Viola odorata – Seite 3 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Vio­la odo­ra­ta (Sei­te 3 von 4)
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Wirkung

Hip­po­kra­tes1 gibt Veil­chen­blü­ten und ‑samen in Rezep­ten für die tote Geburt aus­trei­ben­de Mit­tel an.
Auch die hl. Hil­de­gard2 kennt ihre heil­kräf­ti­ge Wirkung.
Bock3 emp­fiehlt die Anwen­dung des Vio­la-Krau­tes “zu allen hit­zi­gen kranck­hei­ten”, gegen Epi­lep­sie der Kin­der, Sei­ten­ste­chen, äußer­lich gegen Kopf­schmer­zen und Ent­zün­dung der Leber; es “behalt den bauch offen und kreff­tigt das hertz”.
Nach Mat­thio­lus4 erstreckt sich der Gebrauch des Mit­tels auch auf Brust­lei­den, ins­be­son­de­re Hus­ten, auf Geschwü­re, Augen­ent­zün­dung, Harn­bren­nen, fer­ner wirkt es beru­hi­gend und schlafmachend.
Pfar­rer Kneipp5 schätz­te das Veil­chen als gutes Expek­tor­ans bei Hus­ten und Keuch­hus­ten der Kin­der, Hus­ten Tuber­ku­lö­ser wie auch bei Dyspnoe.
Bei Kopf­schmer­zen mit hei­ßem Kopf emp­fiehlt er Abwa­schen des Kop­fes, beson­ders des Hin­ter­kop­fes, mit einer Teeabkochung.
Unter den glei­chen Indi­ka­tio­nen führt es Bohn6 an, der es auch bei Bron­chi­al­ka­tar­rhen, Ver­schlei­mung, äußer­lich bei Reiz­zu­stän­den des Auges und der Augen­li­der nennt.
Als Mit­tel gegen Tumo­re, Syphi­lis, Skro­feln und Gal­len­krank­hei­ten gelan­gen in Chi­na7 ver­schie­de­ne Vio­la­ar­ten (Vio­la lac­ti­flo­ra Nakai, Vio­la Pat­ri­ni DC. und Vio­la man­dschu­rica Becker) unter dem Dro­gen­na­men Tzu-hua-ti-ling in den Handel.
Vio­la odo­ra­ta ent­hält ein eme­tisch wir­ken­des Alka­lo­id Vio­lin und Sali­zyl­säu­re­me­thyl­es­ter8.
Kroeber9 konn­te Sapo­nin­ge­halt fest­stel­len. Da das Vio­lin in sei­ner Wir­kung dem in Radix Ipe­cacu­an­hae ent­hal­te­nen Eme­tin sehr nahe kommt, emp­fahl Kroeber die kli­ni­sche Erpro­bung der Veil­chen­wur­zel als Ersatz der Ipe­cacu­an­ha; die Erfol­ge waren durch­weg güns­tig10, wie der Kli­ni­ker Ker­schen­stei­ner bestä­ti­gen konn­te11.
Auch Lin­de12 und ande­re, z. B. v. Schrenck13 und Grim­me14, stell­ten fest, daß die expek­to­rie­ren­de Wir­kung der Veil­chen­wur­zel die der Ipe­cacu­an­ha erset­zen könne.
H. Leclerc15 emp­fiehlt die Wur­zel als Eme­ti­kum und gebraucht zu die­sem Zwe­cke 15–20 g der zer­klei­ner­ten Wur­zeln auf 200 g Was­ser, die er auf die Hälf­te ein­ko­chen läßt. Als Expek­tor­ans setzt er die Wur­zel­men­ge auf 4–5 g herab.

Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):

Däne­mark: Inner­lich bei Herz­schwä­che und Wech­sel­fie­ber; äußer­lich als: Augen­was­ser, Mundwasser.
Litau­en: Äußer­lich der Auf­guß des Krau­tes als Umschlag bei Podag­ra­kno­ten, inner­lich gegen Keuchhusten.
Nor­we­gen: Dekokt der Blät­ter inner­lich und äußer­lich bei Krebs (I. R.-K.).
Stei­er­mark: Veil­chen­tee gegen Husten.
Ungarn: Als Schmerz­stil­lungs­mit­tel und gegen Epilepsie.