Potentilla anserina – Seite 2 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Poten­til­la anse­ri­na (Sei­te 2 von 4)
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Botanisches:

Das Gän­se­fin­ger­kraut hat nicht wie die meis­ten ande­ren Fin­ger­kraut­ar­ten gefin­ger­te, son­dern unter­bro­chen gefie­der­te Blät­ter, die eine grund­stän­di­ge Rosette bil­den. Die Blät­ter sind auf der Unter­sei­te mit sil­ber­grau­en Sei­den­haa­ren bedeckt. Aus den Blatt­ach­seln ent­sprin­gen aus­läu­fer­ar­ti­ge Sten­gel, die bis zu 40 cm lang wer­den kön­nen. Die sehr lang­ge­stiel­ten Blü­ten ste­hen ein­zeln, haben fünf Außenkelch‑, fünf Kelch- und fünf gold­gel­be Kro­nen­blät­ter, zahl­rei­che Staub­ge­fä­ße (etwa 20). Die Blü­ten schlie­ßen sich nachts voll­stän­dig, bei schlech­tem Wet­ter aber nur halb. Blü­te­zeit: Mai bis Juli, ver­ein­zelt bis in den Herbst. Die Pflan­ze ist außer­halb der Tro­pen über die gan­ze Erde ver­brei­tet. Sie war ursprüng­lich salz­lie­bend, zeigt aber im Bin­nen­lan­de einen aus­ge­spro­chen rude­ra­len Charakter.

Geschichtliches und Allgemeines:

In den hip­po­kra­ti­schen Schrif­ten läßt sich Poten­til­la anse­ri­na nicht sicher nach­wei­sen. Dio­s­ku­r­i­des wand­te die ver­wand­te Poten­til­la rep­tans u. a. gegen Diar­rhöe, Dys­en­te­rie und Epi­lep­sie an. In den meis­ten Kräu­ter­bü­chern des Mit­tel­al­ters ist der Gän­se­rich dage­gen aus­führ­lich behan­delt, und zwar ist er unter den glei­chen Indi­ka­tio­nen auch in der heu­ti­gen Volks­me­di­zin bekannt. In frü­he­ren Zei­ten haben in den nor­di­schen Län­dern die dicken Wur­zel­stö­cke gele­gent­lich als Nah­rungs­mit­tel gedient, auch die jun­gen Spros­se wur­den als Wild­ge­mü­se geges­sen und als Tee-Ersatz benutzt.