Sumpfporst

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Sumpf­porst, Ledum palust­re, L. [Zorn, pl. med. tab. 571] mit band­för­mi­gen Blät­tern, und zehn Staub­fä­den, wel­che län­ger als die Blu­men­kro­ne sind, ein zwei Fuß hohes immer­grü­nes Sträu­chel­chen in gebir­gich-ten Gegen­den auf Torf­grün­den des käl­tern Euro­pas, vor­züg­lich in Böh­men und Schle­si­en, wel­ches im Juny und July wei­ße wohl­rie­chen­de Blu­men in After­schir­men trägt.

Die den Kranz­ros­ma­rin­blät­tern nicht unähn­li­chen Blät­ter (Fol. Ros­ma­ri­ni syl­vestris) sind stumpf, eine Linie breit, einen Zoll lang und haben völ­lig zurück­ge­roll­te Rän­der, hin­ter denen die Rück­flä­che braun-wol­licht ist, einen betäu­ben­den, hef­ti­gen, wein­geis­tig-gewürz­haf­ten, nicht ganz unan­ge­neh­men Geruch, und einen bit­ter­lich gewürz­haf­ten Geschmack. (Man ver­wech­se­le sie nicht mit den geruch­lo­sen, spit­zi­gen, auf der Rück­sei­te bläu­lich­grau­en, schmä­lern Blät­tern der Andro­me­da poli­fo­lia, L. w.s.) Schon im Geru­che, noch mehr durch den innern Gebrauch ver­ur­sacht die­ses Kraut hef­ti­ges Kopf­weh und Trun­ken­heit. Ihre Anwen­dung statt des Hop­fens zum Bie­re, wie hie und da gesche­hen ist, bleibt daher sehr ver­werf­lich. Man hat sie, nach meh­rern wich­ti­gen Zeu­gen, im Anfan­ge des Keich­hus­tens, in der epi­de­mi­schen, ersti­cken­den Bräu­ne mit schlei­chen­dem Fie­ber, in meh­rern Haut­aus­schlä­gen, dem Grin­de, der Krät­ze und eini­gen Arten des Aus­sat­zes und in Kon­trak­tu­ren mit gro­ßem Erfol­ge gebracht; ihr Ruhm in der Ruhr ist so begrün­det noch nicht. In eini­gen Arten von Glie­der­weh und in Fuß­ge­schwulst haben sie die Alten gerühmt.

Doch sind die Zufäl­le, die auf star­ke Gaben zu erfol­gen pfle­gen, von der Art, daß ihr Gebrauch etwas Behut­sam­keit ein­flö­ßen muß. Die geis­ti­ge Tink­tur habe ich als die bes­te Form gefunden.

Den Absud hat man zu Til­gung des Unge­zie­fes an Men­schen und Vieh, auch gegen die Wan­zen mit Vort­heil angewendet.