Quelle: Bernhard Kronenberger — Die neue Diagnostik Lingualis (Zungendiagnose) (1949, Kahl a. Main)
Betrachtung der Zungenbilder.
Die vorstehend aufgeführten Zungenzeichen sind individuell sehr variabel und prägen sich bei jedem Einzelnen auf die verschiedenartigste und mannigfachste Art aus, weshalb obige Ausführungen nur als allgemeine Richtlinien gelten sollen.
Nachstehend gezeigte und besprochene Zungenbilder stellen nur eine kleine Auslese aus meiner großen Sammlung markanter Fälle dar und sind dieselben, mit Ausnahme weniger typischer Beispiele, um der Wissenschaft Genüge zu leisten, röntgenologisch gesichert.
Zungenbild Nr. 1
![]() |
Herr Jos. Sch. in S. mit schwerer Kriegsverletzung aus dem Weltkrieg 1914—18, bei der Bildaufnahme 44 Jahre alt.
Dieses Zungenbild stellt einen besonders interessanten Fall dar. Wir sehen bei 1 das Zeichen von einem Leberschuß, wobei ein ansehnliches Stück Leber verloren ging, bei 2 ein solches einer Blinddarmoperation welche in späteren Jahren erfolgte, bei 3 das typische Merkmal eines Dickdarm-Abschusses im Kriege und Anlegung eines rechtsseitigen Kotfisteis mit den markanten Abschlußzeichen des weiteren Colon und bei 4 eine Ulcus ventriculi Furche, weshalb dieser Patient in meiner Behandlung war.
Zungenbild Nr. 2
![]() |
Herr Heinr. W. in Hbg., ein 87jähriger, innerlich gesunder Mann.
Sein Zungenbild war neben den beiden Anzeichen, bei dem hohen Alter, besonders charakteristisch für eine ebenmäßige, schöngeformte Zunge ohne sonstige Fissuren, Furchen oder Falten. Bei 1 erkennen wir eine chronische, allerdings erblich veranlagte Pharyngitis, bei 2 das Zeichen einer teilweisen Erweiterung des Colon mit Neigung zu Flatulenz die schon von Jugend auf bestand. Dieser Mann war sonst gesund, hatte auch keine weiteren Störungen der Verdauungsorgane und seine Zunge wieß im Übrigen keinerlei Zeichen auf.
Zungenbild Nr. 3
![]() |
Herr Wilh. M. in H., litt bei der Bildaufnahme bereits 16 Jahre an den verschiedensten Leiden der Verdauungsorgane.
Die bis dahin erfolgten klinisch wissenschaftlichen Diagnosen mit zahlreichen Röntgenbefunden lauteten:
Herr Dr. F. in H. = Gallenblasenentzündung (Cholecystitis).
Herr Dr. R. in H. = Ulcus ventriculi.
Herr Prof. Dr. Sch. in F. = Zwölffingerdarm-Diverticulum.
Nach dem Bericht des Patienten habe Herr Prof. geäußert, daß es eine seltene Sache darstelle, die er in seine Werke aufnehmen wolle. Wir finden auf dem Zungenbild bei 1 ein Zeichen für Ulcus pylori, bei 2 ein solches für ein Diverticulum duodeni, bei 3 ein Gallenzeichen, anscheinend Sanduhrgalle bezw. Blase, bei 4 dünne Magenwände, wahrscheinlich infolge dauernden Einnehmens von Natron, und bei 5 endlich die Merkmale des gehemmten Dickdarmes mit chronischer Verstopfung.
Zungenbild Nr. 4
![]() |
Herr G. Schw. in M., 65 Jahre alt.
Die Zungenbildzeichnung wurde einige Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit vorgenommen. Die röntgenologische und klinische Diagnose lautete später auf Magenkrebs, woran der Mann auch verstarb. Die Zungenzeichen waren einige Monate vor seinem Tode jedoch doppelt bis dreifach so stark ausgeprägt und kamen zu dem hier wiedergegebenen Bild nur noch ein paar kleinere Furchen hinzu.
Bei 1 erkennen wir (schon Jahre voraus) die Carcinom-Anlage an der Cardia wie am Pylorus, bei 2 Gallenblasenentzündung, mehrfach aufgetreten und bei 3 die bekannten Verstopfungszeichen.
Zungenbild Nr. 5
![]() |
Frau M. in M., 74 Jahre alt, wog nur noch 36 Kilogramm.
Röntgen-Aufnahme am 16. 9. 1938, ohne Befund. Die vor einigen Jahren verstorbene Frau hatte in ihren letzten Lebensjahren ein reines Martyrium der verschiedenen Eingeweidestörungen durchzumachen, wozu sich als Todesursache schließlich noch Ascites einstellte.
Das Zungenbild zeigt bei 1 eine divertikelartig abgeknickte Dünndarmerweiterung, bei 2 Magenschrumpfung, des öfteren Erbrechen entsprechend sicher mit Kaskadenbildung (säuerliches Erbrechen), bei 3 Gallensteine und Gallenschrumpfung, bei 4 starke Dickdarmhemmung mit chronischer Verstopfung.
Zungenbild Nr. 6
![]() |
Frl. Anna N. in N., 23 Jahre alt. Es handelt sich um eine stark abgemagerte, fast täglich mit Epilepsie-Anfällen geplagte Kranke.
Bei 1 finden wir das Zeichen chronischer Pharyngitis, bei 2 Dünndarmerweiterung, bei 3 das Zeichen der Blinddarmoperation, bei 4 Erweiterung und Blähungszeichen im Dickdarm, bei 5 das sternförmige Zeichen einer Gewebezerreißung, einer Ruptur. Hierbei handelt es sich um einen Leberriß von ca. 20 cm Länge, nach klinischer Feststellung, der anläßlich eines Sturzes bei einem epileptischen Anfalle zugezogen wurde.
Zungenbild Nr. 7
![]() |
Herr Otto K. in Sch., 33 Jahre alt.
Röntgen-Aufnahme in Priv.-Klin. Dr. W. in A.
Befund: Ulcus pylori duodeni.
Wir finden bei 1 die Sulcus-Merkmale vom Pförtner- und Zwölffingerdarmgeschwür, bei 2 die Zeichen einer Gallenblasenbelastung und bei 3 ein teilweise gehemmtes Darmrohr mit zeitweiser Flatulenz.
Zungenbild Nr. 8
![]() |
Kind Kunigunda Sp. in Sch., 6 Jahre alt.
Ein sehr interessanter und für unsere neue Zungen-Diagnose zugleich typischer Fall.
Das Mädchen hatte in seinem dritten Lebensjahre aus einer Flasche irgend ein undefinierbares ätzendes Gift getrunken und mußte in diesem Zustand sofort ins Krankenhaus. Dort rettete man dem Kinde noch das Leben, jedoch blieben eine Schlundkopf-Verätzung, eine Speiseröhren-Knickung und eine Magen-Fundussenkung zurück, worunter das Kind mit der Nahrungsaufnahme etc. andauernd zu leiden hatte, weshalb es auch in meine Behandlung kam.
Der geknickte Verlauf des Sulcus medianus zeigt bei 1 deutlich die Speiseröhren-Knickung an und außerdem scheinbare Verätzungs- und Auflockerungszeichen der Cardia, bei 2 die Zeichen der Pharynxverätzung, bei 3 die Zeichen der Fundus-Erschlaffung und ‑Senkung. Alle diese Störungen dürften durch Gewebserweichung und Gewebelockerung als Folge der Ätzwirkung entstanden
Zungenbild Nr. 9
![]() |
Herr Robert Schr, in Gr. K., 30 Jahre alt.
Röntgen-Aufnahme November 1939 im St. V. Kr. in H.
Befund: Thoraxdurchleuchtung Herz und Lunge ohne Befund.
Magen- und Darmpassage: Nach glatter Ösophaguspassage füllt sich zunächst eine Kaskade die dauernd stehen bleibt und aus der sich der darunter gelegene Magenabschnitt allmählich entleert. Die Falten verlaufen parallel, sind etwas vergröbert. Große und kleine Kurvatur sind einwandfrei. Der Pylorus schnürt sich gut ab. Der Bulbus ist deformiert und zeigt dauernd einen gewissen Füllungszustand. Nach 4 Stunden ist der Magen leer. Der Brei ist bis zum Caecum vorgerückt.
Diagnose: Kaskaden-Magen, Ulcus duodeni.
Wir finden bei 1 die Einziehungsstellen der Magenkaskade, bei 2 die gerötete Ulcus duodeni-Stelle, bei 3 ein Cardia-Zeichen ebenfalls gerötet mit stärkerer Druckempfindung, bei 4 die Zeichen einer vermutlichen Gallenblasenverwachsung.
Zungenbild Nr. 10
![]() |
Herr Joh. L. in St., 36 Jahre alt.
Röntgen-Aufnahme 1938 im Städt. Kr. in F.
Befund: Ulcus ventriculi, Cardianähe, Ulcus duodeni.
Bei 1 erkennen wir die Zeichen des Magengeschwürs, welches sich nach der Cardia hinzieht, bei 2 das Zwölffingerdarmgeschwür und bei 3 die Neigung zu Flatulenz sowie Stuhlträgheit.
Zungenbild Nr. 11
![]() |
Herr Konrad Sch. in Gr. K., 40 Jahre alt.
Auch dieses Zungenbild bietet uns einen Beweis über die Zuverlässigkeit und ohne viel behaupten zu wollen, auch einer Diagnosenfestigkeit der neuen Zungen-Diagnose. Dieser Mann, der in einem chemischen Werk jahrelang mit förmlich den Körper austrocknenden Dünsten und starken Säuren arbeitete, hatte wegen schwerer Erkrankung in den letzten Jahren zahlreiche Instanzen durchlaufen, ohne daß ihm auch nur die geringste Besserung oder Erleichterung zuteil wurde. Man hatte ihn bereits invalidisiert, er wurde immer weniger und hatte auch völlig mit seinem Leben abgeschlossen. Wegen der hochgradigen Verdauungsbeschwerden hatte man ihn im Jahre 1938 am Magen operiert, die Operation blieb jedoch vollkommen erfolglos, wie sein Zustand ebenfalls immer hoffnungsloser wurde und er mit einer förmlichen Austrocknung seiner Gewebe dahinsiechte.
Als er in meine Behandlung gegeben wurde, bot sich mir das vorliegende Zungenbild und konnte damals nur mit einer Lebensfrist von höchstens einigen Wochen prognostiziert werden.
Das Zungenzeichen bei 1 dürfte als Operationsnarbe von der Magenoperation zu bewerten sein. Im Übrigen war die gesamte Zungenoberfläche stark gerötet und geschwollen. Die über den ganzen Zungenrücken ausgebreiteten, fast lückenlos vorhandenen vielen Sulcen und Fissuren geben ein typisches Bild von dem zur Erstarrung drängenden Zug der Materie, wie er treffender nicht vorgefunden werden kann. Der gesamte Bereich von seinem Verdauungstraktus war infolge der Dauer-Vergiftungen sicher noch weit stärkerer Austrocknung unterworfen, wie dies der äußere Gewebezustand des Kranken dem Beschauer an sich schon darbot.
Eine dementsprechende planmäßige Umstellung in der Nahrungszufuhr zwecks Anreicherung der Gewebssäfte, neben der Darreichung von gut gewählten homöopathischen Mitteln, erzielte langsam und allmählich einen Umschwung zum Besseren und schließlich eine einigermaßen zufriedenstellende Genesung, mit der überhaupt nicht mehr gerechnet wurde. Entsprechend der fortschreitenden Umstellung im Inneren, verschwanden dann auch die meisten Zungenzeichen wieder, bis auf das vorher erwähnte Signum der Operationsnarbe.
Zungenbild Nr. 12
![]() |
Herr U. in O., 46 Jahre alt.
Operiert am 6. Juli 1940 im Städt. Kr. in O.., an Ulcus ventriculi, dabei wurde der Magenausgang versetzt.
Wir finden bei 1 das Zeichen des neuen Magenausganges, bei 2 Narbenzeichen früherer Magengeschwüre, bei 3 Blinddarm-Verwachsung, bei 4 mehrfache Hemmungen im Dickdarmfeld mit chronischer Verstopfung. Besonders auffallend ist hierbei, daß der neue Magenausgang sich in der linken Zungenhälfte anzeigt, infolge der Operationsverlegung, während er unter normalen Verhältnissen, bezw. normalem Situs, sich wie bisher festgestellt, immer rechts vorfindet.
Zungenbild Nr. 13
![]() |
Herr Heinr. L. in H., 58 Jahre alt.
Röntgen-Aufnahme vom 10. 8. 1940, Städt. Kr. in F.
Befund: Ulcus ventriculi.
Die typischen Zeichen für Ulcus ventriculi erkennen wir bei 1 und an den zahlreichen Rhagaden im Dickdarmfeld, bei 2 die chronische Verstopfung.
Zungenbild Nr. 14
![]() |
Herr J. D. in K., 57 Jahre alt.
Dieses Zungenbild wurde am 18. 3. 42 aufgenommen und wenige Monate später war dieser Mann an Magenkrebs verstorben. Seine letzten Lebenstage verliefen äußerst qualvoll, da er nicht mehr in der Lage war, auch nur das Geringste an Nahrung oder Flüssigkeit über die Lippen zu bringen.
Wir finden bei 1 die stark gezeichneten Merkmale des Cardia-und Pylorus-Carcinoms, welches sich auch über den übrigen Magen ausstrahlend verzweigt. Bei 2 treffen wir markante Zeichen einer chronischen Darmdrüsenschwäche an.
Zungenbild Nr. 15
![]() |
Herr E. St. in K., 62 Jahre alt.
Das hier vorliegende Zungenbild wurde am 3. 1. 1943, nur einige Tage vor dem eingetretenen Tode dieses Schwerkranken, aufgenommen. Dieser Mann ist buchstäblich verhungert, da er nichts mehr zu sich nehmen konnte.
Auch bei diesem Bild finden wir wie beim vorigen, den mit Gewalt niederziehenden Erstarrungszug der Materie an der übermäßig starken Ausprägung der Sulcen und Fissuren.
Der sonst im Leben immer sehr arbeitsame Mann litt an Cardia- und Ösophaguscarcinom. Die hintere Zungenpartie war ohne Furchen und Rhagaden, allerdings sehr dick und schmierig belegt.
Zungenbild Nr. 16
![]() |
Herr G. M. St. in Kl. Kr., 62 Jahre alt.
Die Aufnahme des Zungenbildes erfolgte am 27. 10. 1943 und bereits am 24. 11. 1943 verstarb Herr St. im Kreis-Krankenhaus in S. an den Folgen des Magen-Carcinoms.
Wie bei den beiden vorigen Zungenbildern erkennen wir auch hier die schweren Verfallserscheinungen an den tiefen Furchen und Eindrücken im Magenfeld, die gegenüber der übrigen Zungenoberfläche in diesem Fall noch stark gerötet waren.
Es bestand ferner noch eine chronische Pharyngitis, sowie zeitweise Stuhlträgheit und Verstopfung.
Die auf der linken Zungenhälfte ersichtlichen Längsfurchen dürften als Metastasen des Magencarcinoms, welche sich nach dem Darmfeld oder sonstwie nach der Bauchhöhle hin erstreckten, zu diagnostizieren sein.
Zungenbild Nr. 17
![]() |
Herr Frz. Nik. W. in J., 62 Jahre alt.
Röntgen-Aufnahme April 1944 im Städt. Kr. in O.
Befund: Ulcus chronicum juxtacardiacum.
Wir finden bei 1 das Ulcuszeichen an der Cardia, bei 2 Merkmale der nervösen Magenschwäche, bei 3 einen Hemmungssulcus mit Flatulenzbildung im Dickdarm.
Zungenbild Nr. 18
![]() |
Herr Joseph S. in Hamb., 35 Jahre alt.
Ein recht interessantes Charakteristikum für die neue Zungen-Diagnostik bietet uns bei eingehender Betrachtung diese Zunge.
Dieser Mann leidet an dem sogenannten Wolfsrachen, weshalb er entsprechend den damaligen Gesetzen vor seiner Verheiratung zwangsmäßig sterilisiert wurde.
Er litt infolge des Wolfsrachens schon immer an einer Pharyngitis, wie auch ein bei ihm bestehendes Magenleiden zunächst mit diesem Geburtsfehler in Zusammenhang gebracht wurden, bis man endlich nach mehreren Durchleuchtungen herausfand, daß sein Magen dennoch Krankheitsmerkmale aufwies.
Röntgen-Aufnahme: Mehrere Aufnahmen in verschiedenen Krankenhäusern in H.
Befund: poröser Magen.
Gegenüber den uns bis jetzt bekannt gewordenen Zeichen wie Furchen, Einrisse, Eindrücke etc., kennzeichnet sich dieser Zustand mehr in der Art von Kringelzeichen, welche sich auf beiden Magen- bezw. Zungenhälften vorfinden.
Zungenbild Nr. 19
![]() |
Herr Frz. S. in N. R., 49 Jahre alt
Röntgen-Aufnahme 1937 im Kreis-Kr. in S.
Befund: Narben eines Zwölffingerdarmgeschwürs.
Wir finden bei 1 die Ulcus duodenum-Narben, bei 2 abwechselnd gelagerte Halbseitenfurchen als Zeichen gelegentlicher Verstopfung und Blähungsanhäufung.
Zungenbild Nr. 20
![]() |
Herr Rudolf B. in Gr.-K., 69 Jahre alt.
Röntgen-Aufnahme Ende Januar 1940 im St. V. Kr. in H.
Befund: Darmkrebs, bezw. Anlage hierzu.
Dieses ebenfalls eigenartige Zungenbild wieß außer den im gesamten Darmfeld nur links gelegenen starken Eindrücken und Furchen, sowie dem Ösophaguszeichen, am ganzen Zungenrücken keinerlei sonstige Merkmale dieser Art auf. Entsprechend der Lage dieser Zeichen dürften die krebsigen Wucherungen lediglich auf der rechten Speiseröhrenhälfte und entgegengesetzt im Darm, dem Längsverlauf desselben zufolge, nur auf der linken Darm-Längshälfte sich befunden haben, mit Ausnahme des tiefen Sulcus im S‑romanum, der auch nach rechts übergreift. Wäre nach dem alsbald erfolgten Hinscheiden eine Sektion dieser Organteile vorgenommen worden, so hätte uns diese auch über diese Frage sicher einwandfrei Aufschluß geben können. Es mögen jedoch noch vielfach solche Fälle vorkommen, weshalb es auch in Zukunft zu einer Klarstellung immer noch Zeit haben dürfte.
Wir finden bei 1 im Ösophagusfeld einen Carcinomsulcus, bei 2 solche im Dünndarm- wie im Dickdarmabschnitt und stärkeres auch nach rechts übergreifendes Krebszeichen im Colon sigmoideum.
Zungenbild Nr. 21
![]() |
Frl. M. L. in H., 17 Jahre alt.
Röntgen-Aufnahmen wurden mehrere im seinerzeitigen Dr. L. Kr. in H. gemacht, in welchem die Patientin ein Vierteljahr lang in Beobachtung war.
Befund: fast völlige Untätigkeit der Eingeweidedrüsen.
Bei 1 zeigt sich eine Erweiterungsstelle des Dünndarms und im Übrigen finden wir über den ganzen Zungenrücken verbreitet gegenüber der sonstigen Zungenfarbe nur blaßrote und teilweise auch farblose Papillen, als Zeichen der Untätigkeit der Verdauungsdrüsen.
Zungenbild Nr. 22
![]() |
Herr E. Gerichtsbeamter in H., 42 Jahre alt.
Dieses typische Bild eines vollkommen verlegten Darmrohres, sicher infolge innerer Verwachsungen und Zottenbildungen bezw. Fettzottenbildungen, war die Ursache einer besonders hartnäckigen, chronischen Stuhlverstopfung, wobei die Faeces nur durch stärkste Laxanzen ausgeschieden werden konnten.
Wir finden ferner bei 1 das Zeichen eines Ulcus pylori duodeni und bei 2 ein solches einer Gallenstörung, Gallengriesbildung.
Zungenbild Nr. 23
![]() |
Herr Karl Pr. in H., 39 Jahre alt.
Röntgen-Aufnahme Anfang August 1945 im Städt. Kr. in F.
Befund: “Längsgestellter, hochgestellter Magen mit mäßiger Gastritis; am Angulus der kleinen Kurvatur findet sich eine etwa 1/2 cm tiefe Ulcusnische mit einer Basis von beinahe 2 cm Länge. In der Umgebung der Nische findet sich ein breiter callöser Randwulst.
Die Vorderwand des Bulbus duodeni ist narbig deformiert. Ein sicheres Ulcus im Narbengebiet läßt sich nicht erkennen, die Schleimhautfältelung ist im Duodenum im Sinne einer Duodenitis vergröbert.”
Während bei einem vorliegenden Ulcus die betreffenden Zeichen entsprechend dem Grad desselben, mehr oder weniger stark gerötet sind, besteht bei Narbenzeichen von Ulcus etc. jedoch keine Rötung derselben. Es sind dann dieselben in der allgemein vorliegenden Zungenfarbe und mitunter auch noch blasser ausgeprägt.
Wir finden bei 1 eine chronische Pharyngitis angezeigt, bei 2 die Narbenzeichen am Angulus der kleinen Kurvatur sowie am Duodenum, bei 3 die Zeichen der Gastritis und bei 4 ein stark gehemmtes Darmrohr mit chronischer Stuhlverstopfung. Nach Aussage des Patienten geht bei ihm der Stuhl vielfach nur wie Schnürriemen ab.
Zungenbild Nr. 24
![]() |
Frau Elise E. in O. W., 60 Jahre alt.
Dieses Zungenbild führt uns noch einmal die zuverlässige und einwandfreie Begründung der vorliegenden neuen Zungen-Diagnose vor Augen. Diese Zunge besaß nur eine etwas gerötete Ablösungsfläche des Schleimhautepithels. Der Sulcus medianus verlief schön egal und wieß die übrige Oberfläche der gesamten Zunge keinerlei Merkmale irgend welcher Art auf. Nach den Angaben der Frau hat sie auch nie im Leben mal was mit Magenoder Darmstörungen zu tun gehabt.
Wir erkennen an diesem Zungenbild ganz unwiderlegbar, an dem Ausdruck der äußeren Schönheit der Zunge, die innere Harmonie der Verdauungsorgane.
Die vorstehende Aufführung von 24 Zungenbildern dürfte zur Einführung in diese neue Wissenschaft zunächst genügen. Sie möge gleichzeitig als Ansporn dienen, in gegebenen Fällen weiteres diesbezügliches Material zu sammeln und damit zum Ausbau des neuen Gebäudes schrittweise beizutragen.
Jeder Mitarbeiter ist mir herzlich willkommen!























