Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense L.)

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Quel­le: Die Phy­to­the­ra­peu­ti­sche Welt (1983, her­aus­ge­ge­ben von H. G. Menßen)















Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense L.)
Phytotherapeutische Welt - 1983
Phytotherapeutische Welt - 1983
Phytotherapeutische Welt - 1983
Phytotherapeutische Welt - 1983

Literatur

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Geschichte

Ste­ri­le Spros­se des Acker-Schachtelhalms

Der zur Fami­lie der Equi­seta­ceae gehö­ren­de Acker­schach­tel­halm, Equi­se­tum arven­se, ist Ver­tre­ter der Gat­tung einer Pflan­zen­ord­nung, die fos­sil bis in die Kar­bon­zeit zurück­ver­folgt wer­den kann und heu­te nur noch in zwan­zig Arten ver­tre­ten ist. Sei­ne vor meh­re­ren hun­dert Mil­lio­nen Jah­ren leben­den gigan­ti­schen Ahnen bil­de­ten aus­ge­dehn­te Sumpf­wäl­der und erreich­ten eine Höhe bis zu 30 m.

Sei­ne volks­tüm­li­chen Benen­nun­gen Zinn­kraut, Fege­kraut und Scheu­er­kraut erin­nern an die Gepflo­gen­heit einer frü­he­ren Zeit, in der er wegen sei­nes enor­men Gehal­tes an Kie­sel­säu­re zum Put­zen von Zinn­ge­gen­stän­den und ähn­li­chem Haus­rat benutzt wurde.

Verwendete Pflanzenteile

Als Dro­ge wer­den nur die ste­ri­len Som­mers­ten­gel genutzt, die in den Mona­ten Juni bis Sep­tem­ber gesam­melt wer­den. Bei ihrer Ver­aschung bleibt ein größ­ten­teils aus SiO2 bestehen­des Ske­lett zurück.

Morphologie

Getrock­ne­te Acker-Schachtelhalme

Der Acker­schach­tel­halm ist eine aus­dau­ern­de, bis zu 50 cm hohe kraut­ar­ti­ge Spo­ren­pflan­ze. Er wächst in zwei Pha­sen: Im Früh­jahr ent­sprin­gen aus dem reich­ver­zweig­ten Wur­zel­stock unver­zweig­te, bleich­röt­li­che, fer­ti­le Spros­se mit sten­gel­um­fas­sen­den Schei­den und end­stän­di­ger Sporan­gie­näh­re, deren schild­för­mi­ge Blät­ter auf ihrer Unter­sei­te im März und April rei­fe Spo­ren­kap­seln tra­gen. Die­se Sporan­gien ent­lee­ren zahl­rei­che grün­li­che Spo­ren von sämt­lich glei­cher Beschaf­fen­heit. Im Mai bis Juni treibt die Pflan­ze grü­ne, unfrucht­ba­re Assi­mi­la­ti­ons­spros­se, die eine Län­ge von 10 bis 50 cm errei­chen. Ihr dün­ner, rau­her, grü­ner Sten­gel ist von Kno­ten unter­bro­chen, an denen ‑quir­lig ange­ord­net – zahl­rei­che Äste sit­zen. Sowohl Sten­gel wie Äste sind tief gefurcht und meist vierkantig.

Die größ­te Art der Gat­tung ist heu­te im tro­pi­schen Ame­ri­ka hei­misch; sie erhebt sich mit ihren 2 cm dicken, quir­lig ver­zweig­ten Hal­men klet­ternd im Gesträuch bis in eine Höhe von etwa 10 m.

Auf sei­nen Stand­ort bezieht sich sowohl sein Art­na­me, der vom lat. “arvum” (= Acker) her­rührt, wie auch sein deut­scher Name, der außer­dem auf sei­ne geschach­tel­ten, aus­zieh­ba­ren Sten­gel hinweist.

Sein Gat­tungs­na­me setzt sich aus dem lat. “equus” (= Pferd) und “saeta” (= Bors­te, Haar) zusam­men und ver­gleicht die Här­te sei­ner Zwei­ge mit der von Pferdeborsten.

Verbreitung der Art, Vorkommen

Die Pflan­ze ist mit Aus­nah­me von Aus­tra­li­en und Neu­see­land fast über­all auf der Erde zu fin­den. Sie bevor­zugt lehm­hal­ti­ge Böden und ist auf Äckern, Trif­ten, an Weg­rän­dern und auf Ödland anzutreffen.

Inhaltsstoffe

In frü­he­ren Zei­ten waren und sind auch jetzt noch die Her­ba Equi­se­ti arven­sis offi­zi­nell. Ihr Haupt­in­halts­stoff ist die Kie­sel­säu­re, die als SiO2 berech­net 70–80% der Asche der Sten­gel aus­macht und den 5 bis 8% des Tro­cken­ge­wich­tes der Sten­gel betra­gen­den, sili­zi­um­hal­ti­gen Ver­bin­dun­gen ent­stammt. Man nimmt an, daß in der leben­den Pflan­ze ein Teil der Kie­sel­säu­re in einer ech­ten Lösung vor­liegt, wahr­schein­lich in Form ein­fa­cher Säu­ren, etwa bis zur Stu­fe der Hexasäuren.

Wei­te­re Inhalts­stof­fe oder auch Neben­wirk­stof­fe sind Fla­von­gly­ko­si­de, wie das Iso­quer­ci­trin (Querce­tin-3-glu­co­sid), Galu­teo­lin (Luteo­lin-5-glu­co­sid) und Equi­se­trin (Kämp­fe­rol-7-dig­lu­co­sid). Die Pflan­ze ent­hält fer­ner ein Sapo­nin, das Equi­se­to­nin (Equi­se­to­gen­in-fruc­to­so­ara­bi­no­sid), und zwar bis zu 5%. Es fin­den sich außer­dem Aconit‑, Apfel- und Oxal­säu­re, ein che­misch uner­forsch­ter Bit­ter­stoff, fer­ner Dime­thyl­sul­fon, 3‑Methoxypyridin, Harz und in der Asche viel Alu­mi­ni­um und Kalium.

Wirkungsweise

Man schreibt und schrieb dem Schach­tel­halm, genau­er der in ihm ent­hal­te­nen Kie­sel­säu­re, einen güns­ti­gen Ein­fluß auf Abkap­se­lungs­pro­zes­se bei bestimm­ten For­men der Lun­gen­tu­ber­ku­lo­se zu. Dabei han­delt es sich aber nur um die För­de­rung der Ver­nar­bung und Schrump­fung der gut­ar­ti­ge­ren Fäl­le; eine ent­spre­chen­de Kie­sel­säu­re­wir­kung konn­te im Tier­ver­such veri­fi­ziert wer­den. Eini­ge The­ra­peu­ten glaub­ten, den Hei­lungs­pro­zeß auf die­se Wei­se unter­stüt­zen zu können.

Das Schach­tel­halm­kraut hat eine im Tier­ver­such und beim Men­schen nach­weis­ba­re diure­ti­sche Wir­kung, die aber nicht auf die Kie­sel­säu­re zurück­zu­füh­ren ist. Einer­seits dürf­te das Sapo­nin für die­sen Effekt in Betracht kom­men, auf der ande­ren Sei­te muß man die Fla­vo­ne der Pflan­ze als harn­trei­bend ver­däch­ti­gen. Ein alko­ho­li­scher Extrakt der Pflan­ze, der die Fla­vo­ne ent­hielt, wirk­te stark diure­tisch. Ob das Herz oder der bis­her uner­forsch­te Bit­ter­stoff einen Effekt in die­ser Rich­tung haben, ist unbe­kannt. Der Preß­saft von Schach­tel­halm hat bei par­en­te­r­aler Zufuhr eine güns­ti­ge Wir­kung bei inne­ren Blu­tun­gen erken­nen las­sen, die jedoch noch genau­er zu erfor­schen ist.

Medizinische Verwendung

In der Heil­kun­de ver­wen­det man, wie bereits ange­ge­ben, Her­ba Equi­se­ti in Form von Decoc­ten inner­lich als Adju­vans bei der The­ra­pie der Lun­gen­tu­ber­ku­lo­se. Als Diure­ti­kum ist der Schach­tel­halm even­tu­ell kom­bi­niert mit ande­ren diure­tisch wir­ken­den Dro­gen in Gebrauch. In der Homöo­pa­thie wird die aus fri­schen, unfrucht­ba­ren Trie­ben her­ge­stell­te Essenz (D2-Ø) bei Cys­ti­tis und Enure­sis sowie bei Lun­gen­tu­ber­ku­lo­se gele­gent­lich gege­ben. Die Volks­me­di­zin ver­wen­det den Preß­saft oder die Abko­chung von Schach­tel­halm bei schlecht hei­len­den Wun­den, zum Gur­geln und Mund­spü­len, inner­lich bei Nasen‑, Lungen‑, Magen‑, Ute­rus- und Bla­sen­blu­tun­gen und auch bei Gicht.

Die Dro­ge ist in den Spe­ci­es diure­ti­cae enthalten.