Manna

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Man­na ist ein ein­ge­trock­ne­ter, kleb­ri­ger, blaß­gel­ber, durch­schei­nen­der Saft von küh­len­dem, schlei­mi­cht süßem, etwas ekel­haf­tem Geschma­cke, und etwas wid­rig süß­li­chem Geru­che. Sie löset sich in Wein­geist (in 8 Thei­len) und in Was­ser auf, (drei Thei­le Was­ser kön­nen in der Käl­te, glei­che Thei­le aber in der Hit­ze einen Theil Man­na auf­ge­löst erhal­ten,) und ver­dickt sich in der Käl­te zu Klum­pen, die inner­lich eine fed­rich­te Krystal­li­sa­ti­on zei­gen. Die­se Eigen­schaft und die Leich­tig­keit und Mur­big­keit der Stü­cke, ihr eig­ner Geschmack und Geruch und der Umstand, daß sie sich im Was­ser gänz­lich auf­löst, (oder doch nur 1/​16 übrig läßt,) unter­schei­det die Man­na von allen trüg­li­chen Gemi­schen aus Honig, Skam­mo­ni­um, Senns­blät­tern und den Ver­set­zun­gen mit Zucker.

Man sam­melt sie vornäm­lich in Sizi­li­en, Kala­bri­en und Apu­li­en von eini­gen Arten von Eschen.

Die bes­te Sor­te (Man­na in lacrymis, Man­ne en lar­mes,) schwitzt von selbst aus dem Stam­me und den glat­ten Aes­ten (Man­na spon­ta­na) als ein hel­ler Saft von der Mit­te des Juny bis Ende July, und ver­här­tet in der Son­nen­hit­ze zu trock­nen, wei­ßen Klümp­chen. Ihr unge­heu­rer Preis aber läßt sie nicht bis zu uns.

Die im Han­del gewöhn­li­chen Sor­ten ent­ste­hen alle durch Ein­schnit­te, die in den Stamm und end­lich auch in den Aes­ten gemacht wer­den (Man­na sforzatella) von der Mit­te des Augusts bis Ende Sep­tem­bers, wo der ein­tre­ten­de Regen der Arbeit ein Ende macht.

Die gemei­ne Sor­te (Man­na vul­ga­ris) sind zusam­men­hän­gen­de Stü­cken von ver­schied­ner Gestalt und Grö­ße von mehr oder min­de­rer Rei­nig­keit, mit mehr oder weni­ger wei­ßen Stü­cken ver­mischt. Man sor­tirt sie. Die aus­ge­such­ten wei­ßen Stück­chen bekom­men den Namen der aus­er­le­se­nen Man­na (Man­na elec­ta, gra­nu­losa, in gra­nis). Am häu­figs­ten fin­det man die rei­nen Stü­cken in der kala­bri­schen (Man­na cala­b­ri-na) als der bes­ten im Han­del bekann­ten, wenn man sie von Gia­ra­ciim jen­sei­ti­gen Kala­bri­en und von Ca-pachiaus Sizi­li­en erhält. Die übri­ge Man­na ist schlecht (Man­na in sor­tis, cras­sa, pin­gu­is), gewöhn­lich schmu­zig und feucht. Man bedient sich ihrer wenig.

Die­se gewöhn­li­chen Sor­ten ent­ste­hen von dem aus den Ein­schnit­ten zuerst als ein dün­nes Was­ser flie­ßen­dem Saf­te. In ver­welk­ten und hohl getrock­ne­ten Kak­tus­blät­tern fängt man ihn auf, läßt ihn in der Son­nen­wär­me trock­nen, und mischt die am Bau­me ver­här­te­ten Stü­cken darunter.

Nach eini­ger Zeit, vor­züg­lich bei der größ­ten Hit­ze, dringt ein immer dick­li­che­rer Saft aus die­sen Ein­schnit­ten, wel­chen man an klei­nen ange­bun­de­nen höl­zer­nen Stä­ben oder Stroh sich ver­di­cken läßt. Oder man schnei­det läng­lich­te Strei­fen von der Rin­de des Bau­mes aus, und läßt den sich dar­in sam­meln­den dick­li­chen Saft ver­här­ten. Dieß sind rin­nen­för­mi­ge, jenes röh­rich­te Man­na­stä­be, bei­de unter dem Namen Man­na in can­no­li, canella­ta, can­nu­la­ta, lon­ga, von größ­ter Rei­nig­keit und ganz im Was­ser auf­lös­lich. Sie ist sel­ten, und leicht durch die and­re rei­ne, aus­ge­le­se­ne Sor­te zu ersetzen.

Zu einer oder zwei Unzen in Auf­lö­sung ist die Man­na eine der gelin­des­ten, am wenigs­ten rei­zen­den anti­phlo­gis­ti­schen Laxanzen.

Mit etwas weni­gem, etwa einem Ach­tel Was­ser über jäh­lin­gem Feu­er geschmol­zen, durch ein wol­le­nes Tuch gesei­het und in For­men aus­ge­gos­sen, ent­ste­hen die Man­na­mo­r­sel­len (Man­na tabu­la­ta).

Man sam­melt die Man­na vor­züg­lich von der wenigs­tens zehnjährigen

Blüt­he­ne­sche, Fra­xi­nus Ornus, L. [Zorn, pl. med. tab. 574.] mit säge­ar­tig gezahn­ten Blät­tern und Blüt­hen mit Blu­men­kro­nen, einem zwar auch in Krain und in Kärn­then ein­hei­mi­schen, so wie in unsern Pflan­zun­gen aus­dau­ern­den, aber nur im süd­li­chen Euro­pa Man­na aus­schwit­zen­den, 16 Fuß hohen Bau­me. Er blüht im Mai und Juny weiß.

Am ergie­bigs­ten aber an Man­na, und am häu­figs­ten in den hei­ßen Gegen­den zu die­ser Absicht gebaut fin­det man die

Man­na­esche, Fra­xi­nus rotun­di­fo­lia, Mill. mit eiför­mi­gen gekerb­ten, wel­len­för­mi­gen Blät­tern, einen zwar in Sizi­li­en, Kala­bri­en und im Kir­chen­staa­te ein­hei­mi­schen, doch auch uns­re Win­ter ertra­gen­den Baum mit pur­pur­ro­ther Blüthe.