
Botanisches:
Die ausdauernde, bis 25 cm hohe Knollenpflanze mit grundständigen, breitlanzettlichen, saftigen Blättern und hell lila-rosa Blüten lebt meist gesellig auf gedüngten oder bewässerten, aber gemähten Wiesen Mittel- und Südeuropas. Die Pflanze blüht im Herbst, während die Blätter und die dreifächrigen, vielsamigen Kapsel-früchte erst im darauffolgenden Frühling erscheinen. Die schwarzen Samen besitzen klebrige Anhängsel, die sich leicht an die Klauen des Weideviehs heften und dadurch rasch verbreitet werden. – Das giftige Unkraut, das auch durch Beschattung des Grases schädlich wird, sucht der Landwirt durch Entwässern, Düngen mit Thomasmehl, Umbruch usw. zu entfernen. Blütezeit: September bis Oktober.
Geschichtliches und Allgemeines:
Unsere Herbstzeitlose kommt in Griechenland nicht vor, dagegen mehrere andere Colchicumarten. Dioskurides schildert das Colchicum (Synonym: ephemeron), welches meistens für C. latifolium gehalten wird, nur als Giftpflanze und empfiehlt als Gegenmittel Kuhmilch. Im Mittelalter war die Pflanze unter dem Namen Hermodactylos bekannt. Die h l. Hildegard führt sie unter dem Namen “Heylheubt”, offenbar mit Hinweis auf die Verwendung gegen Kopfausschläge und Kopfläuse, auf. Albertus Magnus erwähnt sie als Mittel gegen Podagra und Ausschläge, und H. Bock rät zu einem vorsichtigen Gebrauch. Erst Störck hat auf Grund klinischer Beobachtungen die Herbstzeitlose wirklich in die Medizin eingeführt.-In der Volksmedizin wird der Absud der Zwiebeln und der Blüten bei Kindern, aber auch beim Vieh, gegen Ungeziefer angewandt. In Graubünden gilt die Zwiebel morgens nüchtern gegessen als Mittel gegen die Gelbsucht. Aber auch bei Gicht, Asthma, Rheuma und Wassersucht wird sie dort verwandt. In der Tasche getragen sollen die Herbstzeitlosenzwiebeln gegen Schwindelanfälle und alle möglichen ansteckenden Krankheiten, besonders die Pest, schützen.

Herbstzeitlose
Blätter und unreife Früchte
(etwa 1/5 nat. Gr.)
Eine große Anzahl von Geheimmitteln gegen Gicht enthielt als Hauptbestandteil Colchicum, so daß im 16. Jahrhundert sehr gebräuchliche Eau médicinale de Husson, der Liqueur de Laville, Lyquor Mylius, Albertus Remedy, Pilules de Becquerel, Pilules de Débout usw. Näheres über die Zusammensetzung verschiedener solcher Geheimmittel vgl. bei Loewe und Lange1. Nach Loewe erklären sich die Widersprüche in den Beobachtungen der tierexperimentellen Untersucher durch die leichte Zersetzlichkeit und Veränderlichkeit des Colchicins. Dieses wurde im Jahre 1820 von Pelletier und Caventou zuerst dargestellt und für Veratrin gehalten. Geiger wies 1833 die Eigentümlichkeiten des Colchicins nach.
Als Wiesenunkraut ist die Herbstzeitlose sehr schädlich. Zwar lassen die Pferde und das Rindvieh sie gewöhnlich stehen, doch gehen junge Tiere, die sie versehentlich aufnehmen, leicht daran zugrunde. Schafe und Ziegen scheinen weniger empfindlich zu sein, sie können im Gegenteil ohne Schaden größere Mengen von der Pflanze vertragen. Jedoch enthält die Milch dieser Tiere dann das Gift; so erkrankten in Rom eine Menge Menschen nach dem Genuß von Ziegenmilch an den Symptomen einer Colchicinvergiftung.