Quelle: Bernhard Kronenberger — Die neue Diagnostik Lingualis (Zungendiagnose) (1949, Kahl a. Main)
Zur Anatomie des Verdauungs-Apparates – 2. Teil
Die Bauchspeicheldrüse, pancreas, ist ungefähr 12 bis 18 cm lang, 4—9 cm breit und 2—3 cm dick. Sie stellt eine gelappte Drüse dar, die quer vor der Lendenwirbelsäule an der hinteren Bauchwand liegt, mit einem Kopfteil, caput pancreatis, dem Körper, corpus pancreatis, und dem Schwanzteil, cauda pancreatis. Der Kopf als der breiteste Abschnitt füllt die Duodenalschlinge fast vollständig aus, der Körper ist schmäler aber dicker und der Schwanz reicht in der linken Körperseite bis zur Milz.
Der Hauptausführungsgang, ductus pancreaticus, durchzieht von der Cauda bis zum Kopf die Drüse in ihrer ganzen Länge und nimmt durch Aufnahme zahlreicher Äste in derselben Richtung an Lumen zu. Am Caput befindet sich noch ein weiterer Drüsengang der ductus pancreaticus minor, dessen Ausmündung ebenfalls unter dem Duodenum beschrieben ist.
Die Leber, hepar, ist mit einem Gewicht von ca. 3 Pfund die größte und zugleich auch die blutreichste Drüse des menschlichen Körpers. Sie besteht aus zwei, einem rechten und einem linken Hauptlappen, lobus hepatis dexter et sinister und liegt zum größten Teil in der rechten Zwerchfellkuppel. An der Unterfläche unterscheiden wir noch zwei viereckige Bezirke die kleinere Lappen darstellen, einen lobus caudatus und einen lobus quadratus. Ihre obere Fläche, facies superior, sowie ihre hintere Fläche, facies posterior, ist stark konvex, im Gegensatz zur Unterfläche, facies inferior, die meist konkav ist. Die Ober- und Unterfläche stoßen an einem scharfen Rand, margo anterior, aneinander, während die Hinterfläche in die beiden genannten ohne eine scharfe Grenze übergeht. Der Leberhilus nimmt fast den ganzen mittleren Teil der facies inferior ein. Außer den einmündenden Gefäßen und Nerven treten aus dem Leberhilus zwei Gallengänge, der ductus hepaticus und der ductus cysticus die sich dann zum ductus choledochus vereinigen, heraus.
Zwei annähernd parallel laufende sagittale Längsfurchen, fossae sagittales dextra et sinistra unterteilen die einzelnen Lappen des Organs. An der Unterfläche der Leber finden wir außer der Vertiefung für den Sitz der Gallenblase zwischen lobus dexter und lobus quadratus, noch die Eindruckstellen, Impressionen, im rechten Lappen für den Zwölffingerdarm, den Dickdarm und für die rechte Niere und im linken Lappen, wie im lobus quadratus, für den Masen.
Die Gallenblase, vesica fellea, ist von birnförmiger Gestalt und stellt eine sozusagen blinde Erweiterung des Gallenblasenganges, ductus cysticus, als Reservoir für die Galle dar. Wir unterscheiden an ihr einen Grund, fundus vesicae felleae, einen corpus und einen allmählich in den ductus cysticus übergehenden Hals, collum vesicae felleae. Die Innenfläche zeigt uns netzförmig angeordnete Schleimhautfältchen, plicae mucosae, während die Schleimhaut des Gallenblasenganges eigentümliche spiralige Faltelung aufweist, die Heister’sche Spiralklappe, valvula spiralis. Die Außenfläche, soweit diese nicht der Leber anliegt, ist von dem Bauchfell überzogen, ebenso der Blasenteil der über den Leberrand hinausragt.
Die Milz, lien, gehört entsprechend ihrer Lage wohl zu den Bauchorganen, aber systematisch doch zu dem Blutgefäßsystem weshalb sich eine Besprechung derselben an dieser Stelle erübrigen dürfte. Es ist mir auch nicht möglich gewesen, der Milz ein topographisch gelegenes Organfeld auf der Zungenoberfläche einzuräumen. Diesbezüglich ist lediglich zu beachten, daß gewisse Verfärbungen der Zungenoberfläche, außer Zungenbelag, auf Veränderungen im Blutbild und damit im Zusammenhang auf gleichzeitige Belastungen der Milz hinweisen können.
Rote Himbeerzunge finden wir beim Scharlach, in den ersten Tagen ist jedoch ein gelblichweißer Belag mit roten Rändern vorliegend, der meist am dritten Tage abgestoßen wird.
Eine sehr rote und sehr reine Zunge ist oft für Tuberkulose charakteristisch.
Blasse, feuchte Zunge kommt bei Magenbluten vor, meist geht jedoch dem Ausbruch der Blutung Trockenheit und starker Belag voraus.
Dunkelbraun bis schwärzlich und lederartig trocken ist die Zunge beim Typhus, wo sie fast im Munde rasselt, infolge Gewebeaustrocknung.
Dicker graugelber oder dunkelrot gefärbter Belag der weiter eintrocknet und Krusten bildet, kommt bei schwerer Form der Diphtherie vor, während bei leichteren Formen die Zunge feucht und wenig belegt ist.
Trockene Zunge mit rotem Streifen durch die Mitte finden wir bei schweren Darmentzündungen, Magen- und Darmspasmen.
Abwechselnde Verfärbung, Blaß- und Rotwerden der Zunge wie der Mundschleimhaut (Quinke’scher Kapillarpuls) deutet auf Aorteninsuffizienz.
Glatte Zunge mit mangelhafter Ausbildung der Papillen (Hunter’sche Zunge) weist auf perniziöse Anaemie hin; die Zunge ist wie poliert, Brennen daran und brennende Schmerzen ist häufig ein Frühsymptom dieses Leidens.
Weiße Auflagerungen, stecknadelkopf- bis linsengroß, die auch auf der Mundschleimhaut und am Gaumensegel vorliegen, deuten auf Soor.
Trockene, mit vielen Einrissen versehene Zunge weißt auf Zuckerkrankheit hin. (Bauchspeicheldrüse, vergl. Erläuterung im Teil III.)
Die Landkartenzunge, lingua geographica, mit abwechselnd belegten und reinen Flächen wird meist als harmlose, hereditäre Eigenart betrachtet. Dennoch hat jede Abweichung von der Norm ihre Bedeutung.
Weißliche, schmerzhafte Epitheldefekte mit roter Umrandung sind die bekannten Aphthen.
Eine geschwollene Zunge mit Zahneindrücken an den Rändern und dickem, grauem, mehr schmierigem Belag, deutet auf akute Gastritis.
Die medizinischen Lehrbücher beschränken sich fast durchweg nur auf einzelne wenige der vorstehend angeführten Zungenzeichen.
Mit der obenstehenden Besprechung habe ich versucht, von allem was bis jetzt über die Zeichen der Zunge aus Form und Belag bekannt ist, einen Gesamtüberblick zu geben.
Bei der diagnostischen Verwertung ist immer zu beachten, daß es bei der Zunge Zeichen und Übergänge zu Veränderungen derselben gibt, die alle wieder einem besonderen causalen Zusammenhang folgen, ebenso wie im Verlauf irgend einer Erkrankung der verschiedensten Organteile gleichermaßen Veränderungen auftreten.
Bei der Inspektion der Zunge darf nicht außer acht gelassen werden, daß man bei Männern infolge Rauchen, Tabakkauen etc. häufiger einen Belag vorfindet, als bei Frauen, welcher deshalb nicht immer gerade als krankhaft anzusprechen ist. Ferner berücksichtige man, daß gewisse Obstsorten, Heidelbeeren, sonstige farbreiche Nahrungsstoffe, Rotwein etc., auch eingenommene Arzneien, die Zunge verfärben können. Vielfach trifft man am frühen Morgen einen Belag an, der im Laufe des Tages wieder verschwindet und deshalb weniger pathologische Momente aufweist wie ein konstanter; dies kann jedoch auch umgekehrt der Fall sein.
Eine langjährige genaue Beobachtung vielseitigster Zungenzeichen, ermöglichte mir die Aufstellung von weiteren Belagzeichen, samt ihren diagnostischen Zusammenhängen, welche bis heute noch unbekannt sein dürften und dazu beitragen, die Zungen-Belag-Semiotik um ein Beachtliches zu vermehren.
Lassen wir dieselben nunmehr folgen:
trockene Zunge, vorn gelber, hinten schwärzlicher Belag, roter Streifen in der Mitte, deutet auf schwere Darmentzündung evtl. geschwürige, mit Spasmen des gesamten Verdauungstraktus;
trocken, wechselnd mit starker Speichelabsonderung, weißschleimig dick belegt mit brennenden Bläschen und Petechien, weisen auf Neurosen des Nervus vagus und heftige Gastritis wie Enteritis;
trockene Zunge nur in der Mitte braun, Ränder rot und feucht, deutet auf Dünn- und Dickdarmentzündung, Flatulenz und Blähungskolik;
Belag in der Mitte, Spitze und Ränder mehr hellrot, findet sich bei Störungen in der Säurebildung;
trocken, nur die Spitze feucht, die Mitte weiß, die Ränder nicht belegt, läßt auf Erkältungen und rheumatische Ursachen in den Eingeweiden schließen;
trocken besonders die Spitze, wie verbrüht, sonst dick gelblichweiß belegt, bei Psorabelastung und skrofulösem Habitus;
trocken, blaß, gelbweiß belegt, Spitze brennt wie Pfeffer und zittert beim Vorstrecken, bei venösen Stauungen im Schleimhautgewebe von Magen und Darm, dabei Hirnreiz und krampfhafte Zustände;
trocken, weißer oder gelber Belag, in der Mitte brauner Längsstreifen, Flatulenz besonders in der rechten Dickdarmflexur, Obstipation;
trocken, gelblichweiß, rot und geschwollen, Ränder hellrot, brennend, mitunter mit schaumigem Speichel bedeckt, bei Gastritis, Enteritis, Proktitis, mit Bauchauftreibung und großer Empfindlichkeit; trocken, Basis sieht aus wie mit trockenem Lehm bedeckt, dies trifft man häufig bei geschwürigen Prozessen im Darmabschnitt an;
trocken, sehr weiß und dick belegt, Zunge brennt und sticht, hierbei oft Bläschenbildung, bei anhaltender Stuhlverstopfung, sehr aufgetriebener fast harter Magen, Magen- und Darmspasmen;
trocken, rissig, Spitze rot, Zentrum braun belegt, zittert beim Vorstrecken, bei Oesophagusentzündung und Strikturen mit Spasmen an der Cardia, am Pförtner sowie an der Analgegend;
trocken, rot und wund, gelb oder braun belegt, geschwollen und steif, bei Skorbut, Lymphangitis, Hydropsie, Leber- und Milzaffektionen, Ikterus, Darmgeschwüre, unwillkürliche Stühle, Mastdarmblutungen;
trocken, rot und rauh, dabei große Papillen, schleimig weißlich bis bräunlich belegt, bei Enteritis, Cholerine und Cholera mit Krampus, kollernde Flatulenz, Hepatalgie, Bronchitiden, Schlundkrampf;
trocken, geschwollen, Spitze juckt oder bitzelt, undeutliches Sprechen, oder auch zäher seifenartiger Speichel, bei Magenkatarrh mit Auftreibung des Magens, Magenverschleimung, Darmspasmen, viel Stuhldrang ohne Erfolg oder nur geringe Faeces, oft gleichzeitig Blasenleiden;
trocken, rot oder milchweiß, ohne oder nur mit wenig Belag, stechende Empfindungen auf der Zunge, bei Magen- und Darmstörungen mit Hirnreizzuständen, infolge von Traumen‑, (oder Trauma-Verletzungen), Hitze- oder Furchteinwirkungen;
trocken, meist nur weiß belegt, bei allgemeiner Blutarmut und Störungen im Pfortaderkreislauf mit Meteorismus, Magen- und Darmspasmen;
trocken, rot, jedoch morgens weiß belegt, die Zunge ist wie lahm, schmerzt oder zittert beim Vorstrecken, oft Bläschen- und Geschwürbildung, bei Magenkrampf, vermehrter Peristaltik mit galligem oder blutigem Durchfall, oder schwierigem Abgang mit Proktalgie;
trocken, rot oder auch braun belegt, rissig, die Zunge ist oft lederhart und lahm, bei Störungen des Verdauungsapparates mit Hirnreiz wie Magenentzündung, Bauchauftreibung mit Darmkolik und Kollern, schleimige, gallige und unwillkürliche Stühle;
trocken und aufgesprungen, bei Magenentzündung infolge Vergiftung, sowie bei Ruhr mit vielem Drang und Brennen im Mastdarm;
trocken und weiß belegt, linke Hälfte sticht und schmerzt besonders abends, bei schlechter Durchblutung der Verdauungsorgane und Störungen der Pankreas sowie der Darmdrüsen, infolge Cordatonie mit fadenförmigem, niederem Puls;
trocken, erst rot, dann schwärzlich und rissig, dabei geschwollen, bei Angina, Bauchauftreibung, träger Darmmuskulatur, Koliken und Leibschneiden vorwiegend in den beiden Inguinalgegenden;
trocken, morgens weiß belegt und rissig, tagsüber mehr grünlicher Belag und Speichelfluß, bei Dyspepsie, schmerzhaftem Druck im Oberbauch in der Leber- und Milzgegend, viel Gasbildung, schleimiger Durchfall oder trockener eingeschleimter Schafkotstuhl, oft starke Hämorrhoidalknoten;
trockenes Gefühl an der Zunge, dieselbe ist jedoch feucht, bei allgemeiner Anaemie und schlechter Durchblutung der Eingeweide, sowie bei Anacidität;
trocken, jedoch ohne Durstgefühl, es besteht ein Gefühl, als sei die Zunge verbrannt und viel zu breit, meist weißschleimiger Belag, bei Magen- und Darmkatarrh besonders sensibler Personen;
trocken, rissig, braun gelb oder grünlich belegt, dabei geschwollen und lähmig, bei lahmer Peristaltik, Schlund- und Magenkrampf, Flatulenz, viel Darmkolik, Stuhldrang ohne Entleerung;
trocken, rot rissig mit Unruhe, bewegt ständig die Zunge, welche aus dem Munde hängt bei Hirnreiz, Convulsionen, Bauchfellentzündung, Bauchauftreibung, Magen- und Darmschmerzen;
trocken, weißlich, auch gelb und braun, die Spitze und Ränder sind rot. die Zunge ist morgens wie pelzig und schält sich tagsüber, bei Magengeschwür, Übelkeit und Vomitus, Hemmungen im Pfortaderkreislauf mit Leberaffektion, gestörter Gallenabfuhr und Hämorrhoiden;
trocken, nur die Zungenwurzel ist schleimig belegt, links geschwollen, bei Vagusneurosen, Magen- und Darmkrampf, Blutstühle und unwillkürlicher Stuhlabgang;
weiß oder gelb belegt wie verbrüht, Spitze ist geschwürig, bei Blutstauungen und Vollblütigkeit im Unterleib, purpurroten Hämorrhoidalknoten, stechende Proktalgie, Splittergefühl;
roter Streifen durch die Mitte der Zunge, bei heftigen Gastralgien, sowie Neuralgien, besonders im Dünndarm und Mastdarm.
schleimiger weißer, oder dicker gelblicher Belag, rote Ränder, bei Flatulenz mit sehr stinkenden Winden, wie bei fieberhaften Magen- und Darmerkrankungen, ferner bei schlecht zusammengesetzten Verdauungssäften;
dick-gelbschleimiger Belag allgemein, findet sich vielfach bei nervösen Störungen der Eingeweide-Schleimhäute;
weißer Belag, die Spitze ist rot, der Rand hat stechende Bläschen, bei Glossitis selbst, sowie bei Schleimhautkatarrhen des Magen-und Darmkanals;
die Spitze ist weiß belegt, mit Bläschen auch am Rand, hintere Zunge gelbschleimig, bei Bauchauftreibung, Magenkrampf, Darmträgheit mit wechselnden Stühlen;
vorn reine Zunge, hinten heller Schleim, bei Blutüberfüllung des Magens und Darmkatarrh mit starker Schleimabsonderung oder Pfortaderstauung;
rote, wunde, rissige, brennende Zunge, verdickte Papillen, essen ist erschwert, bei Stomatitis und Glossitis selbst, sowie bei Magenkrampf und Enteritis mit schmerzhaftem Stuhl;
gelber Zungenbelag mit Zahneindrücken und rotem Rand, bei Leber- und Gallenleiden mit Ikterus, besonders Erkrankung des Leberparenchyms;
schmutzig gelb, dick belegt, klebrig, schleimig, schwer bewegliche Zunge, bei verminderter Gallensekretion mit Ikterus und Hepatalgie;
weißer Belag mit roten Rändern, bei Leberleiden, vorwiegend bei Erkrankung des Leberendothels und interstitiellen Gewebes, mit Gelbsucht und galligen Durchfällen;
weiß belegt mit stellenweiser Abschälung (Landkartenzunge), bei Leberleiden mit Leberschmerzen und Wundheitsgefühl, gallige Stühle; ferner bei Leberverhärtung, Erkrankung der Darmmuskulatur, sowie Magen- und Darmneurosen;
weiß belegte Spitze in Dreieckform, sonst gelber oder brauner Schleim, bei rheumatischer Erkrankung des Magen-Darmkanals;
weiß, gelblich, oder Seiten weiß, Mitte rot oder nur rote Inseln, bei Neigung zu Eingeweidekrämpfen infolge Blutwallungen;
weiß oder gelblich, die Spitze brennt, bei Gasstauungen im Blinddarmabschnitt, wie in beiden Flexuren;
weißer Belag, sehr empfindlich, oder bei weißen schmerzhaften Geschwüren, kann auf chronischen Magen- und Darmkatarrh geschlossen werden;
weiß belegt, mit Bläschenbildung, dabei saurer fauliger Geschmack, bei Dyspepsie, Leberleiden und Blutanschoppung in den Venen des Verdauungstraktus;
weiß, mit gelben Streifen, Blasen an der Spitze wie verbrüht, bei Gastritis acuta und Enteritis, sowie Magen- und Darmgeschwüren;
nur morgens weiß, tagsüber gelb, schwammig, Spitze und Ränder, rein, bei Dünn- und Dickdarmentzündung mit Leberschwellung, sowie Entzündung der Leberspitze mit Ikterus;
glänzend rote, glatte Zunge, bei Magen- und Darmentzündung mit schneidenden und reißenden Schmerzen in den Leisten, meist Schwellung der Leistendrüsen;
reine Zunge kann sich auch trotz Magen- und Darmkatarrhen vorfinden, jedoch ist dann die Zungenmitte etwas röter;
dicker, goldgelber, feuchter Belag, besonders links oder nur hintere Hälfte, bei Dyspepsie mit vielen Eruktationen, meist Hyperacidität;
dick weißgelb bis braun belegt, oder nur die Mitte ist weiß, der Rand dagegen rot, bei gastrischen, typhösen Fieberzuständen mit Ergriffenheit der Hirn- und Rückenmarkshäute;
schleimig, hellrot, die Zunge ist wie steif und taub, Bewegung schmerzt, bei Ruhr, sowie bei krampfhafter Magen- und Dünndarmentzündung;
gelb belegt, mit sehr bitterem Geschmack, jedoch nicht schleimig, bei Schleimhautentzündungen der Verdauungsorgane, ferner bei Bleikolik;
dick belegt, geschwollen mit Zahneindrücken, bei Dünndarmkatarrh, Dickdarmgeschwüren, gallig grünliche oder graue Stühle mit Tenesmus ani;
dicker, weißer Schleim, die Zunge ist steif mit dicken Papillen, sogenannte Erdbeerzunge, bei roter Ruhr, mit unerträglichen Darmschmerzen und heftigem Stuhlzwang;
Erdbeerzunge findet sich ferner vor, bei Bauchfellentzündung, akutem Magenkatarrh und Darmentzündung;
bräunlicher Schleim, taubes Gefühl und Randgeschwüre, rechte Hälfte geschwollen, bei Verdauungsschwäche mit Flatulenz, besonders infolge Pylorusstenosen;
mißfarbige Zunge jeder Färbung, bei sonst blasser Zungenfarbe, finden wir bei Schwächezuständen infolge Blutverlusten, oder bei mangelhafter Durchblutung der Eingeweide an sich;
Zungenrand mit Bläschen, schmerzende Zungenspitze, bei krampfhaften Zuständen der Darm- und Bauchmuskulatur;
blauer Zungenbelag, bei Ruhr und Typhus; schwarze Zunge, bei Ruhr, Typhus, Cholera, bei Scharlach und beim Collaps.
Ferner beachte man die verschiedenartigen Geschwürbildungen an der Zunge, welche mit anderen Leiden der Verdauungsorgane gewisse Zusammenhänge aufweisen können, wie auch die bekannten Merkmale des Zungen-Carcinoms.
An all diesen Zungen-Belagszeichen läßt sich im großen und ganzen nur eine ungefähre diagnostische Verwertung, auch in Bezug einer Besserung und Heilung, oder Verschlimmerung, etwa ergriffener Verdauungsorgane verfolgen, während meine neue Zungen-Diagnostik eine genauere Detailierung ermöglicht. (Vergleichen Sie betreffend dieser Zungenzeichen von Seite 34 bis 40, bezüglich der hier passenden Arzneimittel, den Abschnitt “Zungensymptome” in meinem Werk “Codex interner Homöo Therapie.”)