Phallus impudicus

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Quel­le: Magnus Hirsch­feld & Richard Lin­sert: Lie­bes­mit­tel — Eine Dar­stel­lung der geschlecht­li­chen Reiz­mit­tel /​​ Aphro­di­sia­ca (MAN Ver­lag, Ber­lin, 1930)

Liebesmittel

Hin­weis: Nie­mand wird in irgend­ei­ner Form auf­ge­for­dert, irgend­ei­ne der hier behan­del­ten Sub­stan­zen, Potenz­mit­tel oder Rezep­tu­ren zu sich zu neh­men. Kein Hin­weis ist ein Rat­schlag für Kran­ke. Kei­ne hier dar­ge­bo­te­ne Infor­ma­ti­on soll die Selbst­me­di­ka­ti­on unter­stüt­zen. Ach­tung – das Leben birgt Risi­ken und Gefah­ren und endet immer töd­lich! Bis dahin kann es jedoch ver­süßt werden.

Phallus impudicus

Die­ser Pilz der deut­schen Wäl­der kommt wie ein Ei aus der Erde, dar­aus erhebt sich ein penis­ar­ti­ges Gebil­de, das nach eini­ger Zeit auf­bricht und einen durch­drin­gen­den Kada­ver­ge­ruch ver­brei­tet, durch den aller­lei Getier ange­lockt wird, das in dem kleb­ri­gen Saf­te umkommt. Der Pilz hat eine Gestalt, die dem männ­li­chen Geschlechts­or­gan ähn­lich ist. Das ist denn auch der Grund, wes­halb im Volks­mun­de eine Rei­he von Bezeich­nun­gen für die­sen Pilz auf­tau­chen, die ihm allein wegen sei­ner Gestal­tung eine ero­ti­sie­ren­de Kraft zuschrei­ben: “Brunst­ku­gel”, “Hirsch­brust”, “Pint­chen”, “Schwanz­mor­chel”, “Stert­mor­chel”, “Scham­lo­ser Schwamm”, “Ruten­mor­chel”, “Stink­mor­chel”, “Hexen­ei”, “Teu­fels­ei”. Der Pilz wur­de des­halb schon im Alter­tum zur Berei­tung von Lie­bes­trän­ken benutzt. Und auch im Mit­tel­al­ter galt er als belieb­tes Mittel.

Nur weil die­se Grup­pe merk­wür­dig gestal­te­ter Pil­ze Ver­an­las­sung gab, sie mit dem Penis zu ver­glei­chen, hat­te der Pilz früh­zei­tig den Ruf eines Aphro­di­sia­cums. Mat­tio­li schreibt 478 B vom “Hirsch­schwamm”: “Er hat (son­der­lich der wie ein Gemäch­te for­miert ist) eine Kraft, damit er die unkeu­schen Glie­der und Venus­han­del stärkt, so man des Pul­vers ein halb Lot, ein Quen­tel lan­gen Pfef­fers dazu gemischt trinkt. Die­ser Trank meh­ret auch den Frau­en die Milch. Von unten auf mit Schwamm geräu­chert, stil­let die Mut­ter in ihrem Auf­stei­gen. Die cir­ce­i­schen Wei­ber trei­ben auch einen Han­del damit, gebens in Liebesgetränken”.

So kam der Pilz vor allem wegen sei­ner Form in den Ruf eines Aphro­di­sia­cums; in Wirk­lich­keit wird der Pfef­fer in Mat­tio­lis Rezept die wich­ti­ge­re Rol­le als Aphro­di­sia­cum über­nom­men haben.

Noch heu­te steht der Pilz bei Jägern in beson­de­rem Anse­hen, sie nen­nen ihn Hirsch­brunst, weil sie sich ein­bil­den, daß er aus dem ent­fal­le­nen Samen des Hir­sches erzeugt wur­de (Nem­nich). Und eben­so sol­len die Hir­ten den Pilz bis­wei­len an Tie­re, deren Brunst sie beför­dern wol­len, ver­füt­tern. Allein bei den Ver­su­chen von Kromb­holz reagier­ten weder ver­schie­de­ne gro­ße Tie­re (Affen, Stie­re, Böcke, Hengs­te, Hun­de), noch auch Men­schen im gedach­ten Sin­ne (cf. Zopf, die Pil­ze). Frei­lich heißt es im “Neu­en Schau­platz der Natur” (Leip­zig 1777) Band V., daß der Pilz sexu­ell erre­gend nur wirkt, wenn er ganz aus­ge­wach­sen ist und stinkt, und man hat als­dann beob­ach­tet, “daß sein Reiz zu anhal­tend ist, die Kühe leicht ver­wer­fen und der Kör­per abge­zehrt wird. Böse Wei­ber benut­zen ihn aber, wenn er noch jung ist (daher “Hexen­ei”) zur Berei­tung von Liebestränken”.