Chloräthyls (S. 243)

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Quel­le: Magnus Hirsch­feld & Richard Lin­sert: Lie­bes­mit­tel — Eine Dar­stel­lung der geschlecht­li­chen Reiz­mit­tel /​​ Aphro­di­sia­ca (MAN Ver­lag, Ber­lin, 1930)

Liebesmittel

Hin­weis: Nie­mand wird in irgend­ei­ner Form auf­ge­for­dert, irgend­ei­ne der hier behan­del­ten Sub­stan­zen, Potenz­mit­tel oder Rezep­tu­ren zu sich zu neh­men. Kein Hin­weis ist ein Rat­schlag für Kran­ke. Kei­ne hier dar­ge­bo­te­ne Infor­ma­ti­on soll die Selbst­me­di­ka­ti­on unter­stüt­zen. Ach­tung – das Leben birgt Risi­ken und Gefah­ren und endet immer töd­lich! Bis dahin kann es jedoch ver­süßt werden.

Chloräthyls (S. 243)

In den letz­ten Jah­ren hat sich die Anwen­dung des Chlor­äthyls (Äthyl­chlo­rid, Äther chlor­a­tus, Chlor­was­ser­stof­fäther, Monochlor­äthan) für kur­ze Ope­ra­tio­nen immer mehr aus­ge­brei­tet. Das hat sei­nen Grund vor allen Din­gen in der rela­ti­ven Unge­fähr­lich­keit der All­ge­mein­be­täu­bung. Doch wird bekannt­lich das Chlor­äthyl nicht nur für Voll­nar­ko­sen, son­dern auch für ört­li­che Betäu­bun­gen ver­wen­det, indem aus einer gro­ßen Glas­am­pul­le ein dün­ner Strahl des Che­mi­ka­li­ums auf die Stel­le des Kör­pers gespritzt wird, die unemp­find­lich gemacht wer­den soll. Anfangs war man der Mei­nung, daß das Chlor­äthyl kei­ne Ein­wir­kung auf die Funk­tio­nen der Geschlechts­sphä­re aus­übe. Die­se Ansicht ver­tra­ten Anfang des Jahr­hun­derts bis etwa 1906 Seitz, Euler und Paul. Mit der zuneh­men­den Anwen­dung des Mit­tels wur­den denn auch die ers­ten gegen­tei­li­gen Erfah­run­gen bekannt. Schon 1907 teil­te Her­ren­knecht mit, daß die Frau eines Arz­tes, die in Gegen­wart ihres Man­nes nar­ko­ti­siert wur­de, die Vor­stel­lung hat­te, es sei ihr Gewalt ange­tan wor­den, und der Ein­druck haf­te­te so fest in ihrer Erin­ne­rung, daß es sehr schwer war, sie davon zu über­zeu­gen, daß sie nur geträumt habe. Das gilt für einen Fall der Chlor­äthyl-Voll­nar­ko­se. – Aber auch im Anschluß an ört­li­che Betäu­bun­gen sind geschlecht­li­che Reiz­erschei­nun­gen auf­ge­tre­ten und Kör­ner beschreibt einen Fad, wo einer Frau ein Zahn gezo­gen war und Chlor­äthyl ver­wen­det wor­den ist, ohne daß es zu einem Rausch­zu­stand gekom­men wäre. Die Frau behaup­te­te spä­ter gegen­über der Poli­zei und einem Frau­en­arzt, daß sie ein­ge­schlä­fert wor­den und in der Nar­ko­se von dem behan­deln­den Arzt und einem Stu­die­ren­den geschlecht­lich miß­braucht wor­den sei. Die Frau wur­de übri­gens nach ent­spre­chen­den Vor­ver­hand­lun­gen auf ihren Geis­tes­zu­stand unter­sucht und es wur­de fest­ge­stellt, daß es sich bei ihr um eine ganz akut auf­ge­tre­te­ne Psy­cho­se han­del­te. Die Frau wur­de zur Behand­lung einer Irren­an­stalt über­wie­sen und nach mona­te­lan­ger Behand­lung als geheilt ent­las­sen. Ähn­li­che sexu­el­le Erre­gungs­zu­stän­de beob­ach­te­te Dorn.