Bärlappkolbenmoos

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Bär­lapp­kol­ben­moos, Lyco­po­di­um clava­tum L. [Zorn pl. med. Tab. 54.] mit faden­för­mi­gen, zer­streut ste­hen­den Blät­tern und run­den, gestiel­ten, zu zwei bei­sam­men sit­zen­den Blüt­henäh­ren, ein in san­di­gen Wäl­dern an unweg­sa­men Orten zwi­schen Stei­nen befind­li­ches Moos, wel­ches mit sei­nen vieläs­ti­gen dün­nen, lan­gen Sten­geln weit umher kriecht, und im Juli sei­ne Kätz­chen trägt.

Das Kraut (herb. musci clava­ti), wel­ches kei­nen Geruch, und nur einen schwa­chen Geschmack hat, ist in ältern Zei­ten in man­cher­lei sehr wider­spre­chen­den Krank­hei­ten ohne sicht­ba­re Grün­de gebraucht wor­den, und selbst das im Weich­sel­zop­fe bis­her so sehr gerühm­te Dekokt davon hat sei­ne Heil­kräf­te durch die neu­es­ten Erfah­run­gen nicht bewährt.

Der Bär­lapp­st­aub (sem. lyco­po­dii), wel­cher aus den vom August bis Sep­tem­ber (beson­ders in Ruß­land) gesam­mel­ten wal­zen­för­mi­gen gel­ben Kol­ben, nach vor­he­ri­ger Dör­rung der­sel­ben, geklopft wird, ist ein sehr leich­ter, in sei­nen kleins­ten Thei­len kugel­run­der, schwe­fel­gel­ber Staub, ohne Geruch und Geschmack, wel­cher in der Destil­la­ti­on sich wie Wachs ver­hält, sich sehr glatt und lind anfühlt, sich nicht mit Was­ser ver­eini­get, und in ein bren­nen­des Licht gestreut, augen­blick­lich mit einer blitz­ähn­li­chen hel­len Flam­me entzündet.

Die dem innern Gebrau­che die­ses Pul­vers ehe­dem zuge­schrieb­nen schmerz­stil­len­den und ner­ven­stär­ken­den Kräf­te sind höchst unwahr­schein­lich, aber auf Stel­len der Haut gestreut, deren Ober­häut­chen abge­rie­ben ist (Wund­wer­den, Fratt­wer­den), ist es sehr dien­lich, und ersetzt die Stel­le des­sel­ben durch den schmei­di­gen­den, glat­ten Ueber­zug sei­ner fei­nen Thei­le auf eine unschäd­li­che Weise.

Man bestreut die frisch berei­te­ten Pil­len in der Apo­the­ke mit die­sem Stau­be, um das Zusam­men­kle­ben zu verhindern.