Eupatorium cannabinum – Seite 4 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Eupa­to­ri­um can­na­binum (Sei­te 4 von 4)
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Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Eupa­to­ri­um wirkt als Blut­rei­ni­gungs­mit­tel bei Erkran­kun­gen der Leber, Gal­le und Milz und wird, in glei­cher Wei­se wie Eupa­to­ri­um per­fo­li­a­tum, bei grippösen und inter­mit­tie­ren­den Fie­bern angewandt.
Recht häufig wird es als Diure­ti­kum bei Hydro­ps, ins­be­son­de­re bei begin­nen­der Aszi­tes und bei Ödemen der Füße sowie als Pur­gans (in größeren Dosen) ver­ord­net. Fer­ner wird es bei Erkran­kun­gen der Atmungs­or­ga­ne wie Pneu­mo­nie, chro­ni­scher Bron­chi­tis, Tus­sis und Schnup­fen, auch Stock­schnup­fen, gege­ben. Bei Schnup­fen und Stock­schnup­fen läßt man mit Erfolg dil. D 3 inhalieren.
Äußerlich (das zer­quetsch­te Kraut oder das “Teep” als Brei­um­schlag) leis­tet es gute Diens­te bei Geschwüls­ten, Quet­schun­gen und Exanthemen.

Angewandter Pflanzenteil:

Mat­thio­lus emp­fiehlt das Kraut.
Nach v. Hal­ler wur­den hauptsächlich die Blätter, fer­ner die Wur­zel gebraucht.
Gei­ger gibt das Kraut und die Wur­zel, Her­ba et Radix Eupa­to­rii seu Can­na­bis aqua­ti­cae, als früher offi­zi­nell an.
Schulz kennt die Ver­wen­dung der Blätter, des Krau­tes und der Wur­zel. Zörnig, Hager und Thoms erwähnen das blühen­de Kraut.
Zur Her­stel­lung der Präparate eig­net sich das fri­sche blühen­de Kraut (
Sam­mel­zeit: Juli bis August

), demgemäß wird auch das “Teep” her­ge­stellt. Die homöopathische Urtink­tur nach dem HAB. hat den glei­chen Aus­gangs­stoff (§ 3).

Dosierung:

Übliche Dosis:
4–5 g des Wur­zel­pul­vers als Cho­lagogum und Pur­gans (Leclerc);
2 Teelöffel voll (= 2 g) zum kal­ten Aus­zug täglich.
½ Teelöffel der Frisch­pflan­zen­ver­rei­bung “Teep” drei- bis vier­mal täglich.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 50% Pflan­zen­sub­stanz eingestellt.)
In der Homöopathie:
dil. D 1, drei­mal täglich 10 Tropfen.
Maxi­mal­do­sis:
Nicht fest­ge­setzt.

Rezepte:

Bei Leber‑, Milz- und Gal­len­stau­un­gen und Hydrops:
Rp.:
Hb. Eupa­to­rii can­na­bi­ni conc.
30
(= Was­ser­dost­kraut)
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 2 Glas Was­ser kalt anset­zen, 8 Stun­den zie­hen las­sen und tags­Ã¼­ber trin­ken17.
Rezep­tur­preis ad chart. etwa -.41 RM.

Fußnoten:

1 Fuchs, New-Kreu­ter­buch, Basel 1543.

2 Bock, Kreut­ter­buch, 1565, S. 181.

3 Mat­thio­lus, New-Kreu­ter­buch, 1626, S. 351.

4 Wein­mann, J. W., Phytan­tho­za ico­no­gra­phia, Regens­burg 1737, Bd. 2, S. 422.

5 Boer­haa­ve, zit. b. v. Hal­ler, Medi­cin. Lexi­con, 1755, S. 618.

6 Osi­an­der, Volks­arz­ney­mit­tel, S. 257.

7 Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arz­nei­pfl., 1929, S. 258.

8 Jan­son, ärztliche Sammelblätter 1937, S. 155.

9 Dra­gen­dorff, Die Heil­pfl. d. versch. Völker u. Zei­ten, S. 660.

10 Kroeber, Das neu­zeit­li­che Kräuterbuch, S. 376.

11 Aschen­bren­ner, Die neue­ren Arz­nei­mit­tel und Arz­nei­zu­be­rei­tungs­for­men, S. 130, Erlan­gen 1851.

12 Weh­mer, Die Pflan­zen­stof­fe, S. 1215.

13 Vgl. 9).

14 Fischer, H., Beitr. Biol. d. Pflan­zen 1898, 8, 86.

15 Nach eige­nen Untersuchungen.

16 Vgl. 14).

17 Teezubereitung:

Der Extrakt­ge­halt des im Verhältnis 1: 10 berei­te­ten Tees beträgt 1,6% gegen­Ã¼­ber 2% bei kal­ter Zube­rei­tung. Der Aschen­ge­halt des Extrak­tes beträgt heiß 0,38% und kalt 0,46%. Geschmack­lich scheint der heiß berei­te­te Tee aller­dings etwas bit­te­rer zu schme­cken. Ein Ansatz 1:100 dürf­te die Gren­ze des­sen dar­stel­len, was man noch trin­ken kann. Die Per­oxy­da­se­re­ak­ti­on ist nega­tiv. 1 Teelöffel voll wiegt 1 g. Der Tee wird auf Grund die­ser Ergeb­nis­se zweckmäßig kalt unter Ver­wen­dung von etwa 1 Teelöffel voll auf 1 Tee­glas bereitet.