Zungenbild Nr. 1

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Quel­le: Bern­hard Kro­nen­ber­ger — Die neue Dia­gnos­tik Lin­gua­lis (Zun­gen­dia­gno­se) (1949, Kahl a. Main)

Betrachtung der Zungenbilder. 

Die vor­ste­hend auf­ge­führ­ten Zun­gen­zei­chen sind indi­vi­du­ell sehr varia­bel und prä­gen sich bei jedem Ein­zel­nen auf die ver­schie­den­ar­tigs­te und man­nig­fachs­te Art aus, wes­halb obi­ge Aus­füh­run­gen nur als all­ge­mei­ne Richt­li­ni­en gel­ten sol­len.
Nach­ste­hend gezeig­te und bespro­che­ne Zun­gen­bil­der stel­len nur eine klei­ne Aus­le­se aus mei­ner gro­ßen Samm­lung mar­kan­ter Fäl­le dar und sind die­sel­ben, mit Aus­nah­me weni­ger typi­scher Bei­spie­le, um der Wis­sen­schaft Genü­ge zu leis­ten, rönt­ge­no­lo­gisch gesichert.

Zungenbild Nr. 1

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Herr Jos. Sch. in S. mit schwe­rer Kriegs­ver­let­zung aus dem Welt­krieg 1914—18, bei der Bild­auf­nah­me 44 Jah­re alt.
Die­ses Zun­gen­bild stellt einen beson­ders inter­es­san­ten Fall dar. Wir sehen bei 1 das Zei­chen von einem Leber­schuß, wobei ein ansehn­li­ches Stück Leber ver­lo­ren ging, bei 2 ein sol­ches einer Blind­darm­ope­ra­ti­on wel­che in spä­te­ren Jah­ren erfolg­te, bei 3 das typi­sche Merk­mal eines Dick­darm-Abschus­ses im Krie­ge und Anle­gung eines rechts­sei­ti­gen Kot­fist­eis mit den mar­kan­ten Abschluß­zei­chen des wei­te­ren Colon und bei 4 eine Ulcus ven­tri­cu­li Fur­che, wes­halb die­ser Pati­ent in mei­ner Behand­lung war.

Zungenbild Nr. 2 

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Herr Heinr. W. in Hbg., ein 87jähriger, inner­lich gesun­der Mann.
Sein Zun­gen­bild war neben den bei­den Anzei­chen, bei dem hohen Alter, beson­ders cha­rak­te­ris­tisch für eine eben­mä­ßi­ge, schön­ge­form­te Zun­ge ohne sons­ti­ge Fis­su­ren, Fur­chen oder Fal­ten. Bei 1 erken­nen wir eine chro­ni­sche, aller­dings erb­lich ver­an­lag­te Pha­ryn­gi­tis, bei 2 das Zei­chen einer teil­wei­sen Erwei­te­rung des Colon mit Nei­gung zu Fla­tu­lenz die schon von Jugend auf bestand. Die­ser Mann war sonst gesund, hat­te auch kei­ne wei­te­ren Stö­run­gen der Ver­dau­ungs­or­ga­ne und sei­ne Zun­ge wieß im Übri­gen kei­ner­lei Zei­chen auf.

Zungenbild Nr. 3 

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Herr Wilh. M. in H., litt bei der Bild­auf­nah­me bereits 16 Jah­re an den ver­schie­dens­ten Lei­den der Ver­dau­ungs­or­ga­ne.
Die bis dahin erfolg­ten kli­nisch wis­sen­schaft­li­chen Dia­gno­sen mit zahl­rei­chen Rönt­gen­be­fun­den lau­te­ten:
Herr Dr. F. in H. = Gal­len­bla­sen­ent­zün­dung (Chole­cys­ti­tis).
Herr Dr. R. in H. = Ulcus ven­tri­cu­li.
Herr Prof. Dr. Sch. in F. = Zwölf­fin­ger­darm-Diver­ti­cu­lum.
Nach dem Bericht des Pati­en­ten habe Herr Prof. geäu­ßert, daß es eine sel­te­ne Sache dar­stel­le, die er in sei­ne Wer­ke auf­neh­men wol­le. Wir fin­den auf dem Zun­gen­bild bei 1 ein Zei­chen für Ulcus pylo­ri, bei 2 ein sol­ches für ein Diver­ti­cu­lum duo­deni, bei 3 ein Gal­len­zei­chen, anschei­nend Sand­uhr­gal­le bezw. Bla­se, bei 4 dün­ne Magen­wän­de, wahr­schein­lich infol­ge dau­ern­den Ein­neh­mens von Natron, und bei 5 end­lich die Merk­ma­le des gehemm­ten Dick­dar­mes mit chro­ni­scher Verstopfung.

Zungenbild Nr. 4

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Herr G. Schw. in M., 65 Jah­re alt.
Die Zun­gen­bild­zeich­nung wur­de eini­ge Jah­re vor dem eigent­li­chen Aus­bruch der Krank­heit vor­ge­nom­men. Die rönt­ge­no­lo­gi­sche und kli­ni­sche Dia­gno­se lau­te­te spä­ter auf Magen­krebs, wor­an der Mann auch ver­starb. Die Zun­gen­zei­chen waren eini­ge Mona­te vor sei­nem Tode jedoch dop­pelt bis drei­fach so stark aus­ge­prägt und kamen zu dem hier wie­der­ge­ge­be­nen Bild nur noch ein paar klei­ne­re Fur­chen hin­zu.
Bei 1 erken­nen wir (schon Jah­re vor­aus) die Car­ci­nom-Anla­ge an der Car­dia wie am Pylo­rus, bei 2 Gal­len­bla­sen­ent­zün­dung, mehr­fach auf­ge­tre­ten und bei 3 die bekann­ten Verstopfungszeichen.

Zungenbild Nr. 5 

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Frau M. in M., 74 Jah­re alt, wog nur noch 36 Kilo­gramm.
Rönt­gen-Auf­nah­me am 16. 9. 1938, ohne Befund. Die vor eini­gen Jah­ren ver­stor­be­ne Frau hat­te in ihren letz­ten Lebens­jah­ren ein rei­nes Mar­ty­ri­um der ver­schie­de­nen Ein­ge­wei­de­stö­run­gen durch­zu­ma­chen, wozu sich als Todes­ur­sa­che schließ­lich noch Asci­tes ein­stell­te.
Das Zun­gen­bild zeigt bei 1 eine diver­ti­kel­ar­tig abge­knick­te Dünn­darmer­wei­te­rung, bei 2 Magen­schrump­fung, des öfte­ren Erbre­chen ent­spre­chend sicher mit Kas­ka­den­bil­dung (säu­er­li­ches Erbre­chen), bei 3 Gal­len­stei­ne und Gal­len­schrump­fung, bei 4 star­ke Dick­darm­hem­mung mit chro­ni­scher Verstopfung.

Zungenbild Nr. 6 

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Frl. Anna N. in N., 23 Jah­re alt. Es han­delt sich um eine stark abge­ma­ger­te, fast täg­lich mit Epi­lep­sie-Anfäl­len geplag­te Kran­ke.
Bei 1 fin­den wir das Zei­chen chro­ni­scher Pha­ryn­gi­tis, bei 2 Dünn­darmer­wei­te­rung, bei 3 das Zei­chen der Blind­darm­ope­ra­ti­on, bei 4 Erwei­te­rung und Blä­hungs­zei­chen im Dick­darm, bei 5 das stern­för­mi­ge Zei­chen einer Gewe­be­zer­rei­ßung, einer Rup­tur. Hier­bei han­delt es sich um einen Leber­riß von ca. 20 cm Län­ge, nach kli­ni­scher Fest­stel­lung, der anläß­lich eines Stur­zes bei einem epi­lep­ti­schen Anfal­le zuge­zo­gen wurde.

Zungenbild Nr. 7 

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Herr Otto K. in Sch., 33 Jah­re alt.
Rönt­gen-Auf­nah­me in Priv.-Klin. Dr. W. in A.
Befund: Ulcus pylo­ri duo­deni.
Wir fin­den bei 1 die Sul­cus-Merk­ma­le vom Pfört­ner- und Zwölf­fin­ger­darm­ge­schwür, bei 2 die Zei­chen einer Gal­len­bla­sen­be­las­tung und bei 3 ein teil­wei­se gehemm­tes Darm­rohr mit zeit­wei­ser Flatulenz.

Zungenbild Nr. 8 

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Kind Kuni­gun­da Sp. in Sch., 6 Jah­re alt.
Ein sehr inter­es­san­ter und für unse­re neue Zun­gen-Dia­gno­se zugleich typi­scher Fall.
Das Mäd­chen hat­te in sei­nem drit­ten Lebens­jah­re aus einer Fla­sche irgend ein unde­fi­nier­ba­res ätzen­des Gift getrun­ken und muß­te in die­sem Zustand sofort ins Kran­ken­haus. Dort ret­te­te man dem Kin­de noch das Leben, jedoch blie­ben eine Schlund­kopf-Ver­ät­zung, eine Spei­se­röh­ren-Kni­ckung und eine Magen-Fun­dus­sen­kung zurück, wor­un­ter das Kind mit der Nah­rungs­auf­nah­me etc. andau­ernd zu lei­den hat­te, wes­halb es auch in mei­ne Behand­lung kam.
Der geknick­te Ver­lauf des Sul­cus media­nus zeigt bei 1 deut­lich die Spei­se­röh­ren-Kni­ckung an und außer­dem schein­ba­re Ver­ät­zungs- und Auf­lo­cke­rungs­zei­chen der Car­dia, bei 2 die Zei­chen der Pha­rynx­ver­ät­zung, bei 3 die Zei­chen der Fun­dus-Erschlaf­fung und ‑Sen­kung. Alle die­se Stö­run­gen dürf­ten durch Gewebs­er­wei­chung und Gewe­be­lo­cke­rung als Fol­ge der Ätz­wir­kung entstanden 

Zungenbild Nr. 9 

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Herr Robert Schr, in Gr. K., 30 Jah­re alt.
Rönt­gen-Auf­nah­me Novem­ber 1939 im St. V. Kr. in H.
Befund: Tho­rax­durch­leuch­tung Herz und Lun­ge ohne Befund.
Magen- und Darm­pas­sa­ge: Nach glat­ter Öso­pha­gus­pas­sa­ge füllt sich zunächst eine Kas­ka­de die dau­ernd ste­hen bleibt und aus der sich der dar­un­ter gele­ge­ne Magen­ab­schnitt all­mäh­lich ent­leert. Die Fal­ten ver­lau­fen par­al­lel, sind etwas ver­grö­bert. Gro­ße und klei­ne Kur­vat­ur sind ein­wand­frei. Der Pylo­rus schnürt sich gut ab. Der Bul­bus ist defor­miert und zeigt dau­ernd einen gewis­sen Fül­lungs­zu­stand. Nach 4 Stun­den ist der Magen leer. Der Brei ist bis zum Cae­cum vor­ge­rückt.
Dia­gno­se: Kas­ka­den-Magen, Ulcus duo­deni.
Wir fin­den bei 1 die Ein­zie­hungs­stel­len der Magen­kas­ka­de, bei 2 die gerö­te­te Ulcus duo­deni-Stel­le, bei 3 ein Car­dia-Zei­chen eben­falls gerö­tet mit stär­ke­rer Druck­emp­fin­dung, bei 4 die Zei­chen einer ver­mut­li­chen Gallenblasenverwachsung.

Zungenbild Nr. 10 

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Herr Joh. L. in St., 36 Jah­re alt.
Rönt­gen-Auf­nah­me 1938 im Städt. Kr. in F.
Befund: Ulcus ven­tri­cu­li, Car­dia­nä­he, Ulcus duo­deni.
Bei 1 erken­nen wir die Zei­chen des Magen­ge­schwürs, wel­ches sich nach der Car­dia hin­zieht, bei 2 das Zwölf­fin­ger­darm­ge­schwür und bei 3 die Nei­gung zu Fla­tu­lenz sowie Stuhlträgheit.

Zungenbild Nr. 11 

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Herr Kon­rad Sch. in Gr. K., 40 Jah­re alt.
Auch die­ses Zun­gen­bild bie­tet uns einen Beweis über die Zuver­läs­sig­keit und ohne viel behaup­ten zu wol­len, auch einer Dia­gno­sen­fes­tig­keit der neu­en Zun­gen-Dia­gno­se. Die­ser Mann, der in einem che­mi­schen Werk jah­re­lang mit förm­lich den Kör­per aus­trock­nen­den Düns­ten und star­ken Säu­ren arbei­te­te, hat­te wegen schwe­rer Erkran­kung in den letz­ten Jah­ren zahl­rei­che Instan­zen durch­lau­fen, ohne daß ihm auch nur die gerings­te Bes­se­rung oder Erleich­te­rung zuteil wur­de. Man hat­te ihn bereits inva­li­di­siert, er wur­de immer weni­ger und hat­te auch völ­lig mit sei­nem Leben abge­schlos­sen. Wegen der hoch­gra­di­gen Ver­dau­ungs­be­schwer­den hat­te man ihn im Jah­re 1938 am Magen ope­riert, die Ope­ra­ti­on blieb jedoch voll­kom­men erfolg­los, wie sein Zustand eben­falls immer hoff­nungs­lo­ser wur­de und er mit einer förm­li­chen Aus­trock­nung sei­ner Gewe­be dahin­siech­te.
Als er in mei­ne Behand­lung gege­ben wur­de, bot sich mir das vor­lie­gen­de Zun­gen­bild und konn­te damals nur mit einer Lebens­frist von höchs­tens eini­gen Wochen pro­gnos­ti­ziert wer­den.
Das Zun­gen­zei­chen bei 1 dürf­te als Ope­ra­ti­ons­nar­be von der Magen­ope­ra­ti­on zu bewer­ten sein. Im Übri­gen war die gesam­te Zun­gen­ober­flä­che stark gerö­tet und geschwol­len. Die über den gan­zen Zun­gen­rü­cken aus­ge­brei­te­ten, fast lücken­los vor­han­de­nen vie­len Sul­cen und Fis­su­ren geben ein typi­sches Bild von dem zur Erstar­rung drän­gen­den Zug der Mate­rie, wie er tref­fen­der nicht vor­ge­fun­den wer­den kann. Der gesam­te Bereich von sei­nem Ver­dau­ungs­trak­tus war infol­ge der Dau­er-Ver­gif­tun­gen sicher noch weit stär­ke­rer Aus­trock­nung unter­wor­fen, wie dies der äuße­re Gewe­be­zu­stand des Kran­ken dem Beschau­er an sich schon dar­bot.
Eine dem­entspre­chen­de plan­mä­ßi­ge Umstel­lung in der Nah­rungs­zu­fuhr zwecks Anrei­che­rung der Gewebs­säf­te, neben der Dar­rei­chung von gut gewähl­ten homöo­pa­thi­schen Mit­teln, erziel­te lang­sam und all­mäh­lich einen Umschwung zum Bes­se­ren und schließ­lich eine eini­ger­ma­ßen zufrie­den­stel­len­de Gene­sung, mit der über­haupt nicht mehr gerech­net wur­de. Ent­spre­chend der fort­schrei­ten­den Umstel­lung im Inne­ren, ver­schwan­den dann auch die meis­ten Zun­gen­zei­chen wie­der, bis auf das vor­her erwähn­te Signum der Operationsnarbe.

Zungenbild Nr. 12 

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Herr U. in O., 46 Jah­re alt.
Ope­riert am 6. Juli 1940 im Städt. Kr. in O.., an Ulcus ven­tri­cu­li, dabei wur­de der Magen­aus­gang ver­setzt.
Wir fin­den bei 1 das Zei­chen des neu­en Magen­aus­gan­ges, bei 2 Nar­ben­zei­chen frü­he­rer Magen­ge­schwü­re, bei 3 Blind­darm-Ver­wach­sung, bei 4 mehr­fa­che Hem­mun­gen im Dick­darm­feld mit chro­ni­scher Ver­stop­fung. Beson­ders auf­fal­lend ist hier­bei, daß der neue Magen­aus­gang sich in der lin­ken Zun­gen­hälf­te anzeigt, infol­ge der Ope­ra­ti­ons­ver­le­gung, wäh­rend er unter nor­ma­len Ver­hält­nis­sen, bezw. nor­ma­lem Situs, sich wie bis­her fest­ge­stellt, immer rechts vorfindet.

Zungenbild Nr. 13 

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Herr Heinr. L. in H., 58 Jah­re alt.
Rönt­gen-Auf­nah­me vom 10. 8. 1940, Städt. Kr. in F.
Befund: Ulcus ven­tri­cu­li.
Die typi­schen Zei­chen für Ulcus ven­tri­cu­li erken­nen wir bei 1 und an den zahl­rei­chen Rha­g­aden im Dick­darm­feld, bei 2 die chro­ni­sche Verstopfung.


Zungenbild Nr. 14 

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Herr J. D. in K., 57 Jah­re alt.
Die­ses Zun­gen­bild wur­de am 18. 3. 42 auf­ge­nom­men und weni­ge Mona­te spä­ter war die­ser Mann an Magen­krebs ver­stor­ben. Sei­ne letz­ten Lebens­ta­ge ver­lie­fen äußerst qual­voll, da er nicht mehr in der Lage war, auch nur das Gerings­te an Nah­rung oder Flüs­sig­keit über die Lip­pen zu brin­gen.
Wir fin­den bei 1 die stark gezeich­ne­ten Merk­ma­le des Car­dia-und Pylo­rus-Car­ci­noms, wel­ches sich auch über den übri­gen Magen aus­strah­lend ver­zweigt. Bei 2 tref­fen wir mar­kan­te Zei­chen einer chro­ni­schen Darm­drü­sen­schwä­che an.

Zungenbild Nr. 15 

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Herr E. St. in K., 62 Jah­re alt.
Das hier vor­lie­gen­de Zun­gen­bild wur­de am 3. 1. 1943, nur eini­ge Tage vor dem ein­ge­tre­te­nen Tode die­ses Schwer­kran­ken, auf­ge­nom­men. Die­ser Mann ist buch­stäb­lich ver­hun­gert, da er nichts mehr zu sich neh­men konn­te.
Auch bei die­sem Bild fin­den wir wie beim vori­gen, den mit Gewalt nie­der­zie­hen­den Erstar­rungs­zug der Mate­rie an der über­mä­ßig star­ken Aus­prä­gung der Sul­cen und Fis­su­ren.
Der sonst im Leben immer sehr arbeit­sa­me Mann litt an Car­dia- und Öso­pha­gus­c­ar­ci­nom. Die hin­te­re Zun­gen­par­tie war ohne Fur­chen und Rha­g­aden, aller­dings sehr dick und schmie­rig belegt.

Zungenbild Nr. 16 

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Herr G. M. St. in Kl. Kr., 62 Jah­re alt.
Die Auf­nah­me des Zun­gen­bil­des erfolg­te am 27. 10. 1943 und bereits am 24. 11. 1943 ver­starb Herr St. im Kreis-Kran­ken­haus in S. an den Fol­gen des Magen-Car­ci­noms.
Wie bei den bei­den vori­gen Zun­gen­bil­dern erken­nen wir auch hier die schwe­ren Ver­falls­er­schei­nun­gen an den tie­fen Fur­chen und Ein­drü­cken im Magen­feld, die gegen­über der übri­gen Zun­gen­ober­flä­che in die­sem Fall noch stark gerö­tet waren.
Es bestand fer­ner noch eine chro­ni­sche Pha­ryn­gi­tis, sowie zeit­wei­se Stuhl­träg­heit und Ver­stop­fung.
Die auf der lin­ken Zun­gen­hälf­te ersicht­li­chen Längs­fur­chen dürf­ten als Meta­sta­sen des Magen­c­ar­ci­noms, wel­che sich nach dem Darm­feld oder sonst­wie nach der Bauch­höh­le hin erstreck­ten, zu dia­gnos­ti­zie­ren sein.

Zungenbild Nr. 17 

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Herr Frz. Nik. W. in J., 62 Jah­re alt.
Rönt­gen-Auf­nah­me April 1944 im Städt. Kr. in O.
Befund: Ulcus chro­ni­cum jux­ta­car­dia­cum.
Wir fin­den bei 1 das Ulcus­zei­chen an der Car­dia, bei 2 Merk­ma­le der ner­vö­sen Magen­schwä­che, bei 3 einen Hem­mungs­sul­cus mit Fla­tu­lenz­bil­dung im Dickdarm.

Zungenbild Nr. 18 

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Herr Joseph S. in Hamb., 35 Jah­re alt.
Ein recht inter­es­san­tes Cha­rak­te­ris­ti­kum für die neue Zun­gen-Dia­gnos­tik bie­tet uns bei ein­ge­hen­der Betrach­tung die­se Zun­ge.
Die­ser Mann lei­det an dem soge­nann­ten Wolfs­ra­chen, wes­halb er ent­spre­chend den dama­li­gen Geset­zen vor sei­ner Ver­hei­ra­tung zwangs­mä­ßig ste­ri­li­siert wur­de.
Er litt infol­ge des Wolfs­ra­chens schon immer an einer Pha­ryn­gi­tis, wie auch ein bei ihm bestehen­des Magen­lei­den zunächst mit die­sem Geburts­feh­ler in Zusam­men­hang gebracht wur­den, bis man end­lich nach meh­re­ren Durch­leuch­tun­gen her­aus­fand, daß sein Magen den­noch Krank­heits­merk­ma­le auf­wies.
Rönt­gen-Auf­nah­me: Meh­re­re Auf­nah­men in ver­schie­de­nen Kran­ken­häu­sern in H.
Befund: porö­ser Magen.
Gegen­über den uns bis jetzt bekannt gewor­de­nen Zei­chen wie Fur­chen, Ein­ris­se, Ein­drü­cke etc., kenn­zeich­net sich die­ser Zustand mehr in der Art von Krin­gel­zei­chen, wel­che sich auf bei­den Magen- bezw. Zun­gen­hälf­ten vorfinden.

Zungenbild Nr. 19 

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Herr Frz. S. in N. R., 49 Jah­re alt
Rönt­gen-Auf­nah­me 1937 im Kreis-Kr. in S.
Befund: Nar­ben eines Zwölf­fin­ger­darm­ge­schwürs.
Wir fin­den bei 1 die Ulcus duo­den­um-Nar­ben, bei 2 abwech­selnd gela­ger­te Halb­sei­ten­fur­chen als Zei­chen gele­gent­li­cher Ver­stop­fung und Blähungsanhäufung.


Zungenbild Nr. 20 

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Herr Rudolf B. in Gr.-K., 69 Jah­re alt.
Rönt­gen-Auf­nah­me Ende Janu­ar 1940 im St. V. Kr. in H.
Befund: Darm­krebs, bezw. Anla­ge hier­zu.
Die­ses eben­falls eigen­ar­ti­ge Zun­gen­bild wieß außer den im gesam­ten Darm­feld nur links gele­ge­nen star­ken Ein­drü­cken und Fur­chen, sowie dem Öso­pha­gus­zei­chen, am gan­zen Zun­gen­rü­cken kei­ner­lei sons­ti­ge Merk­ma­le die­ser Art auf. Ent­spre­chend der Lage die­ser Zei­chen dürf­ten die krebsigen Wuche­run­gen ledig­lich auf der rech­ten Spei­se­röh­ren­hälf­te und ent­ge­gen­ge­setzt im Darm, dem Längs­ver­lauf des­sel­ben zufol­ge, nur auf der lin­ken Darm-Längs­hälf­te sich befun­den haben, mit Aus­nah­me des tie­fen Sul­cus im S‑romanum, der auch nach rechts über­greift. Wäre nach dem als­bald erfolg­ten Hin­schei­den eine Sek­ti­on die­ser Organ­tei­le vor­ge­nom­men wor­den, so hät­te uns die­se auch über die­se Fra­ge sicher ein­wand­frei Auf­schluß geben kön­nen. Es mögen jedoch noch viel­fach sol­che Fäl­le vor­kom­men, wes­halb es auch in Zukunft zu einer Klar­stel­lung immer noch Zeit haben dürf­te.
Wir fin­den bei 1 im Öso­pha­gus­feld einen Car­ci­nom­sul­cus, bei 2 sol­che im Dünn­darm- wie im Dick­darm­ab­schnitt und stär­ke­res auch nach rechts über­grei­fen­des Krebs­zei­chen im Colon sigmoideum.

Zungenbild Nr. 21 

Zungenbild

Frl. M. L. in H., 17 Jah­re alt.
Rönt­gen-Auf­nah­men wur­den meh­re­re im sei­ner­zei­ti­gen Dr. L. Kr. in H. gemacht, in wel­chem die Pati­en­tin ein Vier­tel­jahr lang in Beob­ach­tung war.
Befund: fast völ­li­ge Untä­tig­keit der Ein­ge­wei­de­drü­sen.
Bei 1 zeigt sich eine Erwei­te­rungs­stel­le des Dünn­darms und im Übri­gen fin­den wir über den gan­zen Zun­gen­rü­cken ver­brei­tet gegen­über der sons­ti­gen Zun­gen­far­be nur blaß­ro­te und teil­wei­se auch farb­lo­se Papil­len, als Zei­chen der Untä­tig­keit der Verdauungsdrüsen.

Zungenbild Nr. 22 

Zungenbild

Herr E. Gerichts­be­am­ter in H., 42 Jah­re alt.
Die­ses typi­sche Bild eines voll­kom­men ver­leg­ten Darm­roh­res, sicher infol­ge inne­rer Ver­wach­sun­gen und Zot­ten­bil­dun­gen bezw. Fett­zot­ten­bil­dun­gen, war die Ursa­che einer beson­ders hart­nä­cki­gen, chro­ni­schen Stuhl­ver­stop­fung, wobei die Faeces nur durch stärks­te Laxan­zen aus­ge­schie­den wer­den konn­ten.
Wir fin­den fer­ner bei 1 das Zei­chen eines Ulcus pylo­ri duo­deni und bei 2 ein sol­ches einer Gal­len­stö­rung, Gallengriesbildung.

Zungenbild Nr. 23 

Zungenbild

Herr Karl Pr. in H., 39 Jah­re alt.
Rönt­gen-Auf­nah­me Anfang August 1945 im Städt. Kr. in F.
Befund: “Längs­ge­stell­ter, hoch­ge­stell­ter Magen mit mäßi­ger Gas­tri­tis; am Angu­lus der klei­nen Kur­vat­ur fin­det sich eine etwa 1/​2 cm tie­fe Ulcus­ni­sche mit einer Basis von bei­na­he 2 cm Län­ge. In der Umge­bung der Nische fin­det sich ein brei­ter call­öser Rand­wulst.
Die Vor­der­wand des Bul­bus duo­deni ist nar­big defor­miert. Ein siche­res Ulcus im Nar­ben­ge­biet läßt sich nicht erken­nen, die Schleim­haut­fäl­te­lung ist im Duo­den­um im Sin­ne einer Duo­den­i­tis ver­grö­bert.” 
Wäh­rend bei einem vor­lie­gen­den Ulcus die betref­fen­den Zei­chen ent­spre­chend dem Grad des­sel­ben, mehr oder weni­ger stark gerö­tet sind, besteht bei Nar­ben­zei­chen von Ulcus etc. jedoch kei­ne Rötung der­sel­ben. Es sind dann die­sel­ben in der all­ge­mein vor­lie­gen­den Zun­gen­far­be und mit­un­ter auch noch blas­ser aus­ge­prägt.
Wir fin­den bei 1 eine chro­ni­sche Pha­ryn­gi­tis ange­zeigt, bei 2 die Nar­ben­zei­chen am Angu­lus der klei­nen Kur­vat­ur sowie am Duo­den­um, bei 3 die Zei­chen der Gas­tri­tis und bei 4 ein stark gehemm­tes Darm­rohr mit chro­ni­scher Stuhl­ver­stop­fung. Nach Aus­sa­ge des Pati­en­ten geht bei ihm der Stuhl viel­fach nur wie Schnür­rie­men ab.

Zungenbild Nr. 24 

Zungenbild

Frau Eli­se E. in O. W., 60 Jah­re alt.
Die­ses Zun­gen­bild führt uns noch ein­mal die zuver­läs­si­ge und ein­wand­freie Begrün­dung der vor­lie­gen­den neu­en Zun­gen-Dia­gno­se vor Augen. Die­se Zun­ge besaß nur eine etwas gerö­te­te Ablö­sungs­flä­che des Schleim­haut­epi­thels. Der Sul­cus media­nus ver­lief schön egal und wieß die übri­ge Ober­flä­che der gesam­ten Zun­ge kei­ner­lei Merk­ma­le irgend wel­cher Art auf. Nach den Anga­ben der Frau hat sie auch nie im Leben mal was mit Magen­o­der Darm­stö­run­gen zu tun gehabt.
Wir erken­nen an die­sem Zun­gen­bild ganz unwi­der­leg­bar, an dem Aus­druck der äuße­ren Schön­heit der Zun­ge, die inne­re Har­mo­nie der Verdauungsorgane. 

Die vor­ste­hen­de Auf­füh­rung von 24 Zun­gen­bil­dern dürf­te zur Ein­füh­rung in die­se neue Wis­sen­schaft zunächst genü­gen. Sie möge gleich­zei­tig als Ansporn die­nen, in gege­be­nen Fäl­len wei­te­res dies­be­züg­li­ches Mate­ri­al zu sam­meln und damit zum Aus­bau des neu­en Gebäu­des schritt­wei­se beizutragen. 

Jeder Mit­ar­bei­ter ist mir herz­lich willkommen!