Dioskurides Arzneimittellehre, Seite 147

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Erstes Buch

Heilpflanzen-Welt -- Die Welt der Heilpflanzen!


Dio­s­ku­r­i­des Arz­nei­mit­tel­leh­re, Sei­te 147

Cap. 183. Feigen.

Ficus cari­ca (Mor­aceae) – Feige

Die rei­fen Fei­gen, wenn sie weich sind, bekom­men dem Magen schlecht und lösen den Bauch. Leicht aber wird der von ihnen erzeug­te Fluss geheilt; sie rufen Aus­schlag und Schweiss her­vor, stil­len aber den Durst und die­nen zum Dämp­fen der Hit­ze. Tro­cken aber sind sie nahr­haft, erwär­mend, mehr Durst machend, wohl­thuend für den Bauch, untaug­lich für den Magen- und Bauch­fluss. Heil­sam sind sie für den Schlund, die Luft­röh­re, die Bla­se und Nie­ren, wie auch für die, wel­che nach lan­ger Krank­heit eine schlech­te Far­be haben, fer­ner für die Asth­ma­ti­ker, Epi­lep­ti­ker und Was­ser­süch­ti­gen. Mit Hysop gekocht und getrun­ken rei­ni­gen sie die Brust, sind auch ein gutes Mit­tel bei altem Hus­ten und chro­ni­schem Lun­gen­lei­den. Den Bauch erwei­chen sie mit Natron und Safran zusam­men gestos­sen und genos­sen. Die Abko­chung der­sel­ben ist bei Luft­röh­ren- und Man­del­ent­zün­dung als Gur­gel­mit­tel ange­bracht, sie wer­den auch zu Umschlä­gen aus unge­rös­te­ter Gers­te und zu Bähun­gen für Frau­en mit Bocks­horn und Gers­ten­schleim gemischt. Mit Rau­te gekocht die­nen sie zum Klys­ti­er bei Leib­schnei­den. Gekocht und fein zer­rie­ben zert­hei­len sie als Kata­plas­ma Ver­här­tun­gen und Drü­sen, erwei­chen Furun­keln und brin­gen Scham- und Ach­sel­drü­sen­ge­schwü­re zur Rei­fe, bes­ser noch mit Schwert­li­lie, Natron oder unge­lösch­tem Kalk. Auch roh zer­stos­sen leis­ten sie zusam­men mit den genann­ten (Mit­teln) das­sel­be. Mit Gra­nat­rin­de ver­trei­ben sie über­ge­wach­se­ne Nägel. Mit Eisen­vi­tri­ol hei­len sie schwer heil­ba­re und bös­ar­ti­ge Schien­bein­flüs­se. In Wein gekocht und mit Wer­muth und Gers­ten­schrot gemischt sind sie als Umschlag Was­ser­süch­ti­gen heil­sam. Gebrannt und mit Wachs­sal­be gemischt hei­len sie Frost­beu­len. Roh fein gestos­sen und mit bis­si­gem Senf auf­ge­nom­men hel­fen sie, in die Ohren gesteckt, bei Sau­sen und Jucken (in den Ohren). Der Saft des wil­den und zah­men Fei­gen­bau­mes bringt Milch zum Gerin­nen wie Lab, löst aber das Gerinn­sel wie­der wie der Essig. Er erzeugt auf dem Kör­per Geschwü­re und eröff­net, löst den Bauch und ver­min­dert die Span­nung der Gebär­mut­ter, wenn er mit fein gestos­se­nen Man­deln genom­men wird. Mit Eidot­ter oder tyr­rho­ni­schem Wachs im Zäpf­chen appli­cirt beför­dert er die Mens­trua­ti­on. Mit Bocks­horn­mehl und Essig dient er zu Kata­plas­men bei Poda­gra, mit Gers­ten­mehl besei­tigt er Aus­satz, Flech­ten, Son­nen­brand­fle­cken, Krät­ze, weis­se Haut­fle­cken und Schorf. Er heilt auf die Wun­de getröp­felt Skor­pi­on­sti­che und Bis­se von gif­ti­gen Thie­ren und Hun­den. Auch bei Zahn­schmer­zen hilft er auf Wol­le geträu­felt und in den hoh­len Zahn gesteckt. End­lich ver­treibt er War­zen, wenn er mit Talg um das Fleisch rings her­um gestri­chen wird.