Rhamnus cathartica – Seite 4 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Rham­nus cathar­ti­ca (Sei­te 4 von 4)
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Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Rham­nus cathar­ti­ca wird als Pur­gans ver­ord­net. Die Pflan­ze gehört, wie vie­le unse­rer bekann­ten Abführ­mit­tel, z. B. Fran­gu­la, Sen­na, Rhe­um, Aloë usw., zu den Anthrachinondrogen.
Als Diure­ti­kum wer­den die Kreuz­bee­ren hauptsächlich gegen Hydro­ps und Urämie (hier war Fal­ken­hahn aller­dings nicht mit dem Resul­tat zufrie­den) ange­wandt. Fer­ner gibt man sie als Ablei­tungs­mit­tel und zur Blut­rei­ni­gung bei Leber­lei­den, Rheu­ma, Gicht, Adi­po­si­tas, bei Exan­the­men aller Art, Her­pes zos­ter, Anämie und Chlorose.

Angewandter Pflanzenteil:

Mat­thio­lus schreibt: “Nimb die­se Beer /​ so sie wol­zeitg sind (wel­ches geschieht im Anfang deß Weinmonats).”
Auch v. Hal­ler kennt nur den Gebrauch der wei­chen, saf­ti­gen Bee­ren. Hecker erwähnt eben­falls nur die schwar­zen Bee­ren, dage­gen kennt Gei­ger dazu auch den Gebrauch der Rin­de.
Osi­an­der, Cla­rus, Buch­heim, Dra­gen­dorff, Buch­he­is­ter und Otters­bach, Clar­ke, Mar­fo­ri-Bachem, Schulz und Bohn füh­ren die rei­fen Bee­ren an, und Hager nennt die fri­schen und getrock­ne­ten, rei­fen Bee­ren. Auch Dinand spricht von den fri­schen Bee­ren. Die homöopathische Urtink­tur nach dem HAB. wird eben­falls aus die­sen berei­tet (§ 1).
Thoms erwähnt neben den rei­fen Bee­ren auch die Rin­de.
Das “Teep” wird aus den fri­schen Bee­ren hergestellt.
Fruc­tus Rham­ni cathar­ti­cae sind offi­zi­nell in Frank­reich, Bel­gi­en, Schweiz, Rumänien, Por­tu­gal und Australien.
Sam­mel­zeit: Sep­tem­ber bis Oktober.

Dosierung:

Übliche Dosis:
10–20 Bee­ren mor­gens nüch­tern zu nehmen;
15–30 g des Saf­tes (Leclerc);
10–40 g Siru­pus Rham­ni cath. mor­gens nüch­tern in 1 Tas­se Tee (Leclerc);
Kin­der ½‑1 Teelöffel voll, Erwach­se­ne 1–4 Eßlöffel voll des Sirups (Klem­pe­rer-Rost).
1–2 Kap­seln (= 0,8–1,6 g Pflan­zen­sub­stanz) “Teep” pur. als Purgans.
In der Homöopathie:
dil. D 3, drei­mal täglich 10 Tropfen.
Maxi­mal­do­sis:
Nicht fest­ge­setzt, doch können größere Gaben Kolik und Erbre­chen erregen.

Rezepte:

Als Pur­gans: Siru­pus Rham­ni cathar­ti­cae (DAB. VI):
Rp.:
Siru­pi Rham­ni cathartic.
200
D.s.: Stünd­lich 1 Eßlöffel voll bis zum Ein­tritt der Wirkung. 
Rezep­tur­preis etwa 1.74 RM.
Als Pur­gans:
Rp.:
Fruc­tus Rham­ni cathartic.
30
(= Kreuz­dorn­bee­ren)
D.s.: 10 g mit 1 Glas Was­ser kalt anset­zen, 8 Stun­den zie­hen lassen
und abends oder mor­gens nüch­tern auf ein­mal trinken. 
Preis nach Arz­nei­ta­xe 10 g -.10 RM.
Bei Fett­sucht (nach Ulrich):
Rp.:
Fruct. Rham­ni catharticae
(= Kreuz­dorn­bee­ren)
Fuci vesi­cu­lo­si
(= Bla­sen­tang)
Flor. Sam­bu­ci
(= Holun­der­blü­ten)
Cort. Fran­gu­lae
(= Faul­baum­rin­de)
Hb. Car­dui benedicti
(= Bene­dik­ten­dis­tel­kraut)
Hb. Levi­sti­ci
āā 10
(= Liebstöckelkraut)
M.f. spe­ci­es.
D.s.: 1 Teelöffel voll auf 1 Glas Wasser,
vgl. Zube­rei­tung von Tee­mi­schun­gen S. 291.

Fußnoten:

1 Loni­ce­rus, Kreu­ter­buch, 1564, S. 106.

2 Bock, Kreut­ter­buch, 1565, S. 361.

3 Mat­thio­lus, New-Kreu­ter­buch, 1626, S. 45.

4 v. Hal­ler, Medi­cin. Lexi­con, 1755, S. 1177.

5 Osi­an­der, Volks­arz­ney­mit­tel, S. 97.

6 Bent­ley and Tri­men, Medi­cinal Plants, 1880, Bd. 1, S. 64.

7 Bar­ton and Cast­le, The Bri­tish Flo­ra medi­ca, 1877, S. 70.

8 Vgl. 7).

9 Leclerc, Précis de Phytothérapie, S. 4.

10 Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arz­nei­pflan­zen, S. 208.

11 Clar­ke, A Dic­tion­a­ry of Mat. Med., Bd. III, S. 871.

12 Kobert, Lehrb. d. Intox., S. 356.

13 Wal­jas­ko u. Kras­sow­ski, J. Russ. Phys.-Chem. Ges. 1908, 40, 1502 (C. C. 1909, I, 772); Kras­sow­ski, eben­da, 1908, 40, 1510 (C. C. 1909, I. 772).