Quelle: Magnus Hirschfeld & Richard Linsert: Liebesmittel — Eine Darstellung der geschlechtlichen Reizmittel / Aphrodisiaca (MAN Verlag, Berlin, 1930)


Hinweis: Niemand wird in irgendeiner Form aufgefordert, irgendeine der hier behandelten Substanzen, Potenzmittel oder Rezepturen zu sich zu nehmen. Kein Hinweis ist ein Ratschlag für Kranke. Keine hier dargebotene Information soll die Selbstmedikation unterstützen. Achtung – das Leben birgt Risiken und Gefahren und endet immer tödlich! Bis dahin kann es jedoch versüßt werden.
Anhalonium Lewinii
Bereits an anderer Stelle haben wir darauf hingewiesen, daß ein bestimmter mexikanischer Kaktus unter dem Namen Peyotl bezw. Mescal von einzelnen Indianerstämmen als Absud konsumiert wurde. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß dieses Rauschmittel, ähnlich dem Kokain, Opium und Haschisch, erotische Ekstasen bereitet. Doch kommen nur so kleine Mescalquantitäten nach Europa, daß keineswegs angenommen werden kann, das Mescalin könne sich etwa in demselben Maße durchsetzen, wie die anderen in Europa verbreiteten Rauschgifte (Alkohol, Kokain, Heroin etc). Auf die vorzügliche Monographie Beringers über den Mescalinrausch haben wir bereits ebenfalls an anderer Stelle hingewiesen. Eine überflüssigerweise alarmierende Pressemeldung vom 11. Januar 1929 über die “Kakteenekstase” geben wir hier immerhin des Interesses halber wieder: “Das Pariser Handelsgericht steht vor einem seltsamen Entschluß, auf Grund einer Anfrage des Dr. E. Tereinet. Das Gericht soll darüber entscheiden, ob eine Kaktee aus Mexiko in Frankreich eingeführt werden darf oder nicht. Es handelt sich um den sogenannten Peyotl, eine gestielte grüne Knolle mit Warzen, die hoch in den Bergen an unzugänglichen Orten wächst und von den Medizinmännern einiger Indianerstämme gesammelt wird. Aus dem Peyotl wird ein berauschender Trank gebraut, der in verschiedenen Gegenden Mexikos viel getrunken wird. Die Kaktee gilt als heilig, sie wird unter gewissen Beschwörungen und Zeremonien gepflückt. Sie versetzt in Ekstasen, die die Wirkungen aller Rauschgifte übertreffen soll; einer Tanzekstase folgt ein Schlaf mit erotischen Visionen. In den U. S. A. ist die Einfuhr seit Jahr und Tag verboten. Droht eine Einfuhr in Frankreich, daß ein Arzt die Anfrage an das Handelsgericht stellt ? Das Gericht wird sich natürlich gegen den Teufelskaktus aussprechen, so gut wie gegen die heimliche Einfuhr von Kokain, Opium, Haschisch, Heroin. Aber, wenn in Paris bereits eine “Teufelssekte” existiert?”