
Wirkung
In ihrer Heimat wird die Pflanze als Diaphoretikum, Diuretikum, Antisyphilitikum und ‑rheumatikum, Adstringens und Styptikum angewandt1, in Europa diente sie als Heilmittel bei Febris intermittens und Hydrops2, ulzerösen Hautaffektionen, als Emmenagogum und mißbräuchlich als Abortivum3. Nach Schulz4 wird die Thujatinktur zum Vertreiben von Papillomen, Warzen und spitzen Kondylomen benutzt.
In China6 wird die Species Thuja orientalis gegen Blutsturz, Epistaxis und Hämaturie verwendet.

Abendländischer Lebensbaum
Thuja occidentalis L.
(etwa ½ nat. Gr.)
Die homöopathische Schule7 gebraucht Thuja u. a. bei chronischem Tripper, Lues, Rheuma, Impfschäden, Grippeneuralgien und kankeröser Dyskrasie.
Wizenmann8 bezeichnet Thuja als Hauptmittel für erworbene konstitutionelle Schädigung durch Pocken und Impfvergiftung, bei allgemeiner Säfteverderbnis.
Der wirksame Bestandteil der Thuja ist das thujon- und pinipikrinhaltige ätherische Öl9. Die Wirkung gleicht daher vielfach der durch Sabina hervorgerufenen10.
Bei Vergiftung infolge Gebrauchs des Mittels als Abortivum kam es zu tiefem Koma, erhöhtem Blutdruck, motorischen Reizerscheinungen, Vomitus, Diarrhöe, Erhöhung der Temperatur und der Pulszahl, Bronchopneumonie, Lungenödem und tonisch-klonischen Krämpfen11. Im weiteren Verlauf kommt es oft zu schweren Stoffwechselstörungen, insbesondere gelber, akuter Leberatrophie.
Bei Idiosynkrasie kann Thuja hautreizend wirken12.
Vergiftungen mit Thuja haben in einigen Fällen auch zum Tode geführt. So hatte ein 22jähriges Mädchen, um Abort herbeizuführen, einige Wochen den Aufguß der Thujazweige zu sich genommen. Da der erwünschte Erfolg nicht eintrat, machte es sich eine Vaginalspülung mit dem Tee, worauf Bewußtseinsverlust, Krämpfe und nach zwei Tagen der Tod erfolgte. Bei der Obduktion wurde eine beginnende doppelseitige Lungenentzündung festgestellt, ferner Blutungen im Herzfleisch, degenerative Veränderungen (trübe Schwellung) der großen drüsigen Organe, Entzündung der Magendarmschleimhaut mit Blutungen, Milzinfarkt (?), intakte Schwangerschaft am Ende des dritten Monats. Besonders hervorzuheben ist die fettige Degeneration der Leber und Nieren, die als bekannte Symptome einer subakuten Thujavergiftung gelten. Jungmichel13 ist der Ansicht, daß dieser Fall aufs neue bestätigt, daß Thuja kein spezifisches Abtreibungsmittel ist, da trotz der schweren Vergiftung die Frucht in keiner Weise geschädigt wurde.
Die Behandlung der Vergiftungen ähnelt derjenigen mit Sabina. Nach Geßner14 wären gegen die Stoffwechselstörungen Traubenzucker intravenös und Insulin zu versuchen.
Schematische Darstellung der Häufigkeit der Anwendung verschiedener Heilpflanzen bei:
