Quelle: Magnus Hirschfeld & Richard Linsert: Liebesmittel — Eine Darstellung der geschlechtlichen Reizmittel / Aphrodisiaca (MAN Verlag, Berlin, 1930)


Hinweis: Niemand wird in irgendeiner Form aufgefordert, irgendeine der hier behandelten Substanzen, Potenzmittel oder Rezepturen zu sich zu nehmen. Kein Hinweis ist ein Ratschlag für Kranke. Keine hier dargebotene Information soll die Selbstmedikation unterstützen. Achtung – das Leben birgt Risiken und Gefahren und endet immer tödlich! Bis dahin kann es jedoch versüßt werden.
Sempervivum
Auch “Barba Jovis” (Donnerbart) genannt, im Volke als “Hauswurz” wohlbekannt, gilt diese Pflanze noch heute als ein beliebtes Hausmittel. Sie hat eine ausdauernde Wurzel und zahlreiche kurze Stämmchen, welche an der Spitze eine Rosette von fleischigen, gewimperten, graugrünlichen Blättern tragen. Aus circa fußhohen Stengeln kommen die zarten rosenroten Blüten in einseitigen Trugdolden heraus.
Die sehr saftreichen, frisch schwach, säuerlich und herb schmeckenden Blätter, gelten ihrer beruhigenden kühlenden Eigenschaft halber als Fiebermittel, sind ferner gegen Ruhr, Entzündungen, Blutungen usw. ein geschätztes Hausmittel.
In der Magie gilt der Donnerbart nicht nur als ein Wettermittel, das angeblich jedes Haus, auf dem diese Pflanze wächst, vor Blitzschlag schützen soll, sondern auch als beliebtes Mittel zur Vertreibung der Warzen auf sympathischem Wege. Wenn nämlich die Warze gestochen wird, bis ein Blutstropfen hervorquillt, die Stelle dann mit einem angebrochenen Hauswurzblatte eingerieben und die ganze Pflanze, unter Zitierung gewisser Beschwörungsformeln rücklings gehend, in ein fließendes Wasser geworfen wird, so sollen angeblich die Warzen vergehen.
Karl der Große empfahl seinem Gärtner, Hauswurz zu ziehen: jener Gärtner sollte in seinem Hause Jupiters Bart (barba jovis) pflegen. Bereits die heilige Hildegard erzählt von derselben: “Wenn ein Mann sie ißt, welcher in den Geschlechtsorganen gesund ist, wird er in Liebeslust entbrennen”, und beschreibt dann die Bereitung eines Tranks aus deren Safte. Noch im 18. Jahrhundert ward die Pflanze, nach der Tradition, von einer Nonne des Dominikanerinnenklosters zu St. Marcus in Würzburg zu Liebestränken benutzt.