Hallo beim Erschöpfungs-Kurztest! Der Fragebogen wurde spezifisch für die Beurteilung von Fatigue (chronische Erschöpfung) bei Patienten mit Krebs im renommierten MD Anderson Cancer Center in Houston, Texas, USA entworfen. Die Aussagekraft und hohe Testgenauigkeit bei Wiederholung besteht auch bei der hier verwendeten deutschen Übertragung des Fragebogens. Auf englisch wird der weltweit verwendete Fragebogen “Brief Fatigue Inventory” (BFI) genannt.
Der BFI besteht aus 10 verschiedenen Fragen und kann von allen Patienten ohne geistige Störungen in etwa 5 Minuten ausgefüllt werden. Der Fragebogen erfasst sechs verschiedene Dimensionen des menschlichen Lebens, nämlich Aktivität, Stimmung, Gehvermögen, Arbeit, Beziehung zu anderen Menschen und Lebensfreude.
Mit Hilfe dieses Fragebogens können Grenzen für die Ausprägung von Fatigue festgestellt werden, also den Schweregrad.
Bitte klicken Sie bei jeder Frage die am ehesten zutreffende Antwort an und drücken zum Schluss den Auswertungs-Knopf.
Bildnachweis
• Niklas Hamann (unsplash.com, Pe4gh8a8mBY).
FATIGUE
Das französische Wort Fatigue (es bedeutet Müdigkeit beziehungsweise Erschöpfung) wird als Sammelbegriff für ganz unterschiedliche Symptome verwendet, die als Begleiterscheinungen verschiedener chronischer Erkrankungen auftreten können, insbesondere im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen. Zu diesem Beschwerdebild gehören eine andauernde außerordentliche Müdigkeit sowie allgemeine Schwäche und Energiemangel, die sich nicht durch normale Erholungsmaßnahmen oder Schlaf beheben lassen.
ANZEICHEN
Normalerweise entwickelt sich die Fatigue nach einer Ruhephase wieder zurück. In der Onkologie und der Palliativmedizin begreift man Fatigue zunehmend auch als eigenständigen Krankheitsbestandteil. Sie tritt bei etwa 80 Prozent aller Tumorpatientinnen und ‑patienten auf und hier am häufigsten bei jenen mit Leukämie, Brust- oder Prostatakarzinom. Fatigue wird als stark belastend empfunden, von Ärzten allerdings meist unterschätzt. In der Nachsorge sind noch bis zu 50 Prozent der Patienten von Fatigue betroffen.
Die tumorassoziierte Fatigue kann sich zu jedem Zeitpunkt der Tumorerkrankung manifestieren. Mitunter ist sie ein frühes Symptom der Erkrankung selbst.
Häufig tritt Fatigue jedoch nach dem Beginn der Therapiemaßnahmen auf, hält aber oft auch noch nach Abschluss der Therapie an. Manchmal klingt sie erst nach Wochen oder Monaten wieder ab. Risikofaktoren für die Entwicklung einer Fatigue nach Therapieende sind bereits vor der Behandlung vorliegende Erschöpfungszustände, Ängste und Depressionen, geringe körperliche Aktivität, Begleiterkrankungen und die Therapie selbst. Insbesondere bei kombinierter Radiochemotherapie oder nach hämatologischer Stammzelltransplantation kann eine Fatigue chronisch werden. Durchschnittlich leiden Frauen häufiger am Fatigue-Syndrom als Männer.
Ist die Fatigue stärker ausgeprägt und hält länger an, können Alltag und Berufstätigkeit nicht mehr wie vorher bewältigt werden. Das schränkt die Lebensqualität ein, weil die Patienten in der Regel etwas leisten wollen und müssen, aber durch die Fatigue daran gehindert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Betroffenen in ihrem sozialen Umfeld häufig auf Unverständnis stoßen, insbesondere dann, wenn sie als von der Krebserkrankung geheilt gelten. Auch die Bereitschaft zur Mitarbeit an den therapeutischen Maßnahmen kann durch eine Tumor-Fatigue sinken.
Die Symptome der Fatigue
Die Fatigue kann sich auf körperlicher Ebene äußern durch:
reduzierte Leistungsfähigkeit
Schwächegefühl
Energiemangel
auf emotionaler Ebene durch:
Antriebs- und Interesselosigkeit
fehlende Motivation
auf der kognitiven Ebene durch:
Konzentrationsschwäche
Aufmerksamkeitsdefizite
verminderte Merkfähigkeit, die das Kurzzeitgedächtnis betrifft
Die Ursachen für die Fatigue
Noch ist die Entstehung von Fatigue nicht ganz geklärt. Die Forschung geht von unterschiedlichen Ursachen aus. Dazu gehören:
direkte Tumorsymptome: Der Tumor selbst verursacht die Fatigue aufgrund der entzündungsfördernden Zytokine, die als Reaktion auf den Tumor vom Körper ausgeschüttet werden – aber auch die Tumortherapie selbst
Veränderungen des Blutbilds beziehungsweise Blutarmut (Anämie)
Hormonstörungen (Schilddrüse, Nebennieren)
B‑Symptomatik (Tumorfieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust)
Mangelernährung, Kachexie (siehe >) beziehungsweise starke Auszehrung
Bewegungsmangel und Verminderung der Muskelmasse
psychologische Faktoren
Medikamente (Beruhigungs- und Schmerzmittel)
Störung des 24-Stunden-Rhythmus von Ruhe und Aktivität
Schlafstörungen sind häufig ein Auslöser für Fatigue und haben einen negativen Einfluss auf das Überleben
Diagnostik
Eine Diagnose wird immer anhand der individuellen Symptome gestellt. Die erste Therapiemaßnahme besteht in einem umfassenden Gespräch mit dem behandelnden Arzt (Anamnese). Fatigue ist zwar ein subjektives Syndrom, aber es gibt eine Reihe von Verfahren (Fragebögen, Skalen), mit deren Hilfe der Arzt die Erschöpfung objektiver erfassen kann. Wichtig bei der Abklärung ist die Abgrenzung zur Depression, denn auch diese kann starke Müdigkeit und Antriebslosigkeit hervorrufen.
DAS KÖNNEN SIE FÜR SICH TUN
Sorgen Sie für Regelmäßigkeit in Ihrem Alltag. Achten Sie also darauf, im Rhythmus mit Ihrer inneren Uhr zu leben, denn diese beeinflusst auch Ihre Hormonausschüttung maßgeblich. Dazu gehören regelmäßige Schlafens- und Aufstehzeiten, regelmäßige Mahlzeiten, mit denen Sie (auch) Ihren Tag strukturieren, regelmäßige Aktivitäten und auch Entspannungszeiten.
Sorgen Sie für gesunden Schlaf. Tipps für ein gutes Ein- und Durchschlafen und damit für einen gesunden, erholsamen Schlaf (ein Heilmittel!) finden Sie ab >.
Achten Sie auf Ihre Work-Life-Balance. Positiver Stress ist gesund, macht wach und konzentriert, negativer Stress schadet Körper, Geist und Seele. Strukturieren Sie Ihren Arbeitstag so, dass Sie eine vernünftige Arbeitszeit haben, aber auch genügend Zeit für sich und Ihre privaten Kontakte.
Jeden Tag körperliche Bewegung
Bewegung hilft dem Körper und der Seele. Am besten ist es, so früh wie möglich mit einem Bewegungstraining auf dem Laufband oder Fahrradergometer unter medizinischer Kontrolle zu beginnen. Bewegung steigert die Fitness, baut Muskelmasse auf und wirkt auch gegen Depressionen und Schmerzen. Außerdem kann Sport nach neuesten Untersuchungen auch vor Rückfällen schützen. Übermäßige Schonung hat keinen positiven Effekt auf die Fatigue – im Gegenteil: Die körperliche Leistungsfähigkeit würde noch weiter schwinden. Die Erhaltung der physischen Aktivität wie auch des Körpergewichts im Normalbereich führt zur signifikanten Verbesserung der Lebensqualität und einer besseren körperlichen Konstitution.
KRAFTTRAINING
Im Rahmen von zwei wissenschaftlichen Studien (BEST-Bewegung und Entspannung für Brustkrebspatientinnen unter Strahlentherapie und BEATE – Bewegung und Entspannung als Therapie gegen Erschöpfung) zeigte sich, dass Krafttraining einen signifikant positiven Einfluss auf Fatigue und auf physische Erschöpfung hatte. Es beugt zudem einem Muskelschwund vor und verbessert damit die Prognosen von Patienten mit Krebserkrankung.
Achten Sie auf Ihre Ernährung
Ernähren Sie sich ausgewogen und vornehmlich von frischen, unbelasteten Lebensmitteln und nehmen Sie Ihre Mahlzeiten regelmäßig ein. Essenspausen sind wichtig! Verzichten Sie daher auf Zwischenmahlzeiten. Ideal ist eine vollwertige Ernährungsweise, die vitamin- und ballaststoffreich ist. Essen Sie leckere Gerichte, denn das steigert Ihre Lebensqualität. Bei Fatigue haben sich folgende Inhaltsstoffe nachweislich bewährt:
Omega-3-Fettsäuren (etwa aus kalt gepresstem Lein- oder Rapsöl) wirken stark entzündungshemmend und gehören auf den täglichen Speiseplan. Knapp zwei Esslöffel täglich sind ideal. Dagegen sollten Sie entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren (in Sonnenblumenöl sowie in Fleisch von Industriemasttieren) reduzieren. Transfettsäuren wie in Margarine und Fertigprodukten sollten Sie ebenfalls meiden.
Geben Sie täglich einen Teelöffel Kurkuma an Ihre Speisen.
Bevorzugen Sie Vitamin-D3-haltige Nahrungsmittel. Studien bestätigen eine starke präventive Wirkung dieser Hormonvorstufe in Bezug auf die Sterblichkeit bei Brustkrebspatientinnen. Ein normaler Vitamin-D-Spiegel im Blut (25-OH-D-Status) zur Zeit der Brustkrebsdiagnose war mit einem günstigeren Krankheitsverlauf verbunden. Die Vitamin-D-reichsten Nahrungsmittel sind Fettfische wie Aal (90 µg/100 g), Lachs (16 µg/100 g) und Hering (31 µg/100 g) sowie Steinpilze, Champignons und Avocados, aber auch Bio-Eier (1,2 µg/100 g). Wesentlich effizienter ist die Bildung von Vitamin D über die Haut. Dazu reichen 20 Minuten Sonne am Tag auf sechs Prozent der Hautoberfläche (Gesicht, Handrücken) an einem sonnigen Sommertag. Sofern bei Ihnen ein Vitamin-D-Mangel vorliegt (darüber gibt ein Blutbild Auskunft), müssen Sie diesen mit den entsprechenden Nahrungsmitteln ausgleichen (siehe >) oder mit Vitamin-D3-Präparaten substituieren: Dekristol 20 000 i. E., Vigantolette, Vigantol Öl 20 000 i. E.
Bei Selenmangel: Erschöpfung und Appetitmangel sind typische Begleiterscheinungen der Strahlen- und Chemotherapie. Studien zeigen, dass eine selenhaltige Nahrung hier Abhilfe schafft. Pro Tag 70 µg sind optimal. Auch manche Nahrungsmittel enthalten reichlich Selen, wie Paranüsse (1917 µg/100 g), Wildlachs (41,4 µg/100 g), Kabeljau (37,60 µg/100 g), braune Champignons (26,00 µg/100 g) und Lammfleisch (218,80 µg/100 g).
Bei Tryptophanmangel: Diesen lebenswichtigen Eiweißbaustein (Aminosäure) müssen wir über die Nahrung aufnehmen. Auch um im Gehirn den sogenannten »Glücksbotenstoff« Serotonin zu bilden, brauchen wir Tryptophan. Es steckt in Spirulina-Algen, Thunfisch, Makrele, Cashewkernen, Kürbiskernen, Linsen, Sojabohnen, Hirse, Buchweizen und Bohnen.
RICHTIG TRINKEN ALS KREBSPATIENT
Liegt die Krebserkrankung einige Zeit zurück, können sich die meisten Patienten an Empfehlungen für Gesunde orientieren: Eineinhalb bis zwei Liter sollte man täglich mindestens trinken. Vor allem nach der Chemotherapie sollten Sie viel trinken, bis die Arzneimittel wieder ausgeschieden sind. Die Menge immer gleichmäßig über den Tag verteilen, da Flüssigkeit nicht lange gespeichert wird. Ideal sind Wasser und ungesüßte Tees.
Entspannungstherapien
Ideal bei Fatigue-Symptomen sind:
Heileurhythmie
Body-Scan
MBSR und Qigong
Kunsttherapie
Hydrotherapie
Kneippsche Wasseranwendungen:
kalter Gesichtsguss am Morgen
kalter Armguss
Nach dem Wechselduschen den Körper mit Citrus-Erfrischungsbad oder Rosmarin-Aktivierungsbad einreiben: Das Öl nicht abduschen, sondern einziehen lassen und die Haut trocken tupfen.
Bäder, Einreibungen & Wickel:
Zweimal pro Woche ein Öldispersionsbad (siehe >) mit Prunus spinosa e floribus W 5 % Oleum oder Solum Öl nehmen.
Reiben Sie Ihren Körper mit Solum Öl ein: zur seelischen Abgrenzung, Durchwärmung und zum Schutz vor Kräfteverlust.
Die regelmäßige Anwendung von Schafgarbenleberwickel eignen sich zur Fatigue-Prophylaxe.
Psychologische Hilfe
Hilfreich kann auch eine Psychotherapie sein, vor allem in Form einer Verhaltenstherapie. Dabei wird in Einzel- oder Gruppengesprächen versucht, Verhaltens- und Erlebensmuster so zu verändern, dass die Fatigue zurückgeht und nicht weiter verstärkt wird.
DAS KANN IHR ARZT FÜR SIE TUN
Steckt hinter der Fatigue eine organisch bedingte Ursache wie zum Beispiel Blutarmut (Anämie), ist oft eine medikamentöse Behandlung möglich. Das Gleiche gilt, wenn Schmerzen oder Schilddrüsenprobleme mit Fatigue einhergehen. Seelische Verstimmungen werden manchmal versuchsweise mit Antidepressiva behandelt. Allerdings werden diese derzeit nicht allgemein empfohlen, weil die Wirksamkeit bei Fatigue noch nicht nachgewiesen ist. Bitte nehmen Sie keine Selbstmedikation vor, da vor der Einnahme von Phytotherapeutika Medikamenteninteraktionen ausgeschlossen werden sollten!
Zur Vorbeugung von Eisenmangel: Gegen Eisenmangel nehmen Sie zweimal täglich einen Esslöffel Floradix sowie dreimal täglich zehn Meteoreisen Globuli velati.
Bei nervöser Erschöpfung, Angst, Unruhe: dreimal täglich je drei Tabletten Neurodoron.
Bei Vitamin-D- und Selenmangel: Vitamin D- und Selenspiegel im Blut bestimmen lassen und durch Substitution den Mangel beheben (zum Beispiel mit Dekristol 20 000 i. E. einmal pro Woche; Natriumselenit einmal täglich in individueller Dosierung).
Bei allgemeinen Fatigue-Symptomen:
zwei- bis dreimal pro Woche subkutane Mistelinjektion
Bei Erschöpfung:
Gingseng (Panax spp.): In einer klinischen Studie aus dem Jahr 2013 wurde die Fatigue durch die tägliche Gabe von 2000 Milligramm amerikanischem Ginseng über acht Wochen deutlich gemildert.
Guaraná (Paullinia cupana): Der Hauptwirkstoff von Guaraná ist Koffein, das aber – anders als bei Kaffee – deutlich langsamer freigesetzt wird..
Die Einnahme von Curcumin-Bromelain Komplex-Kapseln hat sich bewährt.
Zur Fatigue-Prophylaxe: Im Klinikum rechts der Isar hat sich die intravenöse Injektion von Solum Inject während der Chemotherapie oder einmal wöchentlich während der Strahlentherapie bewährt.
