Selerieppich

Hahnemanns Apothekerlexikon
vorheriges KapitelZurückInhaltsverzeichnisWeiternächstes Kapitel

Sele­riep­pich, Api­um gra­veo­lens, L. [Zorn, pl. med. tab. 464.] mit keil­för­mi­gen Sten­gel­blät­tern ein zwei­jäh­ri­ges höchs­tens drei Fuß hohes Kraut.

Die Alten bedien­ten sich zur Arz­nei blos des wil­den Was­ser­ep­pichs, einer Pflan­ze, von der es noch sehr unwahr­schein­lich ist, ob sie mit dem süßen Sele­riep­pich uns­rer Gär­ten (Api­um dul­ce, Mill. mit auf­ge­rich­te­ten, lang­ge­stiel­ten Blät­tern, deren Fie­de­run­gen fünf­lap­pig und säge­ar­tig gezahnt sind) eine und die­sel­be Spe­zi­es sei, indem der wil­de Was­ser­ep­pich (mit gefie­der­ten Blät­tern, und drei­lap­pi­gen Fie­de­run­gen) wel­cher in ste­hen­den Grä­ben, wel­che Koch­salz ent­hal­ten, in der Gegend von Salz­ko­then oder am Mee­re wächst, fast einen Monat spä­ter blüht, in allen sei­nen Thei­len einen wid­rig stin­ken­den Geruch und schar­fen bit­tern Geschmack hat, und sich durch Kul­tur in süßen Sele­ri nicht umän­dern las­sen soll.

Die Wur­zel des wil­den Was­ser­ep­pichs (Rad. Apii, Apii palus­tris) ist gilb­licht weiß­licht, einen Dau­men stark, zert­heilt sich aus einem dickern Kop­fe in eini­ge Zasern, und hat einen schärf­lich­ten Geschmack, und einen pas­ti­nak­ar­ti­gen, doch eig­nen, Kopf ein­neh­men­den Geruch. Die Alten schrie­ben ihr, äus­ser­lich frisch gebraucht (denn getrock­net ist sie ganz kraft­los) Tugen­den bei Milch­ver­här­tun­gen der Brüs­te, inner­lich eine (unwahr­schein­lich) Ver­stop­fun­gen auf­lö­sen­de und zert­hei­len­de Kraft zu, und rühm­ten sie sehr als Harn und Monat­zeit (?) trei­ben­des Mit­tel, so wie das dar­aus destil­lir­te Was­ser. Sie hat­ten aber den Arg­wohn, daß ihr Gebrauch Epi­lep­sie, Schwin­del, und Schlag­flüs­se beför­de­re, und die Seh­kraft min­de­re. In neu­ren Zei­ten hat man eine vor­züg­li­che anti­s­kor­bu­ti-sche Kraft von die­ser Pflan­ze wahrgenommen.

Den klei­nen, gestreif­ten, braun­ro­then, sehr wid­rig rie­chen­den Samen (Sem. Apii, Apii palus­tris), schrieb man eine star­ke harn­trei­ben­de und Blä­hun­gen abfüh­ren­de Kraft zu; sie töd­ten Kop­f­un­ge­zie­fer, und las­sen ihre Kräf­te völ­lig durch Wein­geist ausziehen.

Die Alten, wel­che fast nie arz­nei­li­schen Gebrauch von den bekann­ten süßen Gar­ten­sele­ri­wurzeln (Rad. Cele­ri) mach­ten, schrie­ben ihnen doch eine Geschlechts­trieb beför­dern­de Kraft beim Genus­se zu, hiel­ten sie aber schäd­lich für Per­so­nen, die zu Bla­sen­stein und Fall­sucht geneigt sind. Auch alten Leu­ten soll der Sele­ri nacht­hei­lig seyn.