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Geschichte
Sterile Sprosse des Acker-Schachtelhalms
Der zur Familie der Equisetaceae gehörende Ackerschachtelhalm, Equisetum arvense, ist Vertreter der Gattung einer Pflanzenordnung, die fossil bis in die Karbonzeit zurückverfolgt werden kann und heute nur noch in zwanzig Arten vertreten ist. Seine vor mehreren hundert Millionen Jahren lebenden gigantischen Ahnen bildeten ausgedehnte Sumpfwälder und erreichten eine Höhe bis zu 30 m.
Seine volkstümlichen Benennungen Zinnkraut, Fegekraut und Scheuerkraut erinnern an die Gepflogenheit einer früheren Zeit, in der er wegen seines enormen Gehaltes an Kieselsäure zum Putzen von Zinngegenständen und ähnlichem Hausrat benutzt wurde.
Verwendete Pflanzenteile
Als Droge werden nur die sterilen Sommerstengel genutzt, die in den Monaten Juni bis September gesammelt werden. Bei ihrer Veraschung bleibt ein größtenteils aus SiO2 bestehendes Skelett zurück.
Morphologie
Getrocknete Acker-Schachtelhalme
Der Ackerschachtelhalm ist eine ausdauernde, bis zu 50 cm hohe krautartige Sporenpflanze. Er wächst in zwei Phasen: Im Frühjahr entspringen aus dem reichverzweigten Wurzelstock unverzweigte, bleichrötliche, fertile Sprosse mit stengelumfassenden Scheiden und endständiger Sporangienähre, deren schildförmige Blätter auf ihrer Unterseite im März und April reife Sporenkapseln tragen. Diese Sporangien entleeren zahlreiche grünliche Sporen von sämtlich gleicher Beschaffenheit. Im Mai bis Juni treibt die Pflanze grüne, unfruchtbare Assimilationssprosse, die eine Länge von 10 bis 50 cm erreichen. Ihr dünner, rauher, grüner Stengel ist von Knoten unterbrochen, an denen ‑quirlig angeordnet – zahlreiche Äste sitzen. Sowohl Stengel wie Äste sind tief gefurcht und meist vierkantig.
Die größte Art der Gattung ist heute im tropischen Amerika heimisch; sie erhebt sich mit ihren 2 cm dicken, quirlig verzweigten Halmen kletternd im Gesträuch bis in eine Höhe von etwa 10 m.
Auf seinen Standort bezieht sich sowohl sein Artname, der vom lat. “arvum” (= Acker) herrührt, wie auch sein deutscher Name, der außerdem auf seine geschachtelten, ausziehbaren Stengel hinweist.
Sein Gattungsname setzt sich aus dem lat. “equus” (= Pferd) und “saeta” (= Borste, Haar) zusammen und vergleicht die Härte seiner Zweige mit der von Pferdeborsten.
Verbreitung der Art, Vorkommen
Die Pflanze ist mit Ausnahme von Australien und Neuseeland fast überall auf der Erde zu finden. Sie bevorzugt lehmhaltige Böden und ist auf Äckern, Triften, an Wegrändern und auf Ödland anzutreffen.
Inhaltsstoffe
In früheren Zeiten waren und sind auch jetzt noch die Herba Equiseti arvensis offizinell. Ihr Hauptinhaltsstoff ist die Kieselsäure, die als SiO2 berechnet 70–80% der Asche der Stengel ausmacht und den 5 bis 8% des Trockengewichtes der Stengel betragenden, siliziumhaltigen Verbindungen entstammt. Man nimmt an, daß in der lebenden Pflanze ein Teil der Kieselsäure in einer echten Lösung vorliegt, wahrscheinlich in Form einfacher Säuren, etwa bis zur Stufe der Hexasäuren.
Weitere Inhaltsstoffe oder auch Nebenwirkstoffe sind Flavonglykoside, wie das Isoquercitrin (Quercetin-3-glucosid), Galuteolin (Luteolin-5-glucosid) und Equisetrin (Kämpferol-7-diglucosid). Die Pflanze enthält ferner ein Saponin, das Equisetonin (Equisetogenin-fructosoarabinosid), und zwar bis zu 5%. Es finden sich außerdem Aconit‑, Apfel- und Oxalsäure, ein chemisch unerforschter Bitterstoff, ferner Dimethylsulfon, 3‑Methoxypyridin, Harz und in der Asche viel Aluminium und Kalium.
Wirkungsweise
Man schreibt und schrieb dem Schachtelhalm, genauer der in ihm enthaltenen Kieselsäure, einen günstigen Einfluß auf Abkapselungsprozesse bei bestimmten Formen der Lungentuberkulose zu. Dabei handelt es sich aber nur um die Förderung der Vernarbung und Schrumpfung der gutartigeren Fälle; eine entsprechende Kieselsäurewirkung konnte im Tierversuch verifiziert werden. Einige Therapeuten glaubten, den Heilungsprozeß auf diese Weise unterstützen zu können.
Das Schachtelhalmkraut hat eine im Tierversuch und beim Menschen nachweisbare diuretische Wirkung, die aber nicht auf die Kieselsäure zurückzuführen ist. Einerseits dürfte das Saponin für diesen Effekt in Betracht kommen, auf der anderen Seite muß man die Flavone der Pflanze als harntreibend verdächtigen. Ein alkoholischer Extrakt der Pflanze, der die Flavone enthielt, wirkte stark diuretisch. Ob das Herz oder der bisher unerforschte Bitterstoff einen Effekt in dieser Richtung haben, ist unbekannt. Der Preßsaft von Schachtelhalm hat bei parenteraler Zufuhr eine günstige Wirkung bei inneren Blutungen erkennen lassen, die jedoch noch genauer zu erforschen ist.
Medizinische Verwendung
In der Heilkunde verwendet man, wie bereits angegeben, Herba Equiseti in Form von Decocten innerlich als Adjuvans bei der Therapie der Lungentuberkulose. Als Diuretikum ist der Schachtelhalm eventuell kombiniert mit anderen diuretisch wirkenden Drogen in Gebrauch. In der Homöopathie wird die aus frischen, unfruchtbaren Trieben hergestellte Essenz (D2-Ø) bei Cystitis und Enuresis sowie bei Lungentuberkulose gelegentlich gegeben. Die Volksmedizin verwendet den Preßsaft oder die Abkochung von Schachtelhalm bei schlecht heilenden Wunden, zum Gurgeln und Mundspülen, innerlich bei Nasen‑, Lungen‑, Magen‑, Uterus- und Blasenblutungen und auch bei Gicht.
Die Droge ist in den Species diureticae enthalten.