Colchicum – Seite 2 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Col­chi­cum (Sei­te 2 von 4)
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Botanisches:

Die aus­dau­ern­de, bis 25 cm hohe Knol­len­pflan­ze mit grund­stän­di­gen, breit­lan­zett­li­chen, saf­ti­gen Blät­tern und hell lila-rosa Blü­ten lebt meist gesel­lig auf gedüng­ten oder bewäs­ser­ten, aber gemäh­ten Wie­sen Mit­tel- und Süd­eu­ro­pas. Die Pflan­ze blüht im Herbst, wäh­rend die Blät­ter und die drei­fäch­ri­gen, viel­sa­mi­gen Kap­sel-früch­te erst im dar­auf­fol­gen­den Früh­ling erschei­nen. Die schwar­zen Samen besit­zen kleb­ri­ge Anhäng­sel, die sich leicht an die Klau­en des Wei­de­viehs hef­ten und dadurch rasch ver­brei­tet wer­den. – Das gif­ti­ge Unkraut, das auch durch Beschat­tung des Gra­ses schäd­lich wird, sucht der Land­wirt durch Ent­wäs­sern, Dün­gen mit Tho­mas­mehl, Umbruch usw. zu ent­fer­nen. Blü­te­zeit: Sep­tem­ber bis Oktober.

Geschichtliches und Allgemeines:

Unse­re Herbst­zeit­lo­se kommt in Grie­chen­land nicht vor, dage­gen meh­re­re ande­re Col­chi­cum­ar­ten. Dio­s­ku­r­i­des schil­dert das Col­chi­cum (Syn­onym: eph­eme­ron), wel­ches meis­tens für C. lati­fo­li­um gehal­ten wird, nur als Gift­pflan­ze und emp­fiehlt als Gegen­mit­tel Kuh­milch. Im Mit­tel­al­ter war die Pflan­ze unter dem Namen Her­mo­dac­ty­los bekannt. Die h l. Hil­de­gard führt sie unter dem Namen “Heyl­heubt”, offen­bar mit Hin­weis auf die Ver­wen­dung gegen Kopf­aus­schlä­ge und Kopf­läu­se, auf. Alber­tus Magnus erwähnt sie als Mit­tel gegen Poda­gra und Aus­schlä­ge, und H. Bock rät zu einem vor­sich­ti­gen Gebrauch. Erst Störck hat auf Grund kli­ni­scher Beob­ach­tun­gen die Herbst­zeit­lo­se wirk­lich in die Medi­zin eingeführt.-In der Volks­me­di­zin wird der Absud der Zwie­beln und der Blü­ten bei Kin­dern, aber auch beim Vieh, gegen Unge­zie­fer ange­wandt. In Grau­bün­den gilt die Zwie­bel mor­gens nüch­tern geges­sen als Mit­tel gegen die Gelb­sucht. Aber auch bei Gicht, Asth­ma, Rheu­ma und Was­ser­sucht wird sie dort ver­wandt. In der Tasche getra­gen sol­len die Herbst­zeit­lo­sen­zwie­beln gegen Schwin­del­an­fäl­le und alle mög­li­chen anste­cken­den Krank­hei­ten, beson­ders die Pest, schützen.

Herbst­zeit­lo­se
Blät­ter und unrei­fe Früchte
(etwa 1/​5 nat. Gr.)
Eine gro­ße Anzahl von Geheim­mit­teln gegen Gicht ent­hielt als Haupt­be­stand­teil Col­chi­cum, so daß im 16. Jahr­hun­dert sehr gebräuch­li­che Eau médi­ci­na­le de Huss­on, der Liqueur de Laville, Lyqu­or Myli­us, Alber­tus Reme­dy, Pilules de Bec­que­rel, Pilules de Débout usw. Nähe­res über die Zusam­men­set­zung ver­schie­de­ner sol­cher Geheim­mit­tel vgl. bei Loe­we und Lan­ge1. Nach Loe­we erklä­ren sich die Wider­sprü­che in den Beob­ach­tun­gen der tier­ex­pe­ri­men­tel­len Unter­su­cher durch die leich­te Zer­setz­lich­keit und Ver­än­der­lich­keit des Col­chi­cins. Die­ses wur­de im Jah­re 1820 von Pel­le­tier und Caven­tou zuerst dar­ge­stellt und für Ver­a­trin gehal­ten. Gei­ger wies 1833 die Eigen­tüm­lich­kei­ten des Col­chi­cins nach.
Als Wie­sen­un­kraut ist die Herbst­zeit­lo­se sehr schäd­lich. Zwar las­sen die Pfer­de und das Rind­vieh sie gewöhn­lich ste­hen, doch gehen jun­ge Tie­re, die sie ver­se­hent­lich auf­neh­men, leicht dar­an zugrun­de. Scha­fe und Zie­gen schei­nen weni­ger emp­find­lich zu sein, sie kön­nen im Gegen­teil ohne Scha­den grö­ße­re Men­gen von der Pflan­ze ver­tra­gen. Jedoch ent­hält die Milch die­ser Tie­re dann das Gift; so erkrank­ten in Rom eine Men­ge Men­schen nach dem Genuß von Zie­gen­milch an den Sym­pto­men einer Colchicinvergiftung.