
Botanisches:
Das Gänsefingerkraut hat nicht wie die meisten anderen Fingerkrautarten gefingerte, sondern unterbrochen gefiederte Blätter, die eine grundständige Rosette bilden. Die Blätter sind auf der Unterseite mit silbergrauen Seidenhaaren bedeckt. Aus den Blattachseln entspringen ausläuferartige Stengel, die bis zu 40 cm lang werden können. Die sehr langgestielten Blüten stehen einzeln, haben fünf Außenkelch‑, fünf Kelch- und fünf goldgelbe Kronenblätter, zahlreiche Staubgefäße (etwa 20). Die Blüten schließen sich nachts vollständig, bei schlechtem Wetter aber nur halb. Blütezeit: Mai bis Juli, vereinzelt bis in den Herbst. Die Pflanze ist außerhalb der Tropen über die ganze Erde verbreitet. Sie war ursprünglich salzliebend, zeigt aber im Binnenlande einen ausgesprochen ruderalen Charakter.
Geschichtliches und Allgemeines:
In den hippokratischen Schriften läßt sich Potentilla anserina nicht sicher nachweisen. Dioskurides wandte die verwandte Potentilla reptans u. a. gegen Diarrhöe, Dysenterie und Epilepsie an. In den meisten Kräuterbüchern des Mittelalters ist der Gänserich dagegen ausführlich behandelt, und zwar ist er unter den gleichen Indikationen auch in der heutigen Volksmedizin bekannt. In früheren Zeiten haben in den nordischen Ländern die dicken Wurzelstöcke gelegentlich als Nahrungsmittel gedient, auch die jungen Sprosse wurden als Wildgemüse gegessen und als Tee-Ersatz benutzt.