Einführung (2)

Natur und Ganzheitsprinzip

Ganz­heit bedeu­tet, daß der Mensch eine Ein­heit aus Kör­per, Geist und See­le bil­det. Nur wenn die­se drei Kom­po­nen­ten intakt sind und mit­ein­an­der har­mo­ni­sie­ren, ist der Mensch gesund. Im Umkehr­schluß bedeu­tet dies: Ist der Mensch kör­per­lich krank, lei­det dar­un­ter nicht nur der betrof­fe­ne Bereich, son­dern der gan­ze Mensch. Die Ursa­chen für die Erkran­kung dür­fen gemäß die­ses Prin­zips nicht iso­liert von der Ganz­heit ver­stan­den und behan­delt wer­den. Bereits Hip­po­kra­tes lehr­te, neben dem Kör­per auch das See­len­le­ben bei Vor­sor­ge und The­ra­pie mit­ein­zu­be­zie­hen. So wir­ken auch die lokal ange­wen­de­ten Natur­heil­ver­fah­ren wie Teil­bä­der, Güs­se und Wickel auf den gan­zen Orga­nis­mus. Die in der Schul­me­di­zin ent­wi­ckel­te Spe­zia­li­sie­rung durch immer mehr ver­schie­de­ne Fach­ärz­te steht dem ganz­heit­li­chen Gedan­ken grund­sätz­lich ent­ge­gen. Die jewei­li­ge Spe­zi­al­aus­bil­dung lenkt die Kon­zen­tra­ti­on des Arz­tes nur noch auf den erkrank­ten Bereich, die übri­gen Kör­per­funk­tio­nen, Geist und See­le blei­ben meist unbe­ach­tet. Die Kon­se­quenz sieht meist so aus, daß nur die Sym­pto­me, nicht aber die Ursa­chen behan­delt wer­den. Einer zum Teil raschen Bes­se­rung der Beschwer­den folgt so nicht sel­ten ein Rückfall.

Die Experten in Sachen Naturheilkunde

Den­noch: Auf­grund der sich immer schnel­ler ent­wi­ckeln­den Medi­zin ist die Exis­tenz von Fach­ärz­ten abso­lut not­wen­dig. All­ge­mein­ärz­te kön­nen sich ein dem medi­zi­ni­schen Stan­dard ange­mes­se­nes Spe­zi­al­wis­sen nicht mehr aneig­nen. Im Sin­ne der Pati­en­ten wäre es aber, wenn sämt­li­chen Ärz­ten wäh­rend ihrer Aus­bil­dung ein hohes Maß an natur­heil­kund­li­chem und ganz­heit­li­chem Wis­sen ver­mit­telt wer­den wür­de. Eine gesetz­lich gere­gel­te Aus­bil­dung zum Heil­prak­ti­ker gibt es in Deutsch­land nicht. Die im Heil­prak­ti­ker-Gesetz von 1939 fest­ge­schrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen, um die­sen Beruf aus­üben zu dür­fen, sind recht gering: • Min­dest­al­ter 25 Jah­re • deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit • der Inter­es­sent muß „frei von Gebre­chen und Gefah­ren für die Volks­ge­sund­heit“ sein • er muß eine Eig­nungs­prü­fung vor dem ört­li­chen Gesund­heits­amt able­gen. Die deut­schen Heil­prak­ti­ker-Ver­bän­de haben sich selbst eine „Schul­sat­zung“ gege­ben. Danach muß ein Mit­glied min­des­tens 3 000 Aus­bil­dungs­stun­den über einen Zeit­raum von drei Jah­ren vor­wei­sen. Aber eine ver­bind­li­che Prü­fungs­ord­nung gibt es, obwohl von vie­len Heil­prak­ti­kern gefor­dert, auch bei den Ver­bän­den nicht. Pati­en­ten, die sich in Behand­lung eines Heil­prak­ti­kers bege­ben möch­ten, sei den­noch gera­ten, nur Mit­glie­dern eines der aner­kann­ten Ver­bän­de (sie­he Adres­sen ) ihr Ver­trau­en zu schenken.

Die Leistungen der Krankenkassen

Ärz­te für Natur­heil­ver­fah­ren benö­ti­gen eine aka­de­mi­sche Aus- und Wei­ter­bil­dung. Die Zusatz­be­zeich­nung „Natur­heil­ver­fah­ren“ wird von den Lan­des­ärz­te­kam­mern unter fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen ver­ge­ben: • sechs­jäh­ri­ges medi­zi­ni­sches Hoch­schul­stu­di­um • Appro­ba­ti­on und Nach­weis einer min­des­tens zwei­jäh­ri­gen kli­ni­schen Tätig­keit • Teil­nah­me an vier Kur­sen über nau­tur­ge­mä­ße Heil­wei­sen von je einer Woche Dau­er • drei­mo­na­ti­ge Wei­ter­bil­dung bei einem ermäch­tig­ten Arzt für Natur­heil­ver­fah­ren. Als ein wich­ti­ges Signal dafür, daß die Natur­heil­kun­de aus der „exo­ti­schen Ecke“, in die sie vor allem von Schul­me­di­zi­nern immer wie­der gedrängt wor­den war, her­aus­ge­tre­ten ist, gilt ein Urteil des Bun­des­ge­richts­ho­fes vom Juni 1993 (Az. IV ZR 135/​92). Die Rich­ter hoben die soge­nann­te Wis­sen­schafts­klau­sel als Bestand­teil der „All­ge-mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen“ auf. Dem­nach dür­fen pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen ihre Kos­ten­er­stat­tung nicht auf wis­sen­schaft­lich aner­kann­te Behand­lungs­me­tho­den beschrän­ken. Sie müs­sen auch Kos­ten für alter­na­ti­ve The­ra­pien, die sich in der Pra­xis bewährt haben, über­neh­men. In der Regel über­neh­men pri­va­te Ver­si­che­run­gen auch die Kos­ten für den Heil­prak­ti­ker. Die gesetz­li­chen Kas­sen zah­len für Heil­prak­ti­ker-Leis­tun­gen grund­sätz­lich nicht. Bei der Über­nah­me von Kos­ten für Natur­heil­ver­fah­ren sieht es schon etwas anders aus. Wen­det ein Arzt die­se Ver­fah­ren an, sind die Chan­cen, daß auch die gesetz­li­che Ver­si­che­rung die Kos­ten über­nimmt, in den meis­ten Fäl­len gut. Wich­tig ist hier aber, daß der Arzt die Not­wen­dig­keit die­ser Behand­lung attes­tiert. Die Zahl der gesetz­li­chen Kas­sen, die für bestimm­te Natur­heil­ver­fah­ren wie zum Bei­spiel Aku­punk­tur und Homöo­pa­thie die Kos­ten über­neh­men, wächst – unter dem Gesichts­punkt, daß die­se Metho­den meist kos­ten­güns­ti­ger sind als die kon­ven­tio­nel­len. Wich­tig ist es, bei der Suche nach einer neu­en Kran­ken­kas­se nach einem Leis­tungs­ka­ta­log zu fra­gen. Den­ken Sie dar­an, unter Beach­tung der gesetz­li­chen Kün­di­gungs­frist kön­nen Sie die Kran­ken­kas­se jeder­zeit wechseln.

Die Grenzen der Naturheilkunde

Bei all den Vor­tei­len, die die Natur­heil­kun­de der Gesund­heit des Men­schen bie­tet, soll­te man sich davor hüten, sie als All­heil-Medi­zin zu ver­ste­hen. So weiß die Natur­heil­kun­de auf Krank­hei­ten wie Aids, Krebs oder Hepa­ti­tis nur beding­te, also nur unzu­rei­chen­de Ant­wor­ten. Hier kann sie nur eine wert­vol­le Ergän­zung sein. Auch bei sehr star­ken Schmer­zen, die um des Pati­en­ten wil­len rasch gelin­dert wer­den müs­sen, kön­nen im Grun­de nur che­mi­sche Prä­pa­ra­te hel­fen. Und Men­schen in aku­ter Lebens­ge­fahr – vor allem nach Unfäl­len – kön­nen nur durch schul­me­di­zi­ni­sche Hil­fe geret­tet wer­den. Hier gilt es zunächst die hef­ti­gen Sym­pto­me zu unter­drü­cken, ohne Rück­sicht auf mög­li­che Neben­wir­kun­gen. Schä­den durch die lebens­ret­ten­de Inten­siv­me­di­zin kön­nen dann gera­de durch bio­lo­gi­sche The­ra­pien gelin­dert oder besei­tigt wer­den. Ein wei­te­rer Grund, war­um die Natur­heil­kun­de nicht immer den gewünsch­ten Heil­erfolg brin­gen kann, liegt dar­in, daß die Selbst­re­gu­la­ti­on bei vie­len Men­schen heu­te gestört ist. Ursa­che sind lang­jäh­ri­ge Feh­ler in der Ernäh­rung und in der Lebens­wei­se. Also: Wer die natür­li­che Medi­zin will, der soll­te es nicht ver­säu­men, auch natür­lich zu leben, das heißt, sei­nen Kör­per zu pfle­gen und ihn nicht zu über­for­dern. Die Medi­zin der Zukunft kann nur die Kom­bi­na­ti­on aus wis­sen­schaft­li­chen und natur­heil­kund­li­chen Heil­wei­sen sein.

Quel­le
© Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Honos Ver­la­ges, Köln, 2010.