
Wirkung
Übersicht aus der therapeutischen Literatur:
Während Bock1 der “falschen schwarzen Nieswurz”, unter welcher Bezeichnung Adonis vernalis damals bekannt war, purgierende Eigenschaft zuschreibt, läßt sie
Matthiolus2 nur äußerlich zur Erweichung von malignen Geschwülsten gebrauchen.
Wohl infolge ihrer dauernden Verwechslung mit der Schwarzen Nieswurz, Helleborus niger, ist über ihre Anwendung in den Werken der älteren medizinischen Schriftsteller, wie v. Haller, Hecker u. a., nichts Charakteristisches zu finden.
Schulz3 sind als Anwendungen in der Volksmedizin Harnbeschwerden und Lithiasis bekannt.
In der russischen Volksmedizin galt nach W. Demitsch4 Adonis vernalis als ein sicheres, antihydropisches Mittel, das auch bei Krämpfen und Fieber gebraucht wurde, wie aus dem nachstehenden, der Arbeit von Demitsch entnommenen Abschnitt zu ersehen ist:
“Pallas (Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reichs, St. Petersburg 1773–1776, T. I, S. 72) erwähnt, daß die erste Pflanze, das Frühlingsweidenröschen, von den Mokschanen gegen hysterische Krämpfe gebraucht wurde. Von Falk (Beiträge zur topographischen Kenntnis des russischen Reichs. St. Petersburg 1785–1786, Bd. II, S. 202) wird die getrocknete pulverisierte Wurzel der Adonis vernalis als ein Purgiermittel der Landleute angeführt. Wenn Kraut, Blumen und Wurzel, sagt er ferner, frisch zerquetscht auf die gesunde Haut gebunden wird, so entsteht Entzündung mit Blasen. Nach Krebel (Volksmedizin und Volksmittel verschiedener Völkerstämme Rußlands. Skizzen. Leipzig und Heidelberg 1858) wird ein Pulver davon bei Durchfällen eingenommen. In Sibirien dient es als Abortivum. In den Steppengouvernements Rußlands wird das getrocknete Kraut von Adonis vernalis als Tee bei Wassersucht getrunken (W. Deriker, Zusammenstellung von Volksheilmitteln, die von Zauberern in Rußland gebraucht werden. St. Petersburg 1866. S. 35). Im Gouvernement Twer ist die Pflanze ein Volksmittel gegen Kinderkrämpfe (T. Werschbizki, Kiewsche Gouvernements-Zeitung 1867). Im Gouvernement Perm ist sie ein sehr gebräuchliches Mittel: eine ziemlich starke Abkochung oder eine Tinktur von der blütentragenden Pflanze und den Früchten wird hier bei Fieber, Wassersucht und Menstruationsanomalien getrunken. Auch wird das Mittel vom Volke mit anderen dunklen Indikationen angewandt (P. Krilow, Arbeiten der Naturforscher-Gesellschaft bei der Universität Kasan. Bd. V, Heft II, S. 45 bis 46, Kasan 1876). Nach Annenkow wird ein starker Tee von Adonis vernalis bei Wassersucht und Kinderkrämpfen eingegeben. Ferner wird die Pflanze in der Volksmedizin bei Krämpfen, Husten, Koliken, verschiedenen Schmerzen usw. gebraucht (N. Annenkow, Botanisches Lexikon. St. Petersburg 1871, S. 10). In Kleinrußland bedient man sich der Blätter und Stengel derselben zu Bädern für Wassersüchtige und Ikterische; der frische Saft wird vor dem Paroxysmus bei Fieber getrunken (Gornitzki, Bemerkungen über einige wildwachsende und angebaute Pflanzen der Ukraine-Flora, die als Volksheilmittel im Gebrauche sind. Charkow 1887, S. 3).”
Durch den Volksgebrauch auf das Mittel aufmerksam gemacht, wandte es Noß5 mit gutem Erfolg bei Hydrops an.
Auch Bubnow6 gebrauchte es mehrfach bei verschiedenen hydropischen Erkrankungen und kam zu der Überzeugung, daß dasselbe nur in den Fällen Hilfe leistet, wo die Wassersucht durch eine Kompensationsstörung der Herztätigkeit bedingt ist. Er stellte als erster fest, daß das Adoniskraut zwar die volle Digitaliswirkung besitze, aber keine kumulativen Nebenerscheinungen zeitige und auch bei längerem Gebrauch nicht in seiner therapeutischen Wirksamkeit geschwächt werde.
Deshalb verordnete es Mutterer7 überall da, wo die Anwendung eines Herzmittels für einen längeren Zeitraum nötig und Digitalis kontraindiziert war.
Das in Adonis enthaltene Adonidin wurde von Desplats8 und Huchard9 bei Inkompensation und Herzschwäche in Fällen erfolgreich angewandt, bei denen Digitalis und Convallaria wirkungslos waren, namentlich zur Erhöhung des Blutdrucks, zur Beseitigung von Arhythmien, Palpitationen und Ödemen und zur Steigerung der Diurese.
Stern10 hält Adonidin bei heftiger Degeneration des Herzmuskels, Hypertrophie und atheromatösen Zuständen für dem Digitalin überlegen.
Ein gereinigtes Extrakt von Adonis vernalis, das Adonigen, wurde von v. Noorden11 als Ersatz des Adonisinfuses bei Herzneurosen, Herzschwäche als Grippefolge und senilem Versagen des Herzmuskels als Kardiakum, Nervinum und mildes Diuretikum empfohlen.
Nach Richtzenhain sind Adonispräparate auch bei Chorea infantum und genuiner Epilepsie angezeigt12.
Bei Anfällen starker Herzbeschleunigung soll Adonis oft schlagartig bremsend wirken. Es kann nach Januschke13 die Bromwirkung bei Epileptikern und die Kodeinwirkung bei Keuchhusten verstärken. Auch bei funktionellen Neurosen (Krampfanfällen der Säuglinge) zeigten sich gute Erfolge.
Neben organischen Herzfehlern mit Stauungserscheinungen gibt Marfori14 auch Pleuritis und Aszites infolge Leberkrankheiten als Indikation für Herba Adonidis an.
In der Homöopathie15 wird es bei allgemeiner Fettsucht, besonders Fettherz, und gelegentlich bei Basedow angewendet.