Prunus spinosa – Seite 4 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Pru­nus spi­no­sa (Sei­te 4 von 4)
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Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Flo­res Pruni spi­no­sae wer­den über­all da ver­ord­net, wo eine Stei­ge­rung der Diure­se, Anre­gung des Stoff­wech­sels und Blut­rei­ni­gung nötig erscheint. Sie sind ein gutes, mil­des Abführ­mit­tel, das auch beson­ders für Kin­der geeig­net ist. Man gibt sie bei Ver­stop­fung mit Magen- und Blähungsbeschwerden, Übelkeit und Brustbeklemmung.
Wei­ter gel­ten sie als Blut­rei­ni­gungs­mit­tel, das bei leich­te­ren Stau­un­gen und Störungen zur Anre­gung des Stoff­wech­sels gege­ben wird. Die Bee­ren wir­ken leicht stop­fend, wenn sie in größeren Men­gen genom­men wer­den. Von ver­schie­de­ner Sei­te wird die Schleh­dorn­blü­te auch als Herz­to­ni­kum gelobt (nach Ensin­ger, Hal­tin­gen, der sich auch auf die Erfah­run­gen von Scheid­eg­ger, Basel, – Anwen­dung: Ø-D 3 – beruft, kon­kur­riert sie hier sogar mit Cra­tae­gus), eben­so bei Insuf­fi­zi­enz und Neu­ro­sen. Im Rhein­land gibt man den Blü­ten­tee bei Prostatahypertrophie.

Angewandter Pflanzenteil:

Para­cel­sus spricht nur von “Schle­hen”.
Bock kennt die Wir­kung der Blü­ten und der Bee­ren, Mat­thio­lus die von Rin­de, Wur­zel, Bee­ren und Blü­ten.
Osi­an­der weiß von der Ver­wen­dung der Wur­zel­rin­de und des Schle­hen­saf­tes, beson­ders aber von der der Blü­ten zu berichten.
Dra­gen­dorff bezeich­net Blü­ten, Wur­zeln und Rin­de als ver­wen­det und Thoms Folia, Flo­res und Fruc­tus.
Nach Schulz wer­den die Blü­ten allein oder im Gemisch mit Blättern gebraucht.
Zörnig und Hager füh­ren die Blü­ten als Flo­res Aca­ciae oder Fl. Aca­ciae nost­ra­tis an.
Stauf­fer, Hei­nig­ke und das HAB. nen­nen die fri­schen, im Auf­blühen begrif­fe­nen Blü­ten zur Her­stel­lung der Essenz (§ 3). Die­ses Aus­gangs­ma­te­ri­al wird auch zur Gewin­nung des “Teep” verwendet.
Sam­mel­zeit: März bis April.

Dosierung:

Übliche Dosis:
2 Teelöffel voll (= 2 g) der Blü­ten zum kal­ten Aus­zug oder heißen Infus als Tagesgabe.
2 Tablet­ten der Frisch­pflan­zen­ver­rei­bung “Teep” zwei- bis drei­mal täglich.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 50% Pflan­zen­sub­stanz ein­ge­stellt, d. h. 1 Tablet­te enthält 0,125 g Flor. Pruni spinosae.)
In der Homöopathie:
Ø-dil. D 2.
Maxi­mal­do­sis:
Nicht fest­ge­setzt.

Rezepte:

Als Abführ­mit­tel und Blutreinigungsmittel:
Rp.:
Flor. Pruni spinosae
30
(Man kann auch Flor. Aca­ciae schrei­ben) (= Schlehenblüten)
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 1 Glas Was­ser kalt anset­zen, 8 Stun­den zie­hen las­sen und tags­Ã¼­ber trin­ken12.
Preis nach Arz­nei­ta­xe 10 g -.10 RM.
Bei Bla­sen- und Nie­ren­lei­den (nach M. Müller):
Rp.:
Flor. Pruni spinosae
10
(= Schle­hen­blü­ten)
Hb. Equi­se­ti
(= Schach­tel­halm­kraut)
Fol. Ros­ma­ri­ni
(= Rosmarinblätter)
Fruct. Petro­se­li­ni
āā 20
(= Peter­si­li­en­sa­men)
M.f. spe­ci­es.
D.s.: 3 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser,
vgl. Zube­rei­tung von Tee­mi­schun­gen S. 291.
Rezep­tur­preis ad chart. etwa -.67 RM.
Zur Blut­rei­ni­gung (nach P. Flämig):
Rp.:
Flor. Pruni spinosae
20
(= Schle­hen­blü­ten)
Fruct. Phel­lan­drii aquatici
(= Was­ser­fen­chel­sa­men)
Rad. Gen­ti­a­nae
(= Enzi­an­wur­zel)
Fol. Sal­viae
(= Salbeiblätter)
Rad. Agro­py­ri
āā 10
(= Que­cken­wur­zel)
Rad. Urti­cae ur.
20
(= Wur­zel der Klei­nen Brennessel)
M.f. spe­ci­es.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser,
vgl. Zube­rei­tung von Tee­mi­schun­gen S. 291.
Rezep­tur­preis ad chart. etwa 1.07 RM.
Zur Stei­ge­rung der Diure­se (nach Kroeber):
Rp.:
Fruct. Pha­seo­li sin. sem.
(= Boh­nen­scha­len)
Fol. Myr­til­li
(= Heidelbeerblätter)
Hb. Mil­le­fo­lii
(= Schaf­gar­ben­kraut)
Flor. Pruni spinosae
āā 15
(= Schle­hen­blü­ten)
Hb. Hyperi­ci
(= Johan­nis­kraut)
Hb. Equi­se­ti
āā 20
(= Schach­tel­halm­kraut)
M.f. spe­ci­es.
D.s.: Zur Abko­chung 1 Eßlöffel auf 1 Tas­se Was­ser. Abends 6 Uhr 1 Tas­se warm trinken.
Zube­rei­tungs­vor­schlag des Ver­fas­sers: 3 Teelöffel voll auf 1 Glas Wasser,
vgl. Zube­rei­tung von Tee­mi­schun­gen S. 291.
Rezep­tur­preis ad chart. etwa -.97 RM.

Fußnoten:

1 Para­cel­sus Sämtl. Wer­ke, Bd. 3, S. 202.

2 Bock, Kreut­ter­buch, 1565, S. 374.

3 Mat­thio­lus, New-Kreu­ter­buch, 1626, S. 90 D.

4 Osi­an­der, Volks­arz­ney­mit­tel, S. 97, 225, 299, 341, 394.

5 Bar­ton and Cast­le, The Bri­tish Flo­ra Medi­ca, 1877, S. 123.

6 Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arz­nei­pfl., S. 221.

7 Seb. Kneipp, Das große Kneipp­buch, S. 912, Mün­chen 1935.

8 Schmidt, Lehrb. der hom. Arz­nei­mit­tell., S. 259.

9 Stauf­fer, Hom. Taschen­buch, S. 282.

10 Weh­mer, Die Pflan­zen­stof­fe, S. 478.

11 K. Feist, Apoth.-Ztg. 1934, Nr. 28.

12 Teezubereitung:Der Extrakt­ge­halt des heiß im Verhältnis 1:10 berei­te­ten Tees beträgt 2,4% gegen­Ã¼­ber 2,3% bei kal­ter Zube­rei­tung. Im Aschen­rück­stand der Extrak­te besteht nur ein gerin­ger Unter­schied, da er 0,33 bzw. 0,31% beträgt. Die Per­oxy­da­se­re­ak­ti­on ist in bei­den Zube­rei­tun­gen nega­tiv. Geschmack­lich konn­te bei den Zube­rei­tun­gen 1 : 100 kein Unter­schied fest­ge­stellt wer­den. Bei einer Zube­rei­tung 1 : 50 schien uns die kal­te Zube­rei­tung kräftiger zu sein. Ein Ansatz 1 : 50 ist trink­bar. 1 Teelöffel voll wiegt ungefähr 1 g. Im Hin­blick auf die gerin­gen Unter­schie­de sowohl im Extrakt als auch im Geschmack kann der Tee kalt oder heiß berei­tet werden.