Auf welchem Naturgesetz ist nun diese neue Zungen-Diagnostik begründet?

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Quel­le: Bern­hard Kro­nen­ber­ger — Die neue Dia­gnos­tik Lin­gua­lis (Zun­gen­dia­gno­se) (1949, Kahl a. Main)

Auf welchem Naturgesetz ist nun diese neue Zungen-Diagnostik begründet? 

Tref­fend beant­wor­tet: “Die Ent­ste­hung der neu ent­deck­ten Zun­gen­zei­chen beruht auf dem glei­chen Natur­ge­setz wie alle übri­gen Zei­chen am mensch­li­chen Kör­per, die von der aner­kann­ten Semio­tik bereits in den Dienst der Dia­gnos­tik gestellt werden!”

Das gesam­te Kräf­te­spiel des Lebens fußt auf dem Gesetz der Pola­ri­tät; einer­seits auf dem Gesetz der Strah­lung und dem gegen­po­la­ren Gesetz der stoff­lich mate­ri­el­len Span­nung, wel­ches sich schon bei der Zell­tei­lung kund­gibt. Strah­lung und Span­nung müs­sen zum nor­ma­len Ver­lauf alles Gesche­hens im schöp­fe­ri­schen natür­li­chen Har­mo­nie­ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen. Die Strah­lungs­kraft “Dyna­mis” ist im Cen­tral­ner­ven­sys­tem und im Beson­de­ren in den gro­ßen Gan­gli­en des vege­ta­ti­ven Sys­tems aufgespeichert.

Sie offen­bart sich uns:

  1. Als Astro­sphä­re bei der Zellteilung. 
  2. Als der vom Orga­nis­mus indi­vi­du­ell mehr oder weni­ger aus­strah­len­de Magnetismus. 
  3. Als Strahl­kraft der Iris, die sich am Spie­gel­bild des Trun­cus sym­pa­thi­kus, an der Iris­krau­se, beson­ders ausprägt. 
  4. Als die an jedem Organ nach außen in Erschei­nung tre­ten­de Eben­mä­ßig­keit und Schön­heit der Form, somit auch an der Ega­li­tät und Schön­heit der Zunge.

Die­se mei­ne Polaritäts‑, Akti­no-Ten­si­ons-Theo­rie fußt auf einer ewi­gen Wahr­heit und wird die Rein­heit der Idee allen Anstür­mun­gen und Ent­stel­lun­gen dem­zu­fol­ge stand­hal­ten. Bei den Nach­for­schun­gen über die Ursa­chen und die Zusam­men­hän­ge mei­ner neu­en Zun­gen-Dia­gno­se wie über die Wesens­grund­la­gen der Semio­lo­gie über­haupt, ist mir die Erkennt­nis der Akti­no-Ten­si­ons-Theo­rie fast schlag­ar­tig zur Offen­ba­rung gewor­den und ich habe nur den einen Wunsch, mei­nen Mit­men­schen und der Welt die­ses Wis­sen um die inners­te Wesens­art unse­res Orga­nis­mus, auf eine wür­di­ge, der Sache wert­ent­spre­chen­de Wei­se zu unterbreiten.

Die Brü­cke zu die­sen Erkennt­nis­sen mag wohl mein seit über drei Jahr­zehn­ten bestehen­des, sel­ten gro­ßes Erfas­sen und Ein­drin­gen in die homöo­pa­thi­schen Leh­ren und damit zusam­men­hän­gend das Vor­drin­gen in die Welt des Fein­stoff­li­chen, des Psy­chi­schen, gebil­det haben. Liegt schon in den Grund­sät­zen der Homöo­pa­thie, bereits noch von jedem gesun­den Men­schen­ver­stand faß­bar, eine der vie­len Wur­zeln von der Macht des Klei­nen, so fin­den wir eine wei­te­re Wur­zel in den Grund­la­gen der gesam­ten Semiologie.

Es ist ein immer zu beach­ten­der Maß­stab für die all­ge­mein gül­ti­ge medi­zi­ni­sche Anschau­ung und Ein­stel­lung, daß sie die Homöo­pa­thie in das Gebiet der okkul­ten Medi­zin ein­reiht. Die all­o­pa­thi­sche medi­zi­ni­sche Schul­dok­trin fußt eben auf rein mate­ria­lis­ti­schen Grund­sät­zen die sie für ihren Fort­be­stand bei­be­hal­ten muß, denn sonst wür­de sie sich selbst auf­ge­ben. Nie­mand kann zwei Her­ren zugleich die­nen. Man kann nicht einer jeder Höher­ent­wick­lung kon­front lau­fen­den, voll­kom­men mate­ria­lis­tisch ver­sklav­ten Welt ver­schrie­ben sein, und gleich­zei­tig der fein­stoff­li­chen Welt die end­be­dingt ins Tran­s­cen­den­ta­le ins Gött­li­che führt, eben­so die­nen, das geht nicht. Wer schul­me­di­zi­nisch denkt, kann nie fein­stoff­lich den­ken und wer die Bahn des Letz­te­ren ein­mal beschrit­ten und voll und ganz begrif­fen hat, wird nie mehr ins alte Lager zurück­keh­ren. Dies ist auch der Grund, war­um schon Hah­ne­mann sel­ber, der sein Simi­le mit aller Offen­ba­rung sicher am bes­ten kann­te, jeden Halb­ho­möo­pa­then, also jeden Zwit­ter­me­di­zi­ner, für sein Sys­tem ablehnte.

Pola­re Gegen­sät­ze dürf­ten, ja müs­sen förm­lich in der Medi­zin eben­so wie anders­wo vor­han­den sein, nur soll­ten sie sich im Rah­men gegen­sei­ti­ger Ergän­zung und Befruch­tung bewe­gen. Zwi­schen der All­o­pa­thie und der Homöo­pa­thie besteht eigent­lich nur ein äuße­rer dyna­mi­scher Gegen­satz; denn nur durch den soge­nann­ten Pol­wech­sel, die Ver­dün­nung, das homöo­pa­thi­sche Poten­zie­ren, wird aus dem kon­zen­trier­ten, erstarr­ten Span­nungs­stoff, dem Gift, wel­ches nach der Mys­tik als Sym­bol des Nie­der­gangs zur Mate­rie, zur Sün­de, zum Fluch gilt, ein ent­ge­gen­ge­setz­ter sich aus­brei­ten­der, leben­för­dern­der, wohl­tu­en­der Strah­lungs-Fein­stoff, der mys­tisch gese­hen, zur Ver­geis­ti­gung, Erlö­sung, All-Lie­be und Glück­se­lig­keit führt.

Jedem das Sei­ne! Betrach­ten wir das Bestehen der bei­den medi­zi­ni­schen Rich­tun­gen als das, was sie sein wol­len, als eine ganz natür­li­che Not­wen­dig­keit im Pla­ne der Schöp­fung. Respek­tie­ren wir auch die über­aus zahl­rei­chen Errun­gen­schaf­ten der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft und tra­ge jeder, der das Zeug dazu in sich hat, zu wei­te­rer Klä­rung noch unge­lös­ter Pro­ble­me bei.

Über den Weg sei­ner Rich­tung wäh­le jeder­mann sel­ber. Wer sich von der Macht des Klei­nen, dem Fein­stoff­li­chen ange­zo­gen fühlt, dem sei noch ein Aus­spruch des chi­ne­si­schen Wei­sen Lao-Tse: “Das Zar­te wird das Star­ke besie­gen. Dies ist die gehei­me Erleuch­tung”; und ein sol­cher von Gott­fried Kel­ler: “Gott ver­hält sich mäus­chen­still, dar­um regiert er die Welt”, mit auf den Weg gegeben.

Die Semio­tik bil­det neben den phy­si­ka­li­schen Unter­su­chungs­me­tho­den eine der Grund­la­gen der ärzt­li­chen Dia­gnos­tik. Eine Anzahl bereits bewähr­ter semio­lo­gi­scher Aus­drucks­for­men wie die Augen­dia­gno­se, teil­wei­se auch die Gesichts-Phy­sio­gno­mik, die Nagel­dia­gno­se etc. und wahr­schein­lich auch mei­ne nun­mehr vor­lie­gen­de neue Zun­gen-Dia­gno­se, reiht man ein­fach von wis­sen­schaft­li­cher Sei­te ins Bereich der okkul­ten Dia­gnos­tik, wenn­gleich man zu deren Wahr­neh­mung nicht der erfor­der­li­chen höhe­ren okkul­ten Sin­ne, des sechs­ten und sie­ben­ten Sin­nes bedarf, son­dern die­se von Jeder­mann wel­cher im Voll­be­sitz sei­ner fünf phy­si­ka­li­schen Sin­ne ist, wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. Wenn man hier­bei noch von supra­phy­si­ka­li­schen Unter­su­chungs­me­tho­den spre­chen wür­de, könn­te man dies schließ­lich gel­ten las­sen, aber all die­se Unter­su­chungs­ar­ten in das Gebiet der Meta­phy­sik zu ver­le­gen, das ist nicht all­ge­mein, son­dern nur ein­sei­tig bedingt, ver­ständ­lich. Logi­scher­wei­se dürf­te sich der Umfang der Meta­phy­sik aus meh­re­ren Pha­sen und Über­gän­gen zusam­men­set­zen, so aus der Supra­phy­si­ka­lis, die noch mit den natür­li­chen fünf Sin­nen faß­bar ist, wei­ter aus der eigent­li­chen Meta­phy­sik, in die man nur unter der Voll­kraft unse­rer bei­den höhe­ren Sin­ne ein- und in den Bereich des höhe­ren Geis­ti­gen vor­drin­gen kann, und aus der Tran­s­cen­denz, die auch für das erd­ge­bun­de­ne geis­ti­ge Schau­en ver­schlos­sen bleibt.

Gehen wir nach die­sem Umwe­ge, der zur teil­wei­sen Klä­rung unse­rer supra­phy­si­ka­li­schen Mög­lich­kei­ten die­nen soll­te, wie­der zu unse­rem eigent­li­chen The­ma über:

Wenn wir den Grund­la­gen der Semio­lo­gie näher tre­ten und in die­sel­ben ein­drin­gen wol­len, so müs­sen wir uns zunächst ein Reich erobern, des­sen Umfang und Gren­zen weit über die bis­her von der Schul­me­di­zin als all­ge­mein gül­tig aner­kann­ten, bezw. ange­nom­me­nen Natur­ge­set­ze hin­aus­geht, ein Reich, in wel­chem tie­fe­re und ewi­ge Wahr­heit und eine höhe­re Ord­nung wal­tet. Die Grund­ge­set­ze der Semio­tik fußen auf den bis heu­le für den mensch­li­chen Orga­nis­mus meist nicht, oder nur wenig beach­te­ten, das gan­ze Uni­ver­sum durch­flu­ten­den Strö­mun­gen der Pola­ri­tät, deren Kennt­nis uns nicht nur eine grö­ße­re Sicher­heit in der spe­zi­el­len Dia­gnos­tik, son­dern dem­zu­fol­ge auch eine inten­si­ve­re Hei­lungs­mög­lich­keit bei allen Abwei­chun­gen von der Norm gewährleistet.

Das schöp­fe­ri­sche Prin­zip ist die sich aus­brei­ten­de, leben­för­dern­de, stän­dig zu Höhe­rem fort­schrei­ten­de Strah­lung, das Jupi­ter­prin­zip, dem als Gegen­pol das Saturn­prin­zip, die Ele­men­tar­kraft der Mate­rie als die hem­men­de, zum Zer­fall, zur Erstar­rung und Zer­stö­rung drän­gen­de Span­nung ent­ge­gen­wirkt. Bei­de Ele­men­tar­kräf­te sind unbe­dingt und auf die gesam­te Zeit­dau­er ihrer Wirk­sam­keit auf­ein­an­der ange­wie­sen, kei­ne der­sel­ben kann für sich allein bestehen, da die Exis­tenz der einen eben­so die Exis­tenz der ande­ren vor­aus­set­zen muß, mit der­sel­ben Bedin­gung wie auf den Tag die Nacht folgt und wie dem Süd­pol ein Nord­pol gegen­über­ste­hen muß. Die­se bei­den polar gela­ger­ten schaf­fens­mäch­ti­gen Wirk­lich­keits-Über­kräf­te sowohl in ihrer Kon­so­nanz und ganz beson­ders in ihrer Dis­so­nanz am mensch­li­chen Orga­nis­mus zu erken­nen, das ist die kom­men­de, höhe­re, pola­re Dia­gnos­tik, und die­je­ni­ge Kunst wel­che vor­lie­gen­de Dis­so­nan­zen wie­der bis ins Fleisch und Blut hin­ein zu har­mo­ni­sie­ren ver­mag, das ist die neue lang­sam her­an­kom­men­de, von Meß­mer, Hah­ne­mann und Coue bereits ange­bahn­te, zukünf­ti­ge höchs­te Heil­kunst, die zum har­mo­ni­schen Macht­fak­tor über das Leben beru­fen sein dürfte.

Solan­ge unse­re dies­sei­ti­ge Inkar­na­ti­on besteht, müs­sen wir zur Gestal­tung eines har­mo­ni­schen Lebens­ver­lau­fes uns nach bei­den Pol­rich­tun­gen hin ori­en­tie­ren; glei­cher­ma­ßen müs­sen wir uns sowohl dem Geis­te wie der Mate­rie, dem Stoff wid­men; leben wir nur dem Geist, dann erstarrt unser Stoff­li­ches, leben wir nur der Mate­rie, dann stirbt unser Geist. Lie­gen Dis­so­nan­zen im Ablauf kör­per­li­cher Funk­tio­nen vor, dann dür­fen wir nicht, wie bis­her meist gesche­hen, die zur Erstar­rung drän­gen­de Mate­rie anpa­cken, nicht den Boden des Instru­men­tes behäm­mern, son­dern wir müs­sen ver­su­chen, die Vor­gän­ge und die ver­spann­ten Schwin­gun­gen so zu steu­ern und in den har­mo­ni­schen Rhyth­mus ein­zu­ord­nen, daß die vor­her gehemm­te, ein­ge­schlos­se­ne, ele­men­ta­re Urkraft der Strah­lung ent­fes­selt wird und wie­der unge­hin­dert flie­ßen kann. Sind wir in der Lage, den ver­stimm­ten Lebens-Strahl­kräf­ten den akkor­dia­len Wohl­klang wie­der zu ver­schaf­fen, dann ist das men­schen­mög­lichs­te eines Heil­künst­lers erreicht, er ist ein gott­be­gna­de­ter Hel­fer. Mit die­ser Gna­de und Offen­ba­rung wird er immer­hin wei­ter in innigs­tem Kon­takt blei­ben müs­sen, denn nur so wird er in Ver­bin­dung mit der Ober­lei­tung ein nie ver­sie­gen­der Segen für sei­ne Umwelt.

Der sich unauf­halt­sam wei­ter voll­zie­hen­de, stän­dig erneu­ern­de Schöp­fungs­akt beruht einer­seits auf der “Es wer­de” vor­drin­gen­den Akti­no-Ele­men­tar­kraft, der Strah­lungs­en­er­gie, wel­che die Mate­rie fort­lau­fend zu den Gebil­den und Indi­vi­du­en, denen gleich­zei­tig eine Ten­denz zur höchs­ten Ver­voll­komm­nung inne­wohnt, auf­baut, und ande­rer­seits aus der Ten­si­ons-Ele­men­tar­kraft, der Span­nungs­en­er­gie, die als Urphä­no­men das Ver­har­rungs­prin­zip der Mate­rie dar­stellt, wel­che der Strah­lungs­en­er­gie das zur har­mo­ni­schen Schöp­fung not­wen­di­ge, zeit- und grenz­be­ding­te Gegen­ge­wicht liefert.

Die zum Erstar­rungs­ziel drän­gen­de Ten­si­ons­kraft bedarf in der Lebens-Oszil­la­ti­on natur­not­wen­dig der Strah­lungs­ein­wir­kung, um aus dem Aggre­gat­zu­stand der Mate­rie die für den Auf­bau und den Erhalt des Lebens benö­tig­ten Bau­stei­ne abzu­ge­ben eben­so­gut, wie sie eine etwa zu umfang­rei­che oder zu rasche Mate­rie-umset­zen­de Strah­lung zweck­ent­spre­chend hem­men muß. 

Der har­mo­ni­sche Lebens­vor­gang ist dem­zu­fol­ge nur von dem rich­ti­gen Maß der Strah­lung wie der Span­nung, nebst der Qua­li­tät der vor­han­de­nen Mate­rie abhän­gig, denn auch die geord­nets­te Strah­lung kann bei feh­len­der oder nur teil­wei­se feh­len­der Mate­rie nur Unvoll­kom­me­nes erzeugen. 

Das Eben­maß an har­mo­nisch ein­ge­stell­ter und ver­lau­fen­der Strah­lung und Span­nung prägt sich bei allen Gebil­den und Indi­vi­du­en fast durch­weg schon allein an den äuße­ren For­men, an der nach außen hin zuta­ge tre­ten­den Schön­heit des Auf­bau­es, offen­kun­dig aus. 

Dem­ge­gen­über erken­nen wir jeden mehr oder weni­ger unter oder über die Norm hin­aus­ge­hen­den Span­nungs­to­nus, bezw. jede Über- oder Unter­strah­lung, an jedem von der Schön­heit der For­men abwei­chen­den Typus, wel­cher sich in allen bis heu­te bekann­ten Arten der Semio­lo­gie und in den jeweils ver­schie­dens­ten cha­rak­te­ris­ti­schen Zei­chen ausprägt.

Nach die­sen Gesichts­punk­ten dür­fen wir anneh­men, daß uns der am Indi­vi­du­um in Erschei­nung tre­ten­de Aus­drucks­wert der Natur mehr zu offen­ba­ren in der Lage ist, als wenn wir uns gleich ana­ly­ti­schen Kri­ti­kern in ihr Gefü­ge hin­ein­wüh­len, wodurch wir uns mit der Mate­rie nur noch mehr ver­ket­ten. Das geis­ti­ge, das strah­len­de Ele­ment muß domi­nie­rend blei­ben, wes­halb auch der Arzt und Hei­ler der zugleich auch Phi­lo­soph ist, dem Arzt der Mate­rie ein Prae vor­aus hat. Grei­fen wir nach den hier vor­ge­tra­ge­nen Erkennt­nis­sen aus dem bis­her nur sehr eng begrenz­ten Gebiet der Semio­lo­gie die zu unse­rer Zun­gen-Dia­gno­se par­al­lel lau­fen­de Gesichts-Phy­sio­gno­mik, bei Magen‑, Darm- und sons­ti­gen Ein­ge­wei­de-Erkran­kun­gen her­aus. Wem dürf­te da nicht schon allein das gera­de um die Mund­par­tie herr­schen­de rei­che Fal­ten-und Emp­fin­dungs­spiel neben ver­schie­dens­ter Hal­tung der Lip­pen beson­ders auf­fäl­lig erschei­nen. Wir begeg­nen die­sem förm­lich aus der Tie­fe des Kör­pers kom­men­den Erstar­rungs- und Span­nungs­zug der Mate­rie, wel­cher sich auf die­se Art so deut­lich am Anfangs­teil vom Ver­dau­ungs­trak­tus aus­prägt, mehr oder weni­ger bei fast allen Lei­den der Ein­ge­wei­de. Es ist des­halb anzu­neh­men, daß die unsicht­ba­re krank­haf­te Ver­än­de­rung im Innern des Kör­pers mit die­sen äußer­lich wahr­nehm­ba­ren Fal­ten etc. wech­sel­sei­tig bedingt sein muß, wie wir sol­che z. B. beim Typhus, der Cho­le­ra, dem Magen­krebs, bei Magen- und Darm­ge­schwü­ren, Darm­schwind­sucht etc. vor­fin­den. Wir fin­den die ver­bor­ge­ne Kenn­zeich­nung der Din­ge, die Signa­tu­ra rer­um, also auch hier bestä­tigt und parie­ren jeden Ein­wand als Mys­tik oder Okkult, da wir unse­re Augen nicht schlie­ßen, son­dern unse­ren Blick fest auf die Din­ge rich­ten. Nur indem wir das Äuße­re, die Phä­no­me­ne, die uns immer selbst die Leh­re bil­den müs­sen, erken­nen, gelan­gen wir auch schließ­lich zur Pfor­te des Inneren.

Wenn sich schon an den Mund­par­tien durch fal­ten­rei­che Ein­zie­hun­gen gewis­se Lei­den der Ver­dau­ungs­or­ga­ne offen­ba­ren, so liegt es nahe, daß uns die Zun­ge in die­ser Bezie­hung noch mehr Auf­schluß geben kann. Aus­ge­hend von dem Gedan­ken, daß alle Lei­den, so auch hier sol­che der Ver­dau­ungs­or­ga­ne, durch eine vom Nor­ma­len abwei­chen­de und dadurch über­wie­gen­de Ten­si­ons­kraft, die­ser Ele­men­tar­kraft der Mate­rie wel­che stän­dig zur Erstar­rung, zum ruhen­den Pol, zum Tode drängt, bedingt sein müs­sen, so ist es dem­entspre­chend erklär­lich, daß die vor­lie­gen­den Span­nun­gen sich nicht nur am befal­le­nen Organ selbst aus­wir­ken, son­dern gleich­zei­tig eine gewis­se Zug­wir­kung auf ande­re Tei­le des Diges­ti­ons­ap­pa­ra­tes wie hier auf die Zun­ge aus­üben, die sich an der­sel­ben in den noch zu schil­dern­den Fur­chen, Fis­su­ren, Fal­ten, cir­cumskrip­ten Flä­chen etc. aus­prägt. Über die pola­ren Ver­bin­dun­gen zwi­schen den ein­zel­nen Orga­nen und ihren betref­fen­den Zun­gen­be­zir­ken kom­men die jeweils bestehen­den Über- oder Unter­funk­ti­ons­zei­chen zustande.

Zie­hen wir wei­te­re Ver­glei­che zwi­schen der Gesichts-Phy­sio­gno­mik beim gesun­den und kran­ken, sowie beson­ders beim altern­den Men­schen und der neu­en Zun­gen­dia­gno­se, so wer­den uns ver­schie­de­ne Par­al­le­len offen­kun­dig von dem zur Erstar­rung drän­gen­den Zug der Mate­rie bestimmt über­zeu­gen. Immer mehr erken­nen wir bei die­sen Ver­glei­chen die dem Schöp­fungs­prin­zip inne­woh­nen­de Strah­lungs­ka­pa­zi­tät, ihr har­mo­ni­sches Gestal­ten und ihren beharr­li­chen Kampf, indem sie die ein­mal zum Leben erweck­te, also orga­nisch gewor­de­ne Mate­rie außer­ter­mi­nell vor dem Rück­fall in den star­ren anor­ga­ni­schen Zustand bewah­ren will. Erst wenn die dem Gebil­de oder Indi­vi­du­um vor­ge­se­he­ne Zweck­mä­ßig­keit erfüllt ist, läßt der auf­bau­en­de Strah­lungs­im­puls nach. Sei­ne Ener­gie ent­weicht all­mäh­lich, zur Samm­lung ande­rer, wahr­schein­lich höhe­rer Auf­ga­ben und über­läßt der erd­ge­bun­de­nen Mate­rie den Beschluß. Betrach­ten wir uns bei­spiels­wei­se den strah­lungs­har­mo­ni­schen, von kei­ner­lei Mate­ri­en­span­nung belas­te­ten, wohl­ge­form­ten Orga­nis­mus eines Gesun­den, dage­gen das dem Span­nungs­zug fol­gen­de, mage­re, zahl­rei­che Fal­ten und Impres­sio­nen auf­wei­sen­de Gesicht eines an den Ein­ge­wei­den Erkrank­ten, des­sen übri­ger Kör­per noch wei­te­re bezüg­li­che Merk­ma­le erken­nen läßt und end­lich einen altern­den Men­schen des­sen Run­zeln und Hin­wel­kung den Span­nungs­zug der Mate­rie deut­lich anzeigt, wel­cher gleich­sam schon bei Leb­zei­ten förm­lich zur Erde wird.

Zusam­men­ge­faßt, ist jeder von dem har­mo­ni­schen Eben­maß abwei­chen­de Aus­drucks­wert jed­we­der offen­lie­gen­der oder ohne wei­te­res zugäng­li­cher Tei­le des Men­schen ers­tens als Man­gel am Auf­bau und zwei­tens als patho­lo­gisch zu betrach­ten, da jede Stö­rung der Form­schön­heit von einer Über- oder Unter­ten­si­on der Mate­rie abhängt, wobei zumeist eine Über­span­nung der­sel­ben ent­spre­chend ihrem art­ei­ge­nen Erstar­rungs­zug vorwiegt.

Es besteht durch­aus die Mög­lich­keit, daß sich bei den ver­schie­de­nen semio­lo­gi­schen Äuße­run­gen neben dem Ver­fas­sungs­zu­stand der orga­ni­schen Mate­rie auch gleich­zei­tig die geis­tig­see­li­sche Art ihres Trä­gers kund­gibt, wie wir dies so tref­fend bei der Gesichts-Phy­sio­gno­mik vorfinden. 

Außer­dem sind wir bei dem gesam­ten vor­lie­gen­den Fra­gen­kom­plex in der Lage, den­sel­ben nach den bei­den im phi­lo­so­phi­schen Sprach­ge­brauch gül­ti­gen Rich­tun­gen hin zu glie­dern. Die­se auf Grund der Induk­ti­on, also nach dem logi­schen Schluß vom Ein­zel­nen und Beson­de­ren auf das All­ge­mei­ne sich auf­bau­en­de Akti­no-Ten­si­ons-Theo­rie, läßt sich ent­ge­gen­ge­setzt auch nach der Deduk­ti­on, der Schluß­fol­ge­rung und Ablei­tung vom All­ge­mei­nen auf das Beson­de­re erklä­ren. Soll­te sich übri­gens nach wei­te­ren gesam­mel­ten Erkennt­nis­sen die vor­ge­tra­ge­ne Theo­rie schließ­lich nicht als end­gül­tig bewie­sen und voll­kom­men her­aus­stel­len, so dürf­te immer­hin die­sel­be bis zur Erlan­gung grö­ße­rer Gewiß­heit doch als beach­tens­wer­te Hypo­the­se anzu­neh­men sein. 

So möge denn die­se Arbeit ihr Scherf­lein dazu bei­tra­gen, daß aus der schlum­mern­den Mög­lich­keit, der Potenz, durch Ent­fal­tung der­sel­ben zum Aktus, letz­ten Endes der Mensch sei­ner got­tes­eben­bild­li­chen Entel­ech­eia und Bestim­mung ent­spre­chend, sich über alle Drangsa­le der Mate­rie hin­weg, fort­lau­fend lich­ter entfalte.