Quelle: Magnus Hirschfeld & Richard Linsert: Liebesmittel — Eine Darstellung der geschlechtlichen Reizmittel / Aphrodisiaca (MAN Verlag, Berlin, 1930)


Hinweis: Niemand wird in irgendeiner Form aufgefordert, irgendeine der hier behandelten Substanzen, Potenzmittel oder Rezepturen zu sich zu nehmen. Kein Hinweis ist ein Ratschlag für Kranke. Keine hier dargebotene Information soll die Selbstmedikation unterstützen. Achtung – das Leben birgt Risiken und Gefahren und endet immer tödlich! Bis dahin kann es jedoch versüßt werden.
Äthernarkose (S. 241)
Die Äthernarkose zeigt sehr oft starke Erregungen des Geschlechtsapparates. Das war auch der Grund, weshalb ein französischer Physiologe die Anwendung des Äthers für unzulässig erklärte, “weil er die Moralität verderbe”. Über die besonders auffällige Reizwirkung des Äthers berichten Husemann, Euler und Maschka. Maschka teilt folgenden Fall mit: “In einer kleinen Stadt beschuldigten mehrere Mädchen einen Arzt, der sie wegen einer Zahnoperation mit Äther narkotisiert hatte, nachher, daß er sie in der Narkose geschlechtlich gebraucht habe. Der Fall endigte mit Freisprechung, denn als die Mädchen vor Gericht geladen wurden und körperlich untersucht werden sollten, verweigerten sie die Untersuchung und erklärten, daß sie der Arzt zwar mit Äther betäubt habe, daß sie aber nichts auffälliges – oder ungewöhnliches an ihrem Körper bemerkt hätten.” Euler hatte im Heidelberger zahnärztlichen Institut Gelegenheit, zu sehen, welche Rolle die Erotik im Gedankenablauf der Patienten weniger während, als nach der Narkose, spielte. ” Es gehörte mehr als einmal die ganze Schnelligkeit des den Patienten haltenden Dieners dazu, um ihn vor zärtlichen Küssen von blutigem Mund zu bewahren.”
Aus dem Kriege ist uns sehr oft die Erfahrung mitgeteilt worden, daß sich verletzte Farbige die Verbände herunterrissen, um einem neuen Äther- bezw. Chloroformrausch ausgesetzt zu werden. Daß hierbei die Wirkung der Narkotika auf die Geschlechtsfunktionen bestimmend mitgewirkt hat, scheint uns außer Frage zu stehen. Das gilt auch für alle die Fälle, bei denen Äther mißbräuchlich verwendet wird, um sich Sensationen erotischer und anderer Art zu verschaffen.