Quelle: Bernhard Kronenberger — Die neue Diagnostik Lingualis (Zungendiagnose) (1949, Kahl a. Main)
Die Physiologie der Zunge.
Die Zunge ist das beweglichste, lediglich aus Muskulatur bestehende und hochentwickelte Bewegungsorgan, deren Muskel derart angeordnet sind, daß wir sie in jeder beliebigen Richtung bewegen können. Wir benutzen die Zunge außer zum Essen, Trinken und Lecken noch zum Sprechen, zum Spielen musikalischer Instrumente etc. Beim Essen schieben wir mit ihr die Speisen zwischen die Kauflächen der Zähne, sammeln die eingespeichelten Massen zum eiförmigen Bissen, bewegen diesen über ihren Rücken und leiten den Schluckakt ein.
Bei den Bewegungen der Zunge kann man in ihren Form- und Lageveränderungen folgendes unterscheiden:
Herausstrecken der Zunge, bewirkt vom Muskulus genioglossus, dabei gleichzeitig Verlängerung und Verschmälerung durch den Muskulus transversus.
Zurückziehen, bewirkt vom Muskulus hyoglossus und M. stylo-glossus, dabei gleichzeitig Verkürzung und Verbreiterung durch den Muskulus longitudinalis mit Hilfe des Muskulus hyoglossus.
Heben, bewirken vorn die oberen Längsfasern, in der Mitte der M. mylohyoideus durch Hebung des Zungenbeines, hinten an der Zungenwurzel der M. styloglossus und M. palatoglossus mit Hilfe des M. stylohyoideus.
Senken der Zunge an den Mundboden, bewirkt der M. hyoglossus und noch erheblicher durch unterstützende Senkung des Zungenbeines.
Seitliche Bewegung mit der Zungenspitze nach rechts oder links bewirkt die Kontraktion der Längsmuskel einer Seite.
Wölbung des Rückens, in Querrichtung infolge Kontraktion der untersten Querfasern, in Längsrichtung bewirken dies die untersten Längsmuskeln.
Höhlung des Rückens als Rinne, bewirkt der M. transversus mittels Kontraktion und Hilfe der mittleren senkrechten Faserzüge.
Bei einseitiger Zungenlähmung ist die Spitze nach der gesunden Seite gerichtet, da der Spannungszustand der ungelähmten Längsfasern etwas verkürzend wirkt.