Thuja occidentalis – Seite 3 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Thu­ja occi­den­ta­lis (Sei­te 3 von 4)
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Wirkung

In ihrer Hei­mat wird die Pflan­ze als Dia­pho­re­ti­kum, Diure­ti­kum, Anti­sy­phi­li­ti­kum und ‑rheu­ma­ti­kum, Adstrin­gens und Styp­ti­kum ange­wandt1, in Euro­pa dien­te sie als Heil­mit­tel bei Febris inter­mit­tens und Hydro­ps2, ulze­rö­sen Haut­af­fek­tio­nen, als Emme­nago­gum und miß­bräuch­lich als Abor­ti­vum3. Nach Schulz4 wird die Thu­ja­tink­tur zum Ver­trei­ben von Papil­lo­men, War­zen und spit­zen Kon­dy­lo­men benutzt.
Sicard und Larue5 sahen gute Erfol­ge von Thu­ja-Injek­tio­nen in die Warzenbasis.
In Chi­na6 wird die Spe­ci­es Thu­ja ori­en­ta­lis gegen Blut­sturz, Epis­ta­xis und Häma­tu­rie verwendet.

Abend­län­di­scher Lebensbaum
Thu­ja occi­den­ta­lis L.
(etwa ½ nat. Gr.)
Die homöo­pa­thi­sche Schu­le7 gebraucht Thu­ja u. a. bei chro­ni­schem Trip­per, Lues, Rheu­ma, Impf­schä­den, Grip­pen­eur­al­gi­en und kank­erö­ser Dyskrasie.
Wizen­mann8 bezeich­net Thu­ja als Haupt­mit­tel für erwor­be­ne kon­sti­tu­tio­nel­le Schä­di­gung durch Pocken und Impf­ver­gif­tung, bei all­ge­mei­ner Säfteverderbnis.
Der wirk­sa­me Bestand­teil der Thu­ja ist das thu­jon- und pini­pi­k­r­in­hal­ti­ge äthe­ri­sche Öl9. Die Wir­kung gleicht daher viel­fach der durch Sabi­na her­vor­ge­ru­fe­nen10.
Bei Ver­gif­tung infol­ge Gebrauchs des Mit­tels als Abor­ti­vum kam es zu tie­fem Koma, erhöh­tem Blut­druck, moto­ri­schen Reiz­erschei­nun­gen, Vomitus, Diar­rhöe, Erhö­hung der Tem­pe­ra­tur und der Puls­zahl, Bron­chopneu­mo­nie, Lun­gen­ödem und tonisch-klo­ni­schen Krämp­fen11. Im wei­te­ren Ver­lauf kommt es oft zu schwe­ren Stoff­wech­sel­stö­run­gen, ins­be­son­de­re gel­ber, aku­ter Leberatrophie.
Bei Idio­syn­kra­sie kann Thu­ja haut­rei­zend wir­ken12.
Ver­gif­tun­gen mit Thu­ja haben in eini­gen Fäl­len auch zum Tode geführt. So hat­te ein 22jähriges Mäd­chen, um Abort her­bei­zu­füh­ren, eini­ge Wochen den Auf­guß der Thu­ja­zwei­ge zu sich genom­men. Da der erwünsch­te Erfolg nicht ein­trat, mach­te es sich eine Vagi­nal­spü­lung mit dem Tee, wor­auf Bewußt­seins­ver­lust, Krämp­fe und nach zwei Tagen der Tod erfolg­te. Bei der Obduk­ti­on wur­de eine begin­nen­de dop­pel­sei­ti­ge Lun­gen­ent­zün­dung fest­ge­stellt, fer­ner Blu­tun­gen im Herz­fleisch, dege­ne­ra­ti­ve Ver­än­de­run­gen (trü­be Schwel­lung) der gro­ßen drü­si­gen Orga­ne, Ent­zün­dung der Magen­darm­schleim­haut mit Blu­tun­gen, Milz­in­farkt (?), intak­te Schwan­ger­schaft am Ende des drit­ten Monats. Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist die fet­ti­ge Dege­ne­ra­ti­on der Leber und Nie­ren, die als bekann­te Sym­pto­me einer sub­aku­ten Thu­ja­ver­gif­tung gel­ten. Jung­mi­chel13 ist der Ansicht, daß die­ser Fall aufs neue bestä­tigt, daß Thu­ja kein spe­zi­fi­sches Abtrei­bungs­mit­tel ist, da trotz der schwe­ren Ver­gif­tung die Frucht in kei­ner Wei­se geschä­digt wurde.
Die Behand­lung der Ver­gif­tun­gen ähnelt der­je­ni­gen mit Sabi­na. Nach Geß­ner14 wären gegen die Stoff­wech­sel­stö­run­gen Trau­ben­zu­cker intra­ve­nös und Insu­lin zu versuchen.

Schematische Darstellung der Häufigkeit der Anwendung verschiedener Heilpflanzen bei: