digi­tal­in überlegen.
Ein gerei­nig­tes Extrakt von Ado­nis ver­na­lis, das Ado­ni­gen, wur­de von v. Noor­den11 als Ersatz des Ado­nis­in­fu­ses bei Herz­neu­ro­sen, Herz­schwä­che als Grip­pe­fol­ge und seni­lem Ver­sa­gen des Herz­mus­kels als Kar­dia­kum, Ner­vinum und mil­des Diure­ti­kum empfohlen.
Nach Richt­zen­hain sind Ado­nis­prä­pa­ra­te auch bei Cho­rea infan­tum und genui­ner Epi­lep­sie ange­zeigt12.
Bei Anfäl­len star­ker Herz­be­schleu­ni­gung soll Ado­nis oft schlag­ar­tig brem­send wir­ken. Es kann nach Janusch­ke13 die Brom­wir­kung bei Epi­lep­ti­kern und die Kod­e­inwir­kung bei Keuch­hus­ten ver­stär­ken. Auch bei funk­tio­nel­len Neu­ro­sen (Krampf­an­fäl­len der Säug­lin­ge) zeig­ten sich gute Erfolge.
Neben orga­ni­schen Herz­feh­lern mit Stau­ungs­er­schei­nun­gen gibt Mar­fo­ri14 auch Pleu­ri­tis und Aszi­tes infol­ge Leber­krank­hei­ten als Indi­ka­ti­on für Her­ba Ado­ni­dis an.
In der Homöo­pa­thie15 wird es bei all­ge­mei­ner Fett­sucht, beson­ders Fett­herz, und gele­gent­lich bei Base­dow angewendet.