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Geschichte
Blühende Hauhechel
Bereits in der Antike stand die Hauhechel in dem Ruf, Nierensteinerkrankungen heilen zu können. Sie wurde für diesen Zweck von Plinius, Galenus und Dioskorides verordnet, geriet aber dann bis zum 16. Jahrhundert in Vergessenheit. Erst durch den Arzt und Botaniker P. A. Matthiolus (1500–1577) fand sie wieder Beachtung. Er verwendete die Rinde ihrer Wurzel als Grundlage für die Herstellung eines Weines, den er gegen Nierenerkrankungen verordnete.
Den deutschen Namen dieser zur Familie der Fabaceae gehörenden Pflanze leitete man früher von dem Verbum “hauen” ab. Camerarius sagt: “Dieses Kraut wird hawhechel genannt, dieweil es so tieff in die erden wurtzelt, daß man es mit hawen (mhd. houwe = Hacke) ausreuten muß, darzu hat es zwischen den Blättern Dörner die einer Flachshechel gleich sehen.” Nach einer anderen Deutung verdankt der Name dem Gotischen havi, ahd. houwe, mhd. hou = Heu, Gras seine Entstehung. Die Hauhechel ist also eine Heu- oder Grashechel, so genannt nach der Ähnlichkeit ihrer Dornen mit einer Hechel. Der Ursprung des aus dem Griechischen stammenden Gattungsnamens, den bereits Theophrast und Dioskorides benutzten, ist noch immer unklar; dagegen ist das Beiwort “spinosa” (lat. die “Dornenreiche”) unmittelbar verständlich. Weil der Volksmund alles was dornig ist gern mit der Frau in Beziehung bringt, hat er der Pflanze die Namen Weiberkrieg und Weiberzorn gegeben.
Verwendete Pflanzenteile
Getrocknete Wurzeln der Dornigen Hauhechel
Verwendet werden die getrockneten, im Herbst geernteten Wurzeln und Wurzelstöcke – geschält und ungeschält -, seltener auch das blühende Kraut. Für die homöopathische Urtinktur wird die frische, blühende, ganze Pflanze gebraucht.
Morphologie
Der 30 bis 60 cm hohe, mehrjährige Halbstrauch hat eine kräftige, bis zu 50 cm lange Pfahlwurzel. Seine aufrechten, im unteren Teil verholzten Stengel tragen ein oder zwei für die Pflanze charakteristische Haarleisten. Sie verzweigen sich ästig und entwickeln zahlreiche kurze, in Dornen umgewandelte Seitentriebe. Die kleinen, dunkelgrünen Blätter sind am Rande gezähnt und in den unteren Teilen der Pflanze dreizählig gefiedert mit größerem, länger gestieltem Endblättchen. Während der Monate Juni bis September erscheinen die rosa bis violetten, selten weißen Schmetterlingsblüten mit ihrer 1 bis 2 cm langen Krone, deren außen drüsig behaarte Fahne wenig länger ist als das Schiffchen. Sie sitzen einzeln, aber auch paarweise blattachselständig an den verdornten Kurztrieben und entwickeln sich zu kurzen, aufrecht abstehenden, 1‑bis 3samigen Fruchthülsen.
Verbreitung der Art, Vorkommen
Die Dornige Hauhechel ist überall in Europa und Asien verbreitet. Wir treffen sie auf trockenen, sonnigen Plätzen, an Wald‑, Acker- und Wegrändern, auf Wiesen und in lichten Wäldern an. Sie bevorzugt magere, kalkhaltige Böden und dringt in den Alpen bis in Höhen von 1500 m vor.
Inhaltsstoffe
Der Hauptwirkstoff der Droge ist ein ätherisches Öl von noch unbekannter Zusammensetzung. Neben Gerbstoffen, Zucker, etwas fettem Öl und Mineralsubstanzen sind ferner als Inhaltsstoffe nachgewiesen: die Triterpenverbindung α‑Onocerin (Onocol, ein sekundärer Alkohol), das Glukosid Onospin und sein Aglykon Ononetin, Onoid, ein amorpher Stoff, der eine glyzyrrhizin-ähnliche Wirkung haben soll, sowie die Flavonverbindung Formononetin und ihr Glukosid in der 7‑Stellung, das Ononin.
Nach mehreren Angaben kommen im Kraut und in der Wurzel von Ononis spinosa keine Saponine vor, ein Ergebnis, welches im Widerspruch zu dem anderer Autoren steht. Diese Diskrepanz fand ihre Aufklärung durch die Untersuchungen von Jaretzki und seinen Mitarbeitern.
Sie zeigten, daß es saponinhaltige und saponinfreie Hauhechelpflanzen gibt und konnten ferner nachweisen, daß nur saponinhaltige Drogen diuretisch wirken. Dies erklärt die lang umstrittene Bedeutung der Hauhechelwurzel als Diuretikum.
Wirkungsweise
Ononis spinosa L. wirkt harntreibend und fördert die Harnsäureausscheidung.
Medizinische Verwendung
Auch heute wird die Wurzel als Diuretikum bei Blasen- und Steinleiden, Harnverhaltung und Harnwegsinfektionen verwendet. Hauhechelwurzel ist offizineil (Radix Ononidis) und neben Rad. Levistici, Fruct. Juniperi, Rad. Liquiritiae in den Species diureticae enthalten. In der Homöopathie verwendet man die aus den ganzen Pflanzen gewonnene Essenz bei Nierengrieß und Nephrolithiasis.