Asa foetida – Seite 4 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Asa foet­ida (Sei­te 4 von 4)
vorherige Monographievorherige SeiteIndex  - Lehrbuch der biologischen Heilmittelnächste Seitenächste Monographie

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Die Haupt­wir­kung von Asa foet­ida erstreckt sich auf nervöse Störungen im Bereich der Gas­tro­in­testi­nal­or­ga­ne. Im ein­zel­nen gibt man es bei: Dys­pep­sie, Fla­tu­lenz, Pyro­sis, Magenkrämpfen, Gas­tri­tis, zu star­ker Sali­va­ti­on und gestörter Peris­tal­tik. Wei­ter reagie­ren auch Glot­tis­krampf, Glo­bus hys­te­ri­cus und ande­re hys­te­ri­sche und hypo­chon­dri­sche Beschwer­den, Neur­asthe­nie, Neur­al­gi­en, nervöse Kar­di­al­gi­en, Ohn­mach­ten, Platz­angst (nach Hörner an der Tink­tur rie­chen las­sen!) und Epi­lep­sie (Retsch nennt es ein gutes Mit­tel, um Bewußtlose wie­der zu sich kom­men zu las­sen, auch wenn sie in Krämpfen liegen).
Schult­zik, Bres­lau, hat­te bei Fällen schwers­ter Schlaf­lo­sig­keit im Kli­mak­te­ri­um sehr gute Erfol­ge damit.
Das zwei­te wich­ti­ge Indi­ka­ti­ons­ge­biet für Asa foet­ida umfaßt skrofulöse, tuberkulöse Eite­rungs­pro­zes­se und Ent­zün­dun­gen, beson­ders an Drü­sen und Kno­chen (hier im Wech­sel mit Angus­tu­ra) wie Gum­mae, Kari­es, Peri­os­ti­tis chro­ni­ca, Osti­tis, Fis­tu­lae, Pana­ri­ti­um, Iri­tis lui­ca und ande­re Augen­ent­zün­dun­gen, Gin­gi­vi­tis und Ozae­na. Wei­ter wird Asa foet­ida noch bei Ulcus ven­tri­cu­li und duo­deni, zur Unter­s­tüt­zung der Krebs­be­hand­lung, bei Kli­mak­te­ri­ums­be­schwer­den und als Antia­bor­ti­vum genannt. Bei Bla­sen­ka­tarrh läßt Retsch eine Sal­be auftragen.
Als Wech­sel­mit­tel bei nervösen Beschwer­den wer­den Nux vomica und Igna­tia bevorzugt.

Angewandter Pflanzenteil:

Die zur Her­stel­lung der Arz­nei­mit­tel gebrauch­te Dro­ge Asa foet­ida besteht aus dem Gum­mi­harz ver­schie­de­ner asia­ti­scher Ferulaarten.
Offi­zi­nell in allen Pharmakopöen mit Aus­nah­me Ungarns, Schwe­dens und Griechenlands.

Dosierung:

Übliche Dosis:
0,2–1 g Asa foet­ida (Hager);
0,3–1,2 g (Pot­ter);
4–6 Trop­fen der Tink­tur mehr­mals täglich (Fried­rich).
1 Tablet­te der Pflan­zen­ver­rei­bung “Teep” drei­mal täglich bei skrofulösen und lue­ti­schen Eiterungsprozessen.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 10% Asae foet­idae ein­ge­stellt, d. h. 1 Tablet­te enthält 0,025 g Asae foetidae.)
In der Homöopathie:
dil. D 3, drei­mal täglich 10 Trop­fen; trit. D 3, drei­mal täglich 1 Messerspitze.
Maxi­mal­do­sis:
Nicht fest­ge­setzt, doch können größere Dosen unan­ge­neh­me Neben­wir­kun­gen her­vor­ru­fen, s. Wirkung.

Rezepte:

Bei Nervosität, Neur­asthe­nie und Hys­te­rie (nach Meyer):
Rp.:
Tinct. Vale­ria­nae
Tinct. Asae foetidae
āā 10
M.d.s.: Drei­mal täglich 20–30 Tropfen. 
Rezep­tur­preis etwa -.92 RM.
Bei Kolik (nach Rademacher):
Sie­he Rezept­vor­schrif­ten bei Nux vomica.
Pil. anti­s­pas­mo­di­cae vel anti­hys­te­ri­cae (nach Sydenham):
Rp.:
Asae foet­idae
5
Gal­ba­ni Myrrhae
āā 2,5
Cas­to­rei
1,25
Tinct. Valer. q. s. f. pil. 100 
Con­sp. Croco.
D.s.: Drei­mal tägl. 2–4 Pillen. 
Rezep­tur­preis ad scat. etwa 3.10 RM.
Bei skrofulösen und drü­sen­ar­ti­gen Geschwüls­ten als Pflas­ter (Ergänz.-Bd. III):
Rp.:
Asae foet­idae
30
Gumm. Ammon.
10
Ter­eb­in­thinae
20
sol­ve in baln. vap. adde mixtur.
tepid.
Cerae fla­vae
Res. Pini
āā 20
M.f. emplastrum.
D.s.: Zum Auf­le­gen auf die lei­den­den Stellen. 
Rezep­tur­preis ad oll. tect. etwa 2.25 RM.
Als Riech­mit­tel21:
Rp.:
Asae foet­idae Ã˜
5
D.s.: In Riechfläschchen.
Rezep­tur­preis etwa -.92 RM.

Fußnoten:

1 Para­cel­sus Sämtl. Wer­ke, Bd. 1, S. 696, Bd. 4, S. 320.

2 Loni­ce­rus, Kreu­ter­buch, 1564, S. 61 C.

3 Mat­thio­lus, New-Kreu­ter­buch, 1626, S. 260 D.

4 v. Hal­ler, Medi­cin. Lexi­con, 1755, S. 146.

5 Hecker, Pract. Arz­nei­mit­tell., Bd. 2, S. 175.

6 Hufe­land, Enchir. med., S. 146, 160, 162, 164, 169, 177, 185, 189 u. a.: Jour­nal, Bd. 1, S. 147, Bd. 4, S. 192, Bd. 31, V., S. 50, Bd. 33, IV., S. 104, Bd. 34, V., S. 30, Bd. 37, V., S. 160, 212.

7 Len­tin, i. Hufe­lands Jour­nal, Bd. 1, S. 166.

8 Schwarz, i. Hufe­lands Jour­nal, Bd. 12, III., S. 176.

9 Rade­ma­cher, Erfah­rungs­heil­leh­re, 1851, Bd. 1, S. 258.

10 Cla­rus, Handb. d. spec. Arz­nei­mit­tell., S. 1151.

11 Bent­ley u. Tri­men, Medi­cinal Plants, Bd. II, S. 126, Lon­don 1880.

12 Vgl. 11).

13 Lewin, Neben­wir­kun­gen d. Arz­nei­mit­tel, S. 174

14 Vgl. 13).

15 Kobert, Lehrb. d. Phar­ma­ko­ther., S. 626.

16 Hü­bot­ter, Beiträge zur Kennt­nis der chi­ne­si­schen sowie der tibe­tisch-mon­go­li­schen Phar­ma­ko­lo­gie, S. 75, Ber­lin 1913.

17 J. Alks­nis, in His­tor. Stu­di­en aus d. pharm. Inst. d. Univ. Dor­pat, S. 222, Hal­le 1894.

18 Weh­mer, Pflan­zen­stof­fe, S. 891.

19 Nach eige­nen Untersuchungen.

20 Stauf­fer, Klin. hom. Arz­nei­mit­tell., S. 201; ders., Hom. Taschenb., S. 195; Schmidt, Lehrb. d. hom. Arz­nei­mit­tell., S. 49.

21 Bei Platz­angst, Ohn­mach­ten und Glo­bus hystericus.