
Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:
Rhamnus cathartica wird als Purgans verordnet. Die Pflanze gehört, wie viele unserer bekannten Abführmittel, z. B. Frangula, Senna, Rheum, Aloë usw., zu den Anthrachinondrogen.
Als Diuretikum werden die Kreuzbeeren hauptsächlich gegen Hydrops und Urämie (hier war Falkenhahn allerdings nicht mit dem Resultat zufrieden) angewandt. Ferner gibt man sie als Ableitungsmittel und zur Blutreinigung bei Leberleiden, Rheuma, Gicht, Adipositas, bei Exanthemen aller Art, Herpes zoster, Anämie und Chlorose.
Angewandter Pflanzenteil:
Matthiolus schreibt: “Nimb diese Beer / so sie wolzeitg sind (welches geschieht im Anfang deà Weinmonats).”
Auch v. Haller kennt nur den Gebrauch der weichen, saftigen Beeren. Hecker erwähnt ebenfalls nur die schwarzen Beeren, dagegen kennt Geiger dazu auch den Gebrauch der Rinde.
Osiander, Clarus, Buchheim, Dragendorff, Buchheister und Ottersbach, Clarke, Marfori-Bachem, Schulz und Bohn führen die reifen Beeren an, und Hager nennt die frischen und getrockneten, reifen Beeren. Auch Dinand spricht von den frischen Beeren. Die homöopathische Urtinktur nach dem HAB. wird ebenfalls aus diesen bereitet (§ 1).
Thoms erwähnt neben den reifen Beeren auch die Rinde.
Das “Teep” wird aus den frischen Beeren hergestellt.
Fructus Rhamni catharticae sind offizinell in Frankreich, Belgien, Schweiz, Rumänien, Portugal und Australien.
Sammelzeit: September bis Oktober.
Dosierung:
Ãbliche Dosis:
10–20 Beeren morgens nüchtern zu nehmen;
15–30 g des Saftes (Leclerc);
10–40 g Sirupus Rhamni cath. morgens nüchtern in 1 Tasse Tee (Leclerc);
Kinder ½‑1 Teelöffel voll, Erwachsene 1–4 EÃlöffel voll des Sirups (Klemperer-Rost).
1–2 Kapseln (= 0,8–1,6 g Pflanzensubstanz) “Teep” pur. als Purgans.
In der Homöopathie:
dil. D 3, dreimal täglich 10 Tropfen.
Maximaldosis:
Nicht festgesetzt, doch können gröÃere Gaben Kolik und Erbrechen erregen.
Rezepte:
Als Purgans: Sirupus Rhamni catharticae (DAB. VI):
Rp.:
Sirupi Rhamni cathartic.
200
D.s.: Stündlich 1 EÃlöffel voll bis zum Eintritt der Wirkung.
Rezepturpreis etwa 1.74 RM.
Als Purgans:
Rp.:
Fructus Rhamni cathartic.
30
(= Kreuzdornbeeren)
D.s.: 10 g mit 1 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen
und abends oder morgens nüchtern auf einmal trinken.
Preis nach Arzneitaxe 10 g -.10 RM.
Bei Fettsucht (nach Ulrich):
Rp.:
Fruct. Rhamni catharticae
(= Kreuzdornbeeren)
Fuci vesiculosi
(= Blasentang)
Flor. Sambuci
(= Holunderblüten)
Cort. Frangulae
(= Faulbaumrinde)
Hb. Cardui benedicti
(= Benediktendistelkraut)
Hb. Levistici
ÄÄ 10
(= Liebstöckelkraut)
M.f. species.
D.s.: 1 Teelöffel voll auf 1 Glas Wasser,
vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Fußnoten:
1 Lonicerus, Kreuterbuch, 1564, S. 106.
2 Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 361.
3 Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 45.
4 v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 1177.
5 Osiander, Volksarzneymittel, S. 97.
6 Bentley and Trimen, Medicinal Plants, 1880, Bd. 1, S. 64.
7 Barton and Castle, The British Flora medica, 1877, S. 70.
8 Vgl. 7).
9 Leclerc, Précis de Phytothérapie, S. 4.
10 Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipflanzen, S. 208.
11 Clarke, A Dictionary of Mat. Med., Bd. III, S. 871.
12 Kobert, Lehrb. d. Intox., S. 356.
13 Waljasko u. Krassowski, J. Russ. Phys.-Chem. Ges. 1908, 40, 1502 (C. C. 1909, I, 772); Krassowski, ebenda, 1908, 40, 1510 (C. C. 1909, I. 772).