Bleichsucht und andere anämische Zustände

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Quel­le: Schüss­ler – Bio­che­mie: Abge­kürz­te The­ra­pie (1898, 25. Auf­la­ge, Dr. med. Schüßler)















Bleichsucht und andere anämische Zustände

Die Blut­kör­per­chen ent­hal­ten, wie die auf Sei­te 10 gege­be­ne Ana­ly­se zeigt, Eisen, schwe­fel­sau­res Kali, Chlor­ka­li­um, Phos­phor­saures Kali, phos­phor­sauren Kalk, phos­phor­saure Magne­sia, phos­phor­saures Natron und Natron.

Die Ver­meh­rung der Blut­kör­per­chen voll­zieht sich durch Thei­lung der­sel­ben inner­halb des Blut­stro­mes; und dies geschieht auf fol­gen­de Weise:

Von dem in dem Plas­ma ent­hal­te­nen Chlor­na­tri­um wird durch die Mas­sen­wir­kung der im Blu­te ent­hal­te­nen Koh­len­säu­re ein Theil des Chlor abge­spal­ten; der abge­spal­te­ne Theil ver­bin­det sich mit dem in den Kör­per­chen ent­hal­te­nen Natron zu Chlor­na­tri­um. Die­ses zieht Blut­was­ser an und nimmt es in sich auf; dadurch ver­grö­ßern sich die Kör­per­chen und dem­zu­fol­ge voll­zieht sich eine Thei­lung derselben.

Die aus der Thei­lung her­vor­ge­gan­ge­nen klei­nen Zel­len neh­men behufs Wachsth­ums Blut­ei­weiß auf, wel­ches durch phos­phor­sauren Kalk orga­ni­sirt wird.

In dem Blut­ei­weiß ist das für die Blut­kör­per­chen erfor­der­li­che Eisen in genü­gen­der Men­ge vor­han­den: In der nor­ma­len (rothen) Blut­zel­le ver­hält sich das Eisen zu den Zel­len dem Gewich­te nach wie 1 zu 1000. (Vide Sei­te 10.)

Wenn in einer Blut­zel­le Natron im Mini­mum vor­han­den ist, kann sich, wie aus Obi­gem erhellt, in den­sel­ben kein genü­gen­des Quan­tum Chlor­na­tri­um bil­den; der Was­ser­ge­halt der Blut­kör­per­chen kann sich dem­nach nicht bis zu dem zu ihrer Thei­lung erfor­der­li­chen Gra­de vermehren.

Ist im Inter­cel­lu­lar­flui­dum phos­phor­saurer Kalk im Mini­mum vor­han­den, so kann sich das zum Wachsthum der jun­gen Zel­len erfor­der­li­che Quan­tum Eiweiß nicht organisiren.

In den Fäl­len, wo Chlor­na­tri­um sich nicht in den Blut­zel­len bil­den kann, muß genann­tes Salz in mini­ma­len Gaben den betr. Pati­en­ten gereicht werden.

Das Chlor­na­tri­um des Inter­cel­lu­lar­flui­dums reprä­sen­tirt eine Koch­salz­lö­sung, wel­che für die Zel­len zu con­cen­trirt ist; es ist dar­um eine höhe­re Ver­dün­nung erforderlich.

Wenn das Koch­salz des Blu­tes in die — kran­ken und gesun­den — Blut­kör­per­chen tre­ten könn­te, so wür­de die Thei­lung der­sel­ben zu früh sich voll­zie­hen; es wür­den Thei­lun­gen auf Thei­lun­gen rasch bis zur schließ­li­chen Ver­nich­tung fol­gen, denn die aus den Thei­lun­gen her­vor­ge­gan­ge­nen klei­nen Zel­len wür­den zum Wach­sen und Funk­tio­ni­ren kei­ne Zeit haben.

Chlor­na­tri­um und phos­phor­saurer Kalk sind die Heil­mit­tel der Bleichsucht.

Kann in einem gege­be­nen Fal­le nicht genau ermit­telt wer­den, wel­ches von bei­den Mit­teln indi­cirt ist, dann ist der abwech­seln­de Gebrauch bei­der Mit­tel statthaft.

Anämi­sche Zustän­de, wel­che durch depri­mi­ren­de Gemüths­af­fec­te ver­an­laßt wor­den sind, erfor­dern zu ihrer Hei­lung Kali phos­pho­ri­cum, weil dies Salz in den Blut­kör­per­chen und im Plas­ma der betr. Kran­ken im Mini­mum vor­han­den ist. — Das All­ge­mein­be­fin­den der Kran­ken oder wenigs­tens eini­ge Sym­pto­me haben ihr Spie­gel­bild in der Cha­rac­te­ris­tik des Kali phos­pho­ri­cum. (Vide Sei­te 16.)

Das Heil­mit­tel der Leuk­ämie ist Natrum sulp­hu­ricum, wel­ches den Zer­fall der aus­ge­dien­ten Leu­co­cy­ten durch Was­ser­ent­zie­hung bewirkt. Dar­um heilt es auch lang­wie­ri­ge Eite­run­gen bei leuk­ämischen Personen.