Zur Anatomie des Verdauungs-Apparates – 2. Teil

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Quel­le: Bern­hard Kro­nen­ber­ger — Die neue Dia­gnos­tik Lin­gua­lis (Zun­gen­dia­gno­se) (1949, Kahl a. Main)

Zur Anatomie des Verdauungs-Apparates – 2. Teil 

Die Bauch­spei­chel­drü­se, pan­cre­as, ist unge­fähr 12 bis 18 cm lang, 4—9 cm breit und 2—3 cm dick. Sie stellt eine gel­app­te Drü­se dar, die quer vor der Len­den­wir­bel­säu­le an der hin­te­ren Bauch­wand liegt, mit einem Kopf­teil, caput pan­crea­tis, dem Kör­per, cor­pus pan­crea­tis, und dem Schwanz­teil, cau­da pan­crea­tis. Der Kopf als der brei­tes­te Abschnitt füllt die Duo­den­al­sch­lin­ge fast voll­stän­dig aus, der Kör­per ist schmä­ler aber dicker und der Schwanz reicht in der lin­ken Kör­per­sei­te bis zur Milz.

Der Haupt­aus­füh­rungs­gang, duc­tus pan­crea­ti­cus, durch­zieht von der Cau­da bis zum Kopf die Drü­se in ihrer gan­zen Län­ge und nimmt durch Auf­nah­me zahl­rei­cher Äste in der­sel­ben Rich­tung an Lumen zu. Am Caput befin­det sich noch ein wei­te­rer Drü­sen­gang der duc­tus pan­crea­ti­cus minor, des­sen Aus­mün­dung eben­falls unter dem Duo­den­um beschrie­ben ist.

Die Leber, hepar, ist mit einem Gewicht von ca. 3 Pfund die größ­te und zugleich auch die blut­reichs­te Drü­se des mensch­li­chen Kör­pers. Sie besteht aus zwei, einem rech­ten und einem lin­ken Haupt­lap­pen, lobus hepa­tis dex­ter et sinis­ter und liegt zum größ­ten Teil in der rech­ten Zwerch­fell­kup­pel. An der Unter­flä­che unter­schei­den wir noch zwei vier­ecki­ge Bezir­ke die klei­ne­re Lap­pen dar­stel­len, einen lobus cau­da­tus und einen lobus qua­dra­tus. Ihre obe­re Flä­che, faci­es supe­ri­or, sowie ihre hin­te­re Flä­che, faci­es pos­te­ri­or, ist stark kon­vex, im Gegen­satz zur Unter­flä­che, faci­es infe­ri­or, die meist kon­kav ist. Die Ober- und Unter­flä­che sto­ßen an einem schar­fen Rand, mar­go ante­rior, anein­an­der, wäh­rend die Hin­ter­flä­che in die bei­den genann­ten ohne eine schar­fe Gren­ze über­geht. Der Leber­hi­lus nimmt fast den gan­zen mitt­le­ren Teil der faci­es infe­ri­or ein. Außer den ein­mün­den­den Gefä­ßen und Ner­ven tre­ten aus dem Leber­hi­lus zwei Gal­len­gän­ge, der duc­tus hepa­ti­cus und der duc­tus cysti­cus die sich dann zum duc­tus cho­le­dochus ver­ei­ni­gen, heraus.

Zwei annä­hernd par­al­lel lau­fen­de sagit­ta­le Längs­fur­chen, foss­ae sagit­ta­les dex­tra et sinis­tra unter­tei­len die ein­zel­nen Lap­pen des Organs. An der Unter­flä­che der Leber fin­den wir außer der Ver­tie­fung für den Sitz der Gal­len­bla­se zwi­schen lobus dex­ter und lobus qua­dra­tus, noch die Ein­druck­stel­len, Impres­sio­nen, im rech­ten Lap­pen für den Zwölf­fin­ger­darm, den Dick­darm und für die rech­te Nie­re und im lin­ken Lap­pen, wie im lobus qua­dra­tus, für den Masen.

Die Gal­len­bla­se, vesi­ca fel­lea, ist von birn­för­mi­ger Gestalt und stellt eine sozu­sa­gen blin­de Erwei­te­rung des Gal­len­bla­sen­gan­ges, duc­tus cysti­cus, als Reser­voir für die Gal­le dar. Wir unter­schei­den an ihr einen Grund, fun­dus vesi­cae fel­leae, einen cor­pus und einen all­mäh­lich in den duc­tus cysti­cus über­ge­hen­den Hals, collum vesi­cae fel­leae. Die Innen­flä­che zeigt uns netz­för­mig ange­ord­ne­te Schleim­haut­fält­chen, pli­cae muco­sae, wäh­rend die Schleim­haut des Gal­len­bla­sen­gan­ges eigen­tüm­li­che spi­ra­li­ge Fal­te­lung auf­weist, die Heister’sche Spi­ral­klap­pe, val­vu­la spi­ra­lis. Die Außen­flä­che, soweit die­se nicht der Leber anliegt, ist von dem Bauch­fell über­zo­gen, eben­so der Bla­sen­teil der über den Leber­rand hinausragt.

Die Milz, lien, gehört ent­spre­chend ihrer Lage wohl zu den Bauch­or­ga­nen, aber sys­te­ma­tisch doch zu dem Blut­ge­fäß­sys­tem wes­halb sich eine Bespre­chung der­sel­ben an die­ser Stel­le erüb­ri­gen dürf­te. Es ist mir auch nicht mög­lich gewe­sen, der Milz ein topo­gra­phisch gele­ge­nes Organ­feld auf der Zun­gen­ober­flä­che ein­zu­räu­men. Dies­be­züg­lich ist ledig­lich zu beach­ten, daß gewis­se Ver­fär­bun­gen der Zun­gen­ober­flä­che, außer Zun­gen­be­lag, auf Ver­än­de­run­gen im Blut­bild und damit im Zusam­men­hang auf gleich­zei­ti­ge Belas­tun­gen der Milz hin­wei­sen können.

Rote Him­beer­zun­ge fin­den wir beim Schar­lach, in den ers­ten Tagen ist jedoch ein gelb­lich­wei­ßer Belag mit roten Rän­dern vor­lie­gend, der meist am drit­ten Tage abge­sto­ßen wird. 

Eine sehr rote und sehr rei­ne Zun­ge ist oft für Tuber­ku­lo­se charakteristisch. 

Blas­se, feuch­te Zun­ge kommt bei Magen­blu­ten vor, meist geht jedoch dem Aus­bruch der Blu­tung Tro­cken­heit und star­ker Belag voraus. 

Dun­kel­braun bis schwärz­lich und leder­ar­tig tro­cken ist die Zun­ge beim Typhus, wo sie fast im Mun­de ras­selt, infol­ge Gewebeaustrocknung. 

Dicker grau­gel­ber oder dun­kel­rot gefärb­ter Belag der wei­ter ein­trock­net und Krus­ten bil­det, kommt bei schwe­rer Form der Diph­the­rie vor, wäh­rend bei leich­te­ren For­men die Zun­ge feucht und wenig belegt ist. 

Tro­cke­ne Zun­ge mit rotem Strei­fen durch die Mit­te fin­den wir bei schwe­ren Darm­ent­zün­dun­gen, Magen- und Darmspasmen. 

Abwech­seln­de Ver­fär­bung, Blaß- und Rot­wer­den der Zun­ge wie der Mund­schleim­haut (Quinke’scher Kapil­lar­puls) deu­tet auf Aorteninsuffizienz. 

Glat­te Zun­ge mit man­gel­haf­ter Aus­bil­dung der Papil­len (Hunter’sche Zun­ge) weist auf per­ni­ziö­se Anaemie hin; die Zun­ge ist wie poliert, Bren­nen dar­an und bren­nen­de Schmer­zen ist häu­fig ein Früh­sym­ptom die­ses Leidens. 

Wei­ße Auf­la­ge­run­gen, steck­na­del­kopf- bis lin­sen­groß, die auch auf der Mund­schleim­haut und am Gau­men­se­gel vor­lie­gen, deu­ten auf Soor. 

Tro­cke­ne, mit vie­len Ein­ris­sen ver­se­he­ne Zun­ge weißt auf Zucker­krank­heit hin. (Bauch­spei­chel­drü­se, vergl. Erläu­te­rung im Teil III.) 

Die Land­kar­ten­zun­ge, lin­gua geo­gra­phi­ca, mit abwech­selnd beleg­ten und rei­nen Flä­chen wird meist als harm­lo­se, her­edi­tä­re Eigen­art betrach­tet. Den­noch hat jede Abwei­chung von der Norm ihre Bedeutung. 

Weiß­li­che, schmerz­haf­te Epi­thel­de­fek­te mit roter Umran­dung sind die bekann­ten Aphthen. 

Eine geschwol­le­ne Zun­ge mit Zahn­ein­drü­cken an den Rän­dern und dickem, grau­em, mehr schmie­ri­gem Belag, deu­tet auf aku­te Gastritis. 

Die medi­zi­ni­schen Lehr­bü­cher beschrän­ken sich fast durch­weg nur auf ein­zel­ne weni­ge der vor­ste­hend ange­führ­ten Zungenzeichen. 

Mit der oben­ste­hen­den Bespre­chung habe ich ver­sucht, von allem was bis jetzt über die Zei­chen der Zun­ge aus Form und Belag bekannt ist, einen Gesamt­über­blick zu geben.

Bei der dia­gnos­ti­schen Ver­wer­tung ist immer zu beach­ten, daß es bei der Zun­ge Zei­chen und Über­gän­ge zu Ver­än­de­run­gen der­sel­ben gibt, die alle wie­der einem beson­de­ren cau­sa­len Zusam­men­hang fol­gen, eben­so wie im Ver­lauf irgend einer Erkran­kung der ver­schie­dens­ten Organ­tei­le glei­cher­ma­ßen Ver­än­de­run­gen auftreten. 

Bei der Inspek­ti­on der Zun­ge darf nicht außer acht gelas­sen wer­den, daß man bei Män­nern infol­ge Rau­chen, Tabak­ka­u­en etc. häu­fi­ger einen Belag vor­fin­det, als bei Frau­en, wel­cher des­halb nicht immer gera­de als krank­haft anzu­spre­chen ist. Fer­ner berück­sich­ti­ge man, daß gewis­se Obst­sor­ten, Hei­del­bee­ren, sons­ti­ge farb­rei­che Nah­rungs­stof­fe, Rot­wein etc., auch ein­ge­nom­me­ne Arz­nei­en, die Zun­ge ver­fär­ben kön­nen. Viel­fach trifft man am frü­hen Mor­gen einen Belag an, der im Lau­fe des Tages wie­der ver­schwin­det und des­halb weni­ger patho­lo­gi­sche Momen­te auf­weist wie ein kon­stan­ter; dies kann jedoch auch umge­kehrt der Fall sein. 

Eine lang­jäh­ri­ge genaue Beob­ach­tung viel­sei­tigs­ter Zun­gen­zei­chen, ermög­lich­te mir die Auf­stel­lung von wei­te­ren Belag­zei­chen, samt ihren dia­gnos­ti­schen Zusam­men­hän­gen, wel­che bis heu­te noch unbe­kannt sein dürf­ten und dazu bei­tra­gen, die Zun­gen-Belag-Semio­tik um ein Beacht­li­ches zu vermehren.

Las­sen wir die­sel­ben nun­mehr folgen:

tro­cke­ne Zun­ge, vorn gel­ber, hin­ten schwärz­li­cher Belag, roter Strei­fen in der Mit­te, deu­tet auf schwe­re Darm­ent­zün­dung evtl. geschwü­ri­ge, mit Spas­men des gesam­ten Verdauungstraktus; 

tro­cken, wech­selnd mit star­ker Spei­chel­ab­son­de­rung, weiß­schlei­mig dick belegt mit bren­nen­den Bläs­chen und Pete­chi­en, wei­sen auf Neu­ro­sen des Ner­vus vagus und hef­ti­ge Gas­tri­tis wie Enteritis; 

tro­cke­ne Zun­ge nur in der Mit­te braun, Rän­der rot und feucht, deu­tet auf Dünn- und Dick­darm­ent­zün­dung, Fla­tu­lenz und Blähungskolik; 

Belag in der Mit­te, Spit­ze und Rän­der mehr hell­rot, fin­det sich bei Stö­run­gen in der Säurebildung; 

tro­cken, nur die Spit­ze feucht, die Mit­te weiß, die Rän­der nicht belegt, läßt auf Erkäl­tun­gen und rheu­ma­ti­sche Ursa­chen in den Ein­ge­wei­den schließen; 

tro­cken beson­ders die Spit­ze, wie ver­brüht, sonst dick gelb­lich­weiß belegt, bei Psora­belas­tung und skrofu­lö­sem Habitus; 

tro­cken, blaß, gelb­weiß belegt, Spit­ze brennt wie Pfef­fer und zit­tert beim Vor­stre­cken, bei venö­sen Stau­un­gen im Schleim­haut­ge­we­be von Magen und Darm, dabei Hirn­reiz und krampf­haf­te Zustände; 

tro­cken, wei­ßer oder gel­ber Belag, in der Mit­te brau­ner Längs­strei­fen, Fla­tu­lenz beson­ders in der rech­ten Dick­darm­fle­xur, Obstipation; 

tro­cken, gelb­lich­weiß, rot und geschwol­len, Rän­der hell­rot, bren­nend, mit­un­ter mit schau­mi­gem Spei­chel bedeckt, bei Gas­tri­tis, Enteri­tis, Prok­ti­tis, mit Bauch­auf­trei­bung und gro­ßer Emp­find­lich­keit; tro­cken, Basis sieht aus wie mit tro­cke­nem Lehm bedeckt, dies trifft man häu­fig bei geschwü­ri­gen Pro­zes­sen im Darm­ab­schnitt an; 

tro­cken, sehr weiß und dick belegt, Zun­ge brennt und sticht, hier­bei oft Bläs­chen­bil­dung, bei anhal­ten­der Stuhl­ver­stop­fung, sehr auf­ge­trie­be­ner fast har­ter Magen, Magen- und Darmspasmen; 

tro­cken, ris­sig, Spit­ze rot, Zen­trum braun belegt, zit­tert beim Vor­stre­cken, bei Oeso­pha­gus­ent­zün­dung und Strik­tu­ren mit Spas­men an der Car­dia, am Pfört­ner sowie an der Analgegend; 

tro­cken, rot und wund, gelb oder braun belegt, geschwol­len und steif, bei Skor­but, Lymphan­gi­tis, Hydr­o­p­sie, Leber- und Milz­af­fek­tio­nen, Ikte­rus, Darm­ge­schwü­re, unwill­kür­li­che Stüh­le, Mastdarmblutungen; 

tro­cken, rot und rauh, dabei gro­ße Papil­len, schlei­mig weiß­lich bis bräun­lich belegt, bei Enteri­tis, Cho­le­ri­ne und Cho­le­ra mit Kram­pus, kol­lern­de Fla­tu­lenz, Hepa­tal­gie, Bron­chit­i­den, Schlundkrampf; 

tro­cken, geschwol­len, Spit­ze juckt oder bit­zelt, undeut­li­ches Spre­chen, oder auch zäher sei­fen­ar­ti­ger Spei­chel, bei Magen­ka­tarrh mit Auf­trei­bung des Magens, Magen­ver­schlei­mung, Darm­spas­men, viel Stuhl­drang ohne Erfolg oder nur gerin­ge Faeces, oft gleich­zei­tig Blasenleiden; 

tro­cken, rot oder milch­weiß, ohne oder nur mit wenig Belag, ste­chen­de Emp­fin­dun­gen auf der Zun­ge, bei Magen- und Darm­stö­run­gen mit Hirn­reiz­zu­stän­den, infol­ge von Traumen‑, (oder Trau­ma-Ver­let­zun­gen), Hit­ze- oder Furchteinwirkungen; 

tro­cken, meist nur weiß belegt, bei all­ge­mei­ner Blut­ar­mut und Stö­run­gen im Pfort­ader­kreis­lauf mit Mete­o­ris­mus, Magen- und Darmspasmen; 

tro­cken, rot, jedoch mor­gens weiß belegt, die Zun­ge ist wie lahm, schmerzt oder zit­tert beim Vor­stre­cken, oft Bläs­chen- und Geschwür­bil­dung, bei Magen­krampf, ver­mehr­ter Peris­tal­tik mit gal­li­gem oder blu­ti­gem Durch­fall, oder schwie­ri­gem Abgang mit Proktalgie; 

tro­cken, rot oder auch braun belegt, ris­sig, die Zun­ge ist oft leder­hart und lahm, bei Stö­run­gen des Ver­dau­ungs­ap­pa­ra­tes mit Hirn­reiz wie Magen­ent­zün­dung, Bauch­auf­trei­bung mit Darm­ko­lik und Kol­lern, schlei­mi­ge, gal­li­ge und unwill­kür­li­che Stühle; 

tro­cken und auf­ge­sprun­gen, bei Magen­ent­zün­dung infol­ge Ver­gif­tung, sowie bei Ruhr mit vie­lem Drang und Bren­nen im Mastdarm; 

tro­cken und weiß belegt, lin­ke Hälf­te sticht und schmerzt beson­ders abends, bei schlech­ter Durch­blu­tung der Ver­dau­ungs­or­ga­ne und Stö­run­gen der Pan­kre­as sowie der Darm­drü­sen, infol­ge Corda­to­nie mit faden­för­mi­gem, nie­de­rem Puls; 

tro­cken, erst rot, dann schwärz­lich und ris­sig, dabei geschwol­len, bei Angi­na, Bauch­auf­trei­bung, trä­ger Darm­mus­ku­la­tur, Koli­ken und Leib­schnei­den vor­wie­gend in den bei­den Inguinalgegenden; 

tro­cken, mor­gens weiß belegt und ris­sig, tags­über mehr grün­li­cher Belag und Spei­chel­fluß, bei Dys­pep­sie, schmerz­haf­tem Druck im Ober­bauch in der Leber- und Milz­ge­gend, viel Gas­bil­dung, schlei­mi­ger Durch­fall oder tro­cke­ner ein­ge­schleim­ter Schaf­kot­stuhl, oft star­ke Hämorrhoidalknoten; 

tro­cke­nes Gefühl an der Zun­ge, die­sel­be ist jedoch feucht, bei all­ge­mei­ner Anaemie und schlech­ter Durch­blu­tung der Ein­ge­wei­de, sowie bei Anacidität; 

tro­cken, jedoch ohne Durst­ge­fühl, es besteht ein Gefühl, als sei die Zun­ge ver­brannt und viel zu breit, meist weiß­schlei­mi­ger Belag, bei Magen- und Darm­ka­tarrh beson­ders sen­si­bler Personen; 

tro­cken, ris­sig, braun gelb oder grün­lich belegt, dabei geschwol­len und läh­mig, bei lah­mer Peris­tal­tik, Schlund- und Magen­krampf, Fla­tu­lenz, viel Darm­ko­lik, Stuhl­drang ohne Entleerung; 

tro­cken, rot ris­sig mit Unru­he, bewegt stän­dig die Zun­ge, wel­che aus dem Mun­de hängt bei Hirn­reiz, Con­vul­sio­nen, Bauch­fell­ent­zün­dung, Bauch­auf­trei­bung, Magen- und Darmschmerzen; 

tro­cken, weiß­lich, auch gelb und braun, die Spit­ze und Rän­der sind rot. die Zun­ge ist mor­gens wie pel­zig und schält sich tags­über, bei Magen­ge­schwür, Übel­keit und Vomitus, Hem­mun­gen im Pfort­ader­kreis­lauf mit Leber­af­fek­ti­on, gestör­ter Gal­len­ab­fuhr und Hämorrhoiden; 

tro­cken, nur die Zun­gen­wur­zel ist schlei­mig belegt, links geschwol­len, bei Vagus­neu­ro­sen, Magen- und Darm­krampf, Blut­stüh­le und unwill­kür­li­cher Stuhlabgang; 

weiß oder gelb belegt wie ver­brüht, Spit­ze ist geschwü­rig, bei Blut­stau­un­gen und Voll­blü­tig­keit im Unter­leib, pur­pur­ro­ten Hämor­rhoi­dal­kno­ten, ste­chen­de Prokt­al­gie, Splittergefühl; 

roter Strei­fen durch die Mit­te der Zun­ge, bei hef­ti­gen Gas­tral­gi­en, sowie Neur­al­gi­en, beson­ders im Dünn­darm und Mastdarm. 

schlei­mi­ger wei­ßer, oder dicker gelb­li­cher Belag, rote Rän­der, bei Fla­tu­lenz mit sehr stin­ken­den Win­den, wie bei fie­ber­haf­ten Magen- und Darm­er­kran­kun­gen, fer­ner bei schlecht zusam­men­ge­setz­ten Verdauungssäften; 

dick-gelb­schlei­mi­ger Belag all­ge­mein, fin­det sich viel­fach bei ner­vö­sen Stö­run­gen der Eingeweide-Schleimhäute; 

wei­ßer Belag, die Spit­ze ist rot, der Rand hat ste­chen­de Bläs­chen, bei Glos­si­tis selbst, sowie bei Schleim­haut­ka­tar­rhen des Magen-und Darmkanals; 

die Spit­ze ist weiß belegt, mit Bläs­chen auch am Rand, hin­te­re Zun­ge gelb­schlei­mig, bei Bauch­auf­trei­bung, Magen­krampf, Darm­träg­heit mit wech­seln­den Stühlen; 

vorn rei­ne Zun­ge, hin­ten hel­ler Schleim, bei Blut­über­fül­lung des Magens und Darm­ka­tarrh mit star­ker Schleim­ab­son­de­rung oder Pfortaderstauung; 

rote, wun­de, ris­si­ge, bren­nen­de Zun­ge, ver­dick­te Papil­len, essen ist erschwert, bei Sto­ma­ti­tis und Glos­si­tis selbst, sowie bei Magen­krampf und Enteri­tis mit schmerz­haf­tem Stuhl; 

gel­ber Zun­gen­be­lag mit Zahn­ein­drü­cken und rotem Rand, bei Leber- und Gal­len­lei­den mit Ikte­rus, beson­ders Erkran­kung des Leberparenchyms; 

schmut­zig gelb, dick belegt, kleb­rig, schlei­mig, schwer beweg­li­che Zun­ge, bei ver­min­der­ter Gal­len­se­kre­ti­on mit Ikte­rus und Hepatalgie; 

wei­ßer Belag mit roten Rän­dern, bei Leber­lei­den, vor­wie­gend bei Erkran­kung des Lebe­r­en­do­thels und inters­ti­ti­el­len Gewe­bes, mit Gelb­sucht und gal­li­gen Durchfällen; 

weiß belegt mit stel­len­wei­ser Abschä­lung (Land­kar­ten­zun­ge), bei Leber­lei­den mit Leber­schmer­zen und Wund­heits­ge­fühl, gal­li­ge Stüh­le; fer­ner bei Leber­ver­här­tung, Erkran­kung der Darm­mus­ku­la­tur, sowie Magen- und Darmneurosen; 

weiß beleg­te Spit­ze in Drei­eck­form, sonst gel­ber oder brau­ner Schleim, bei rheu­ma­ti­scher Erkran­kung des Magen-Darmkanals; 

weiß, gelb­lich, oder Sei­ten weiß, Mit­te rot oder nur rote Inseln, bei Nei­gung zu Ein­ge­wei­de­krämp­fen infol­ge Blutwallungen; 

weiß oder gelb­lich, die Spit­ze brennt, bei Gas­stau­un­gen im Blind­darm­ab­schnitt, wie in bei­den Flexuren; 

wei­ßer Belag, sehr emp­find­lich, oder bei wei­ßen schmerz­haf­ten Geschwü­ren, kann auf chro­ni­schen Magen- und Darm­ka­tarrh geschlos­sen werden; 

weiß belegt, mit Bläs­chen­bil­dung, dabei sau­rer fau­li­ger Geschmack, bei Dys­pep­sie, Leber­lei­den und Blut­an­schop­pung in den Venen des Verdauungstraktus; 

weiß, mit gel­ben Strei­fen, Bla­sen an der Spit­ze wie ver­brüht, bei Gas­tri­tis acu­ta und Enteri­tis, sowie Magen- und Darmgeschwüren; 

nur mor­gens weiß, tags­über gelb, schwam­mig, Spit­ze und Rän­der, rein, bei Dünn- und Dick­darm­ent­zün­dung mit Leber­schwel­lung, sowie Ent­zün­dung der Leber­spit­ze mit Ikterus; 

glän­zend rote, glat­te Zun­ge, bei Magen- und Darm­ent­zün­dung mit schnei­den­den und rei­ßen­den Schmer­zen in den Leis­ten, meist Schwel­lung der Leistendrüsen; 

rei­ne Zun­ge kann sich auch trotz Magen- und Darm­ka­tar­rhen vor­fin­den, jedoch ist dann die Zun­gen­mit­te etwas röter; 

dicker, gold­gel­ber, feuch­ter Belag, beson­ders links oder nur hin­te­re Hälf­te, bei Dys­pep­sie mit vie­len Eruk­ta­tio­nen, meist Hyperacidität; 

dick weiß­gelb bis braun belegt, oder nur die Mit­te ist weiß, der Rand dage­gen rot, bei gas­tri­schen, typh­ösen Fie­ber­zu­stän­den mit Ergrif­fen­heit der Hirn- und Rückenmarkshäute; 

schlei­mig, hell­rot, die Zun­ge ist wie steif und taub, Bewe­gung schmerzt, bei Ruhr, sowie bei krampf­haf­ter Magen- und Dünndarmentzündung; 

gelb belegt, mit sehr bit­te­rem Geschmack, jedoch nicht schlei­mig, bei Schleim­haut­ent­zün­dun­gen der Ver­dau­ungs­or­ga­ne, fer­ner bei Bleikolik; 

dick belegt, geschwol­len mit Zahn­ein­drü­cken, bei Dünn­darm­ka­tarrh, Dick­darm­ge­schwü­ren, gal­lig grün­li­che oder graue Stüh­le mit Tenes­mus ani; 

dicker, wei­ßer Schleim, die Zun­ge ist steif mit dicken Papil­len, soge­nann­te Erd­beer­zun­ge, bei roter Ruhr, mit uner­träg­li­chen Darm­schmer­zen und hef­ti­gem Stuhlzwang; 

Erd­beer­zun­ge fin­det sich fer­ner vor, bei Bauch­fell­ent­zün­dung, aku­tem Magen­ka­tarrh und Darmentzündung; 

bräun­li­cher Schleim, tau­bes Gefühl und Rand­ge­schwü­re, rech­te Hälf­te geschwol­len, bei Ver­dau­ungs­schwä­che mit Fla­tu­lenz, beson­ders infol­ge Pylorusstenosen; 

miß­far­bi­ge Zun­ge jeder Fär­bung, bei sonst blas­ser Zun­gen­far­be, fin­den wir bei Schwä­che­zu­stän­den infol­ge Blut­ver­lus­ten, oder bei man­gel­haf­ter Durch­blu­tung der Ein­ge­wei­de an sich; 

Zun­gen­rand mit Bläs­chen, schmer­zen­de Zun­gen­spit­ze, bei krampf­haf­ten Zustän­den der Darm- und Bauchmuskulatur; 

blau­er Zun­gen­be­lag, bei Ruhr und Typhus; schwar­ze Zun­ge, bei Ruhr, Typhus, Cho­le­ra, bei Schar­lach und beim Collaps. 

Fer­ner beach­te man die ver­schie­den­ar­ti­gen Geschwür­bil­dun­gen an der Zun­ge, wel­che mit ande­ren Lei­den der Ver­dau­ungs­or­ga­ne gewis­se Zusam­men­hän­ge auf­wei­sen kön­nen, wie auch die bekann­ten Merk­ma­le des Zungen-Carcinoms. 

An all die­sen Zun­gen-Belags­zei­chen läßt sich im gro­ßen und gan­zen nur eine unge­fäh­re dia­gnos­ti­sche Ver­wer­tung, auch in Bezug einer Bes­se­rung und Hei­lung, oder Ver­schlim­me­rung, etwa ergrif­fe­ner Ver­dau­ungs­or­ga­ne ver­fol­gen, wäh­rend mei­ne neue Zun­gen-Dia­gnos­tik eine genaue­re Detail­ie­rung ermög­licht. (Ver­glei­chen Sie betref­fend die­ser Zun­gen­zei­chen von Sei­te 34 bis 40, bezüg­lich der hier pas­sen­den Arz­nei­mit­tel, den Abschnitt “Zun­gen­sym­pto­me” in mei­nem Werk “Codex inter­ner Homöo Therapie.”)