Sumpfcalle

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Sumpf­cal­le, Cal­la palus­tris, L. [Flor. dan. tab. 422] mit herz­för­mi­gen Blät­tern, fla­cher Blu­men­schei­de, und durch­gän­gi­gen Zwit­ter­blüt­hen in der Blu­men­kol-be, ein Kraut mit peren­ni­ren­der Wur­zel in den Sümp­fen, und ste­hen­den Grä­ben im gemä­sig­ten und käl­tern Euro­pa, wo sie im July gelb blüht.

Die hori­zon­tal im Moras­te lie­gen­de, sehr lan­ge, fin­ger­di­cke, dun­kel braun­ro­the, glatt­glän­zen­de, geglie­der­te, an den Glie­dern mit wei­ßen Zaser­bär­ten besetz­te, inwen­dig wei­ße, flei­schi­ge Wur­zel (Rad. Dra-cun­cu­li aqua­ti­ci) besitzt kei­nen son­der­li­chen Geruch, aber einen beim Kau­en zwar anfangs unmerk­li­chen, dann aber mit stei­gen­der Hef­tig­keit bren­nen­den Geschmack, der viel zähen Spei­chel her­bei­zieht, die Lip­pen taub und blaß macht, nach­ge­hends aber von selbst ver­schwin­det. Sie behält nach dem Trock­nen ihre Kräf­te weit unver­min­der­ter, als die Wur­zel des Fle­cken­a­ron, zer­fällt auch nicht, wie die­se, zu Pul­ver, son­dern bleibt zäh und schwer zu pül­vern. Man hat die­ser gewiß sehr arz­nei­li­chen, schätz­ba­ren Wur­zel, ver­muth­lich ohne hin läng­li­che Erfah­run­gen, glei­che Wir­kun­gen und Arz­nei­tu­gen­den als dem Fle­cken­a­ron zuge­schrie­ben; doch ist sie stär­ker als lez­te­re; im Back­ofen hart gedörrt wird aus ihr mit anderm Meh­le in West­bo­th­ni­en eine Art Brod zubereitet.

Die Alten lie­ßen die im August rei­fen­de vier­eckig rund­li­che Bee­re (Fruc­tus Dra­cun­cu­li aqua­ti­ci) wel­che zwi­schen einem zäh­schlei­mi­gen, fade schme­cken­den Saf­te viel klei­ne, zylin­dri­sche, höchst bren­nend schme­cken­de Samen ent­hält, inner­lich gegen den Vipern­biß mit Wein ein­neh­men, empirisch.