Dornige Hauhechel auch Dorn-Hauhechel (Ononis spinosa L.)

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Quel­le: Die Phy­to­the­ra­peu­ti­sche Welt (1983, her­aus­ge­ge­ben von H. G. Menßen)










Dornige Hauhechel auch Dorn-Hauhechel (Ononis spinosa L.)
Phytotherapeutische Welt - 1983
Phytotherapeutische Welt - 1983
Phytotherapeutische Welt - 1983
Phytotherapeutische Welt - 1983

Literatur

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Geschichte

Blü­hen­de Hauhechel

Bereits in der Anti­ke stand die Hau­he­chel in dem Ruf, Nie­ren­stein­er­kran­kun­gen hei­len zu kön­nen. Sie wur­de für die­sen Zweck von Pli­ni­us, Gale­nus und Dio­sko­ri­des ver­ord­net, geriet aber dann bis zum 16. Jahr­hun­dert in Ver­ges­sen­heit. Erst durch den Arzt und Bota­ni­ker P. A. Mat­thio­lus (1500–1577) fand sie wie­der Beach­tung. Er ver­wen­de­te die Rin­de ihrer Wur­zel als Grund­la­ge für die Her­stel­lung eines Wei­nes, den er gegen Nie­ren­er­kran­kun­gen verordnete.

Den deut­schen Namen die­ser zur Fami­lie der Fabaceae gehö­ren­den Pflan­ze lei­te­te man frü­her von dem Ver­bum “hau­en” ab. Came­ra­ri­us sagt: “Die­ses Kraut wird hawhe­chel genannt, die­weil es so tieff in die erden wurt­zelt, daß man es mit hawen (mhd. hou­we = Hacke) aus­reu­ten muß, dar­zu hat es zwi­schen den Blät­tern Dör­ner die einer Flachs­he­chel gleich sehen.” Nach einer ande­ren Deu­tung ver­dankt der Name dem Goti­schen havi, ahd. hou­we, mhd. hou = Heu, Gras sei­ne Ent­ste­hung. Die Hau­he­chel ist also eine Heu- oder Gra­s­he­chel, so genannt nach der Ähn­lich­keit ihrer Dor­nen mit einer Hechel. Der Ursprung des aus dem Grie­chi­schen stam­men­den Gat­tungs­na­mens, den bereits Theo­phrast und Dio­sko­ri­des benutz­ten, ist noch immer unklar; dage­gen ist das Bei­wort “spi­no­sa” (lat. die “Dor­nen­rei­che”) unmit­tel­bar ver­ständ­lich. Weil der Volks­mund alles was dor­nig ist gern mit der Frau in Bezie­hung bringt, hat er der Pflan­ze die Namen Wei­ber­krieg und Wei­ber­zorn gegeben.

Verwendete Pflanzenteile

Getrock­ne­te Wur­zeln der Dor­ni­gen Hauhechel

Ver­wen­det wer­den die getrock­ne­ten, im Herbst geern­te­ten Wur­zeln und Wur­zel­stö­cke – geschält und unge­schält -, sel­te­ner auch das blü­hen­de Kraut. Für die homöo­pa­thi­sche Urtink­tur wird die fri­sche, blü­hen­de, gan­ze Pflan­ze gebraucht.

Morphologie

Der 30 bis 60 cm hohe, mehr­jäh­ri­ge Halb­st­rauch hat eine kräf­ti­ge, bis zu 50 cm lan­ge Pfahl­wur­zel. Sei­ne auf­rech­ten, im unte­ren Teil ver­holz­ten Sten­gel tra­gen ein oder zwei für die Pflan­ze cha­rak­te­ris­ti­sche Haar­leis­ten. Sie ver­zwei­gen sich ästig und ent­wi­ckeln zahl­rei­che kur­ze, in Dor­nen umge­wan­del­te Sei­ten­trie­be. Die klei­nen, dun­kel­grü­nen Blät­ter sind am Ran­de gezähnt und in den unte­ren Tei­len der Pflan­ze drei­z­äh­lig gefie­dert mit grö­ße­rem, län­ger gestiel­tem End­blätt­chen. Wäh­rend der Mona­te Juni bis Sep­tem­ber erschei­nen die rosa bis vio­let­ten, sel­ten wei­ßen Schmet­ter­lings­blü­ten mit ihrer 1 bis 2 cm lan­gen Kro­ne, deren außen drü­sig behaar­te Fah­ne wenig län­ger ist als das Schiff­chen. Sie sit­zen ein­zeln, aber auch paar­wei­se blatt­ach­sel­stän­dig an den ver­dorn­ten Kurz­trie­ben und ent­wi­ckeln sich zu kur­zen, auf­recht abste­hen­den, 1‑bis 3samigen Fruchthülsen.

Verbreitung der Art, Vorkommen

Die Dor­ni­ge Hau­he­chel ist über­all in Euro­pa und Asi­en ver­brei­tet. Wir tref­fen sie auf tro­cke­nen, son­ni­gen Plät­zen, an Wald‑, Acker- und Weg­rän­dern, auf Wie­sen und in lich­ten Wäl­dern an. Sie bevor­zugt mage­re, kalk­hal­ti­ge Böden und dringt in den Alpen bis in Höhen von 1500 m vor.

Inhaltsstoffe

Der Haupt­wirk­stoff der Dro­ge ist ein äthe­ri­sches Öl von noch unbe­kann­ter Zusam­men­set­zung. Neben Gerb­stof­fen, Zucker, etwas fet­tem Öl und Mine­ral­sub­stan­zen sind fer­ner als Inhalts­stof­fe nach­ge­wie­sen: die Tri­ter­pen­ver­bin­dung α‑Onocerin (Ono­col, ein sekun­dä­rer Alko­hol), das Glu­ko­sid Ono­spin und sein Agly­kon Ono­net­in, Ono­id, ein amor­pher Stoff, der eine gly­zyrrhi­zin-ähn­li­che Wir­kung haben soll, sowie die Fla­von­ver­bin­dung For­mo­no­net­in und ihr Glu­ko­sid in der 7‑Stellung, das Ononin.

Nach meh­re­ren Anga­ben kom­men im Kraut und in der Wur­zel von Ono­nis spi­no­sa kei­ne Sapo­nine vor, ein Ergeb­nis, wel­ches im Wider­spruch zu dem ande­rer Autoren steht. Die­se Dis­kre­panz fand ihre Auf­klä­rung durch die Unter­su­chun­gen von Jaretz­ki und sei­nen Mitarbeitern.

Sie zeig­ten, daß es sapon­in­hal­ti­ge und saponin­freie Hau­he­chel­pflan­zen gibt und konn­ten fer­ner nach­wei­sen, daß nur sapon­in­hal­ti­ge Dro­gen diure­tisch wir­ken. Dies erklärt die lang umstrit­te­ne Bedeu­tung der Hau­he­chel­wur­zel als Diuretikum.

Wirkungsweise

Ono­nis spi­no­sa L. wirkt harn­trei­bend und för­dert die Harnsäureausscheidung.

Medizinische Verwendung

Auch heu­te wird die Wur­zel als Diure­ti­kum bei Bla­sen- und Stein­lei­den, Harn­ver­hal­tung und Harn­wegs­in­fek­tio­nen ver­wen­det. Hau­he­chel­wur­zel ist offi­zin­eil (Radix Ono­ni­dis) und neben Rad. Levi­sti­ci, Fruct. Juni­pe­ri, Rad. Liqui­ritiae in den Spe­ci­es diure­ti­cae ent­hal­ten. In der Homöo­pa­thie ver­wen­det man die aus den gan­zen Pflan­zen gewon­ne­ne Essenz bei Nie­ren­grieß und Nephrolithiasis.