Lehrbuch der biologischen Heilmittel

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:
Die Hauptwirkung von Asa foetida erstreckt sich auf nervöse Störungen im Bereich der Gastrointestinalorgane. Im einzelnen gibt man es bei: Dyspepsie, Flatulenz, Pyrosis, Magenkrämpfen, Gastritis, zu starker Salivation und gestörter Peristaltik. Weiter reagieren auch Glottiskrampf, Globus hystericus und andere hysterische und hypochondrische Beschwerden, Neurasthenie, Neuralgien, nervöse Kardialgien, Ohnmachten, Platzangst (nach Hörner an der Tinktur riechen lassen!) und Epilepsie (Retsch nennt es ein gutes Mittel, um BewuÃtlose wieder zu sich kommen zu lassen, auch wenn sie in Krämpfen liegen).
Schultzik, Breslau, hatte bei Fällen schwerster Schlaflosigkeit im Klimakterium sehr gute Erfolge damit.
Das zweite wichtige Indikationsgebiet für Asa foetida umfaÃt skrofulöse, tuberkulöse Eiterungsprozesse und Entzündungen, besonders an Drüsen und Knochen (hier im Wechsel mit Angustura) wie Gummae, Karies, Periostitis chronica, Ostitis, Fistulae, Panaritium, Iritis luica und andere Augenentzündungen, Gingivitis und Ozaena. Weiter wird Asa foetida noch bei Ulcus ventriculi und duodeni, zur Unterstützung der Krebsbehandlung, bei Klimakteriumsbeschwerden und als Antiabortivum genannt. Bei Blasenkatarrh läÃt Retsch eine Salbe auftragen.
Als Wechselmittel bei nervösen Beschwerden werden Nux vomica und Ignatia bevorzugt.
Angewandter Pflanzenteil:
Die zur Herstellung der Arzneimittel gebrauchte Droge Asa foetida besteht aus dem Gummiharz verschiedener asiatischer Ferulaarten.
Offizinell in allen Pharmakopöen mit Ausnahme Ungarns, Schwedens und Griechenlands.
Dosierung:
Ãbliche Dosis:
0,2–1 g Asa foetida (Hager);
0,3–1,2 g (Potter);
4–6 Tropfen der Tinktur mehrmals täglich (Friedrich).
1 Tablette der Pflanzenverreibung “Teep” dreimal täglich bei skrofulösen und luetischen Eiterungsprozessen.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 10% Asae foetidae eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,025 g Asae foetidae.)
In der Homöopathie:
dil. D 3, dreimal täglich 10 Tropfen; trit. D 3, dreimal täglich 1 Messerspitze.
Maximaldosis:
Nicht festgesetzt, doch können gröÃere Dosen unangenehme Nebenwirkungen hervorrufen, s. Wirkung.
Rezepte:
Bei Nervosität, Neurasthenie und Hysterie (nach Meyer):
Rp.:
Tinct. Valerianae
Tinct. Asae foetidae
ÄÄ 10
M.d.s.: Dreimal täglich 20–30 Tropfen.
Rezepturpreis etwa -.92 RM.
Bei Kolik (nach Rademacher):
Siehe Rezeptvorschriften bei Nux vomica.
Pil. antispasmodicae vel antihystericae (nach Sydenham):
Rp.:
Galbani Myrrhae
ÄÄ 2,5
Tinct. Valer. q. s. f. pil. 100
Consp. Croco.
D.s.: Dreimal tägl. 2–4 Pillen.
Rezepturpreis ad scat. etwa 3.10 RM.
Bei skrofulösen und drüsenartigen Geschwülsten als Pflaster (Ergänz.-Bd. III):
Rp.:
solve in baln. vap. adde mixtur.
tepid.
Cerae flavae
M.f. emplastrum.
D.s.: Zum Auflegen auf die leidenden Stellen.
Rezepturpreis ad oll. tect. etwa 2.25 RM.
Als Riechmittel:
Rp.:
D.s.: In Riechfläschchen.
Rezepturpreis etwa -.92 RM.
Fußnoten:
1 Paracelsus Sämtl. Werke, Bd. 1, S. 696, Bd. 4, S. 320.
2 Lonicerus, Kreuterbuch, 1564, S. 61 C.
3 Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 260 D.
4 v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 146.
5 Hecker, Pract. Arzneimittell., Bd. 2, S. 175.
6 Hufeland, Enchir. med., S. 146, 160, 162, 164, 169, 177, 185, 189 u. a.: Journal, Bd. 1, S. 147, Bd. 4, S. 192, Bd. 31, V., S. 50, Bd. 33, IV., S. 104, Bd. 34, V., S. 30, Bd. 37, V., S. 160, 212.
7 Lentin, i. Hufelands Journal, Bd. 1, S. 166.
8 Schwarz, i. Hufelands Journal, Bd. 12, III., S. 176.
9 Rademacher, Erfahrungsheillehre, 1851, Bd. 1, S. 258.
10 Clarus, Handb. d. spec. Arzneimittell., S. 1151.
11 Bentley u. Trimen, Medicinal Plants, Bd. II, S. 126, London 1880.
12 Vgl. 11).
13 Lewin, Nebenwirkungen d. Arzneimittel, S. 174
14 Vgl. 13).
15 Kobert, Lehrb. d. Pharmakother., S. 626.
16 Hübotter, Beiträge zur Kenntnis der chinesischen sowie der tibetisch-mongolischen Pharmakologie, S. 75, Berlin 1913.
17 J. Alksnis, in Histor. Studien aus d. pharm. Inst. d. Univ. Dorpat, S. 222, Halle 1894.
18 Wehmer, Pflanzenstoffe, S. 891.
19 Nach eigenen Untersuchungen.
20 Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 201; ders., Hom. Taschenb., S. 195; Schmidt, Lehrb. d. hom. Arzneimittell., S. 49.
21 Bei Platzangst, Ohnmachten und Globus hystericus.