Chloroforms (S. 243–244)

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Quel­le: Magnus Hirsch­feld & Richard Lin­sert: Lie­bes­mit­tel — Eine Dar­stel­lung der geschlecht­li­chen Reiz­mit­tel /​​ Aphro­di­sia­ca (MAN Ver­lag, Ber­lin, 1930)

Liebesmittel

Hin­weis: Nie­mand wird in irgend­ei­ner Form auf­ge­for­dert, irgend­ei­ne der hier behan­del­ten Sub­stan­zen, Potenz­mit­tel oder Rezep­tu­ren zu sich zu neh­men. Kein Hin­weis ist ein Rat­schlag für Kran­ke. Kei­ne hier dar­ge­bo­te­ne Infor­ma­ti­on soll die Selbst­me­di­ka­ti­on unter­stüt­zen. Ach­tung – das Leben birgt Risi­ken und Gefah­ren und endet immer töd­lich! Bis dahin kann es jedoch ver­süßt werden.

Chloroforms (S. 243–244)

Über die sti­mu­lie­ren­de Wir­kung des Chlo­ro­forms haben Mair, Maschka und Euler recht inter­es­san­te Anga­ben gemacht. Nuß­baum weißt dar­auf­hin, daß die Nar­ko­ti­sier­ten sehr oft der Ansicht waren, ihre Phan­ta­sien nach der Chlo­ro­form-Nar­ko­se für Wirk­lich­keit zu neh­men. Er schreibt: “Die einen mein­ten, man hät­te sie geschla­gen, die ande­ren, man hät­te sie geküßt, nicht weni­ge glaub­ten, sie sein geschlecht­lich benutzt wor­den. Ich war schon oft froh, daß ich nie ohne Zeu­gen nar­ko­ti­sier­te. Es ist noch nicht lan­ge her, da mein­te ein recht anstän­di­ges Mäd­chen: das hät­te sie nie von mir erwar­tet, daß sie wäh­rend der Nar­ko­se geschlecht­lich benützt wür­de; sie wis­se es aber gewiß, weil sie mit einem ganz rei­nen neu gewa­sche­nen Hemd her­ge­kom­men, und beim Fort­ge­hen das Hemd vol­ler Schleim gewe­sen sei. Es war für mich sehr ange­nehm, auch die­se Kran­ke nicht ohne Zeu­gen nar­ko­ti­siert zu haben. Es stell­te sich her­aus, daß sie (ziem­lich ver­lieb­ter Natur) vom Koitus so leb­haft geträumt hat­te, daß ihr viel Vagi­nal­schleim abge­gan­gen war.” Die Annah­men der Nar­ko­ti­sier­ten wer­den in dem Moment für den Nar­ko­ti­seur außer­or­dent­lich tra­gisch, wenn die Nar­ko­se ohne Assis­tenz (also ohne Zeu­gen) ein­ge­lei­tet wur­de. Gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen sind dann sehr oft die Fol­ge und kön­nen den Arzt unter Umstän­den um sei­ne Exis­tenz brin­gen. Die Fäl­le sind sel­ten, in denen dem Arzt der Nach­weis so gelingt, wie es in dem von Salin­ge zitier­ten Fall geschil­dert wird: “Anfangs 1902 wur­de in Thorn gegen einen ame­ri­ka­ni­schen Zahn­arzt wegen eines Sitt­lich­keits­ver­bre­chen, wel­ches er an einem Dienst­mäd­chen bei Gele­gen­heit einer Chlo­ro­form­nar­ko­se ver­übt haben soll­te, ver­han­delt. Der Ange­klag­te, wel­cher den Leicht­sinn began­gen hat­te, ohne Zeu­gen die Chlo­ro­form­nar­ko­se allein vor­zu­neh­men, wur­de nach lan­ger Ver­hand­lung frei­ge­spro­chen. Als zahn­ärzt­li­cher Sach­ver­stän­di­ger fun­gier­te Pro­fes­sor Bau­me, Ber­lin, der dar­über fol­gen­des berich­tet: Es gelang, an einem im Gerichts­saal befind­li­chen Ope­ra­ti­ons­stuhl die Unmög­lich­keit der behaup­te­ten Vor­gän­ge nach­zu­wei­sen, und die Geschwo­re­nen zu über­zeu­gen, daß hier wie­der ein­mal Fäl­le von Sin­nes­täu­schun­gen vor­la­gen, wel­che jeder mit Nar­ko­sen arbei­ten­de Zahn­arzt hin und wie­der in sei­ner Pra­xis erlebt. Pro­fes­sor Bau­me erwähnt noch zwei Fäl­le aus sei­ner Pra­xis, wo bei einer Nar­ko­se, in Gegen­wart des Ehe­man­nes, die Pati­en­tin ihn beschul­dig­te, sich mit ihr unlau­te­re Sachen erlaubt zu haben, und in die­sem Fal­le han­del­te es sich um eine sitt­lich rei­ne, hoch­an­stän­di­ge Dame. In einem ande­ren Fal­le han­del­te es sich um eine Lebe­da­me, die, von ihrem Arzt beglei­tet, ihn auf­ge­sucht hat­te, zwecks Ent­fer­nung eines Zah­nes in der Nar­ko­se, und wel­che beim Erwa­chen aus der Betäu­bung den sie beglei­ten­den Arzt beschul­dig­te, sich an ihr in der Betäu­bung ver­gan­gen zu haben.” Euler schreibt über die Ero­ti­sie­rung durch die Chlo­ro­form­nar­ko­se fol­gen­des: “Was die Chlo­ro­form­nar­ko­se anlangt, so sind Erek­tio­nen bei männ­li­chen Pati­en­ten wäh­rend des Ein­schlä­ferns kei­ne unge­wöhn­li­che Erschei­nung. Fast jeder Chir­urg, der auf eine grö­ße­re Anzahl von Chlo­ro­form­nar­ko­sen zurück­sieht, weiß von einem oder meh­re­ren Fäl­len zu berich­ten, in denen es bei weib­li­chen Pati­en­ten zu star­ker Beein­flus­sung nach der ero­ti­schen Sei­te hin wäh­rend und nach der Nar­ko­se kam.”