Lehrbuch der biologischen Heilmittel

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:
Flores Pruni spinosae werden überall da verordnet, wo eine Steigerung der Diurese, Anregung des Stoffwechsels und Blutreinigung nötig erscheint. Sie sind ein gutes, mildes Abführmittel, das auch besonders für Kinder geeignet ist. Man gibt sie bei Verstopfung mit Magen- und Blähungsbeschwerden, Ãbelkeit und Brustbeklemmung.
Weiter gelten sie als Blutreinigungsmittel, das bei leichteren Stauungen und Störungen zur Anregung des Stoffwechsels gegeben wird. Die Beeren wirken leicht stopfend, wenn sie in gröÃeren Mengen genommen werden. Von verschiedener Seite wird die Schlehdornblüte auch als Herztonikum gelobt (nach Ensinger, Haltingen, der sich auch auf die Erfahrungen von Scheidegger, Basel, – Anwendung: Ã-D 3 – beruft, konkurriert sie hier sogar mit Crataegus), ebenso bei Insuffizienz und Neurosen. Im Rheinland gibt man den Blütentee bei Prostatahypertrophie.
Angewandter Pflanzenteil:
Paracelsus spricht nur von “Schlehen”.
Bock kennt die Wirkung der Blüten und der Beeren, Matthiolus die von Rinde, Wurzel, Beeren und Blüten.
Osiander weià von der Verwendung der Wurzelrinde und des Schlehensaftes, besonders aber von der der Blüten zu berichten.
Dragendorff bezeichnet Blüten, Wurzeln und Rinde als verwendet und Thoms Folia, Flores und Fructus.
Nach Schulz werden die Blüten allein oder im Gemisch mit Blättern gebraucht.
Zörnig und Hager führen die Blüten als Flores Acaciae oder Fl. Acaciae nostratis an.
Stauffer, Heinigke und das HAB. nennen die frischen, im Aufblühen begriffenen Blüten zur Herstellung der Essenz (§ 3). Dieses Ausgangsmaterial wird auch zur Gewinnung des “Teep” verwendet.
Sammelzeit: März bis April.
Dosierung:
Ãbliche Dosis:
2 Teelöffel voll (= 2 g) der Blüten zum kalten Auszug oder heiÃen Infus als Tagesgabe.
2 Tabletten der Frischpflanzenverreibung “Teep” zwei- bis dreimal täglich.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Flor. Pruni spinosae.)
In der Homöopathie:
Ã-dil. D 2.
Maximaldosis:
Nicht festgesetzt.
Rezepte:
Als Abführmittel und Blutreinigungsmittel:
Rp.:
(Man kann auch Flor. Acaciae schreiben) (= Schlehenblüten)
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 1 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken.
Preis nach Arzneitaxe 10 g -.10 RM.
Bei Blasen- und Nierenleiden (nach M. Müller):
Rp.:
(= Schlehenblüten)
Hb. Equiseti
(= Schachtelhalmkraut)
Fol. Rosmarini
(= Rosmarinblätter)
Fruct. Petroselini
ÄÄ 20
(= Petersiliensamen)
M.f. species.
D.s.: 3 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser,
vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.67 RM.
Zur Blutreinigung (nach P. Flämig):
Rp.:
(= Schlehenblüten)
Fruct. Phellandrii aquatici
(= Wasserfenchelsamen)
Rad. Gentianae
(= Enzianwurzel)
Fol. Salviae
(= Salbeiblätter)
(= Queckenwurzel)
(= Wurzel der Kleinen Brennessel)
M.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser,
vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.07 RM.
Zur Steigerung der Diurese (nach Kroeber):
Rp.:
Fruct. Phaseoli sin. sem.
(= Bohnenschalen)
Fol. Myrtilli
(= Heidelbeerblätter)
Hb. Millefolii
(= Schafgarbenkraut)
Flor. Pruni spinosae
ÄÄ 15
(= Schlehenblüten)
Hb. Hyperici
(= Johanniskraut)
(= Schachtelhalmkraut)
M.f. species.
D.s.: Zur Abkochung 1 EÃlöffel auf 1 Tasse Wasser. Abends 6 Uhr 1 Tasse warm trinken.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 3 Teelöffel voll auf 1 Glas Wasser,
vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.97 RM.
Fußnoten:
1 Paracelsus Sämtl. Werke, Bd. 3, S. 202.
2 Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 374.
3 Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 90 D.
4 Osiander, Volksarzneymittel, S. 97, 225, 299, 341, 394.
5 Barton and Castle, The British Flora Medica, 1877, S. 123.
6 Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 221.
7 Seb. Kneipp, Das groÃe Kneippbuch, S. 912, München 1935.
8 Schmidt, Lehrb. der hom. Arzneimittell., S. 259.
9 Stauffer, Hom. Taschenbuch, S. 282.
10 Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 478.
11 K. Feist, Apoth.-Ztg. 1934, Nr. 28.
12 Teezubereitung:Der Extraktgehalt des heià im Verhältnis 1:10 bereiteten Tees beträgt 2,4% gegenüber 2,3% bei kalter Zubereitung. Im Aschenrückstand der Extrakte besteht nur ein geringer Unterschied, da er 0,33 bzw. 0,31% beträgt. Die Peroxydasereaktion ist in beiden Zubereitungen negativ. Geschmacklich konnte bei den Zubereitungen 1 : 100 kein Unterschied festgestellt werden. Bei einer Zubereitung 1 : 50 schien uns die kalte Zubereitung kräftiger zu sein. Ein Ansatz 1 : 50 ist trinkbar. 1 Teelöffel voll wiegt ungefähr 1 g. Im Hinblick auf die geringen Unterschiede sowohl im Extrakt als auch im Geschmack kann der Tee kalt oder heià bereitet werden.