Die topographischen Zungenfelder der Verdauungsorgane

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Quel­le: Bern­hard Kro­nen­ber­ger — Die neue Dia­gnos­tik Lin­gua­lis (Zun­gen­dia­gno­se) (1949, Kahl a. Main)

Die topographischen Zungenfelder der Verdauungsorgane. 

Nach der vor­lie­gen­den Zun­gen-Dia­gnos­tik ver­brei­ten sich die topo­gra­phi­schen Lagen der Ver­dau­ungs­or­ga­ne über die Zun­gen­ober­flä­che, also über den Zun­gen­rü­cken, soweit der­sel­be vor dem Sul­cus ter­mi­na­lis bezw. den Papil­lae val­la­tae gele­gen, uns den Über­blick bei genü­gen­der Öff­nung des Mun­des frei­gibt. Zu beach­ten ist, daß die Zun­ge nicht in gespann­ter Form, son­dern in gelo­cker­ter, brei­ter Lage­rung gezeigt wird.

Die ein­zel­nen Organ­fel­der unter­tei­len sich auf der Zun­gen­ober­flä­che ent­spre­chend dem Zun­gen-Dia­gno­sen-Schlüs­sel, Abbil­dung Nr. 5.
Der in der Längs­rich­tung in der Zun­gen­mit­te von der Spit­ze bis zu den Papil­lae val­la­tae zie­hen­de Sul­cus media­nus gibt uns in sei­ner Ver­fas­sung einen Gesamt­über­blick über die Weg­sam­keit des Darm­roh­res an sich und in sei­nen Unter­tei­lun­gen einen sol­chen über die ein­zel­nen Darm­ab­schnit­te im Beson­de­ren.
An der Zun­gen­spit­ze fin­den wir die Regi­on des Schlund­kop­fes (Pha­rynx), sowie den obe­ren Teil der Spei­se­röh­re (Öso­pha­gus).
Hier­an reiht sich die übri­ge Spei­se­röh­re wel­che an der Magen­mund­re­gi­on, der Car­dia, in den Magen einmündet.

Die Zungen-Topographie der Verdauungsorgane

Abb. 5 Die Zun­gen-Topo­gra­phie der Verdauungsorgane

Die Regi­on des Magens hat zu bei­den Sei­ten des Sul­cus media­nus, unge­fähr auf dem vor­de­ren Drit­tel der Zun­ge, ihr topo­gra­phi­sches Feld. Den rechts vom Ver­ti­kal­schnitt lie­gen­den Magen­teil mit der klei­nen Cur­vat­ur, den Magen­pfört­ner, Pylo­rus, sowie den Zwölf­fin­ger­darm, Duo­den­um, fin­den wir auf der vom Sul­cus media­nus rechts lie­gen­den Zun­gen­hälf­te, und den links der Mit­tel­li­nie lie­gen­den Magen­ab­schnitt, den Magen­grund, Fun­dus ven­tri­cu­li, mit der gro­ßen Cur­vat­ur fin­den wir auf der dem­entspre­chen­den lin­ken Zun­gen­hälf­te. Bei etwa vor­lie­gen­der Magen­er­wei­te­rung nimmt ent­spre­chend der­sel­ben das Magen­feld einen grö­ße­ren Raum von der Zun­gen­ober­flä­che ein.

Der an das Duo­den­um anschlie­ßen­de Dünn­darm­teil, Intesti­num jejunum, beginnt gewis­ser­ma­ßen bereits zwi­schen den bei­den Magen­hälf­ten und setzt sich im Sul­cus media­nus gele­gen in den wei­te­ren Abschnitt des Dünn­dar­mes, den End­teil des­sel­ben, wel­cher als Intesti­num ile­um bezeich­net wird, fort.

An dem Ende des letz­te­ren ist der Abschnitt des Blind­dar­mes. Im wei­te­ren Ver­lauf des Sul­cus media­nus liegt das topo­gra­phi­sche Feld vom Dick­darm oder Grimm­darm, Colon, wel­cher sich in sei­nen auf­stei­gen­den Teil, Colon ascen­dens, in sei­nen quer­lie­gen­den Teil, Colon trans­ver­sus, und in sei­nen abstei­gen­den Teil, Colon des­cen­dens, unter­teilt. Hier­an anschlie­ßend ist im Sul­cus media­nus noch das Feld vom S‑förmigen Grimm­darm, Colon sig-moide­um, und kurz vor den Papil­lae val­la­tae, bezw. dem Sul­cus ter­mi­na­lis die Regi­on des Mast­darms, die man nur durch Nie­der­drü­cken des Zun­gen­rü­ckens über­bli­cken kann.

Die topo­gra­phi­sche Lage der Bauch­spei­chel­drü­se, Pan­kre­as, ist auf bei­den Zun­gen­hälf­ten hin­ter der Magen-Regi­on, wenigs­tens in for­mel­ler Hin­sicht und bei aku­ten Stö­run­gen der­sel­ben fin­den wir in die­ser Regi­on ent­spre­chen­de Zei­chen. Bei chro­ni­schen Lei­den des Pan­kre­as fin­den wir die cha­rak­te­ris­ti­schen Merk­ma­le meist über die gan­ze Magen­par­tie ver­streut; dies bil­det einen Beweis dafür wie innig die Funk­tio­nen vom Magen und der Bauch­spei­chel­drü­se inein­an­der verschmelzen.

Das Feld der Leber ist hin­ter dem Feld des Pan­kre­as zu bei­den Sei­ten gele­gen, jedoch fin­den wir auf der rech­ten Zun­gen­sei­te den rech­ten Leber­lap­pen, Lobus dex­ter, sowie die bei­den klei­ne­ren Lap­pen, Lobus cau­da­tus und Lobus qua­dra­tus und dar­an anschlie­ßend das Feld der Gal­len­bla­se, Vesi­ca fel­lea, und auf der lin­ken Zun­gen­hälf­te den lin­ken Leber­lap­pen, Lobus sinis­ter, manch­mal jedoch nur teilweise.

Einen gera­de­zu über­ra­schen­den Auf­schluß gibt uns das Bild vom Sul­cus media­nus, denn jede Abwei­chung des­sel­ben vom nor­ma­len Ver­lauf, jede Tei­lung und Ver­schlän­ge­lung, sowie jede Fal­te und Fur­che die mit ihm in Ver­bin­dung steht, ist kenn­zeich­nend für die Weg­sam­keit bezw. Unweg­sam­keit des Darm- und Ver­dau­ungs­roh­res überhaupt.