Gibt es eine exakte Dosierbarkeit von Wirkstoffen in Teepräparaten? (2)

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Die Phy­to­the­ra­peu­ti­sche Welt (Jubi­lä­ums­aus­ga­be des Hau­ses A. Nattermann)





der­art groß, daß eine Wer­tung nach die­sen Gesichts­punk­ten unzu­läs­sig ist. Es gibt kei­nen siche­ren mor­pho­lo­gi­schen Indi­ka­tor für den Wirk­stoff­ge­halt einer Arzneipflanze.

Der Wert einer Pflan­ze in medi­zi­nisch-the­ra­peu­ti­scher Hin­sicht ist des­halb nur nach ihrem Wirk­stoff­ge­halt zu beurteilen.

Bis in die Anfangs­jahr­zehn­te des 20. Jh. hat­te man aber still­schwei­gend nach die­ser weder deut­lich aus­ge­spro­che­nen noch kri­tisch geprüf­ten Prä­mis­se ver­fah­ren. Und es ist leicht vor­stell­bar, daß die Unsi­cher­heit der Dro­gen­wir­kung in frü­he­ren Jahr­hun­der­ten, wel­che den Heil­ef­fekt selbst bei heu­te aner­kann­ten Dro­gen vom Zufall abhän­gig wer­den lie­ßen, zu man­nig­fal­ti­gen aber­gläu­bi­schen Hand­lun­gen Anlaß gab, die je nach der Gunst der Umwelt­be­din­gun­gen, also Güte der Dro­ge, das eigen­tüm­li­che Beneh­men des Kräu­ter­kun­di­gen recht­fer­tig­te oder ihn zur Ein­füh­rung zusätz­li­cher Riten veranlaßte.

Mit stei­gen­der Dif­fe­ren­ziert­heit der Wis­sen­schaf­ten und Aus­schal­tung ande­rer stö­ren­der Unge­nau­ig­kei­ten wur­de die Unsi­cher­heit der Dro­gen­wir­kung zumin­dest in ihrer sum­ma­ri­schen Aus­wir­kung auf den Heil­ef­fekt immer deut­li­cher. Das führ­te zu den ers­ten Stan­dar­di­sie­rungs­be­stre­bun­gen etwa zwi­schen 1920 und 1930, an denen die Hygie­ne­kom­mis­si­on des Völ­ker­bun­des beacht­li­chen Anteil hat­te. Es ist ver­ständ­lich, daß die­se ers­ten Ansät­ze einer Stan­dar­di­sie­rung, durch die ins­be­son­de­re auch die Into­xi­ka­ti­ons­ge­fahr ver­min­dert wer­den soll­te, stark­wir­ken­de Dro­gen betra­fen. Da die Inhalts­stof­fe meist nicht genü­gend bekannt waren, muß­te auf bio­lo­gi­sche Prü­fungs­me­tho­den zurück­ge­grif­fen wer­den. Hier­aus erga­ben sich infol­ge der Indi­vi­dua­li­tät der Ver­suchs­ob­jek­te, neue, zwar all­mäh­lich abbau­ba­re, aber nie völ­lig eli­mi­nier­ba­re Unge­nau­ig­kei­ten. Erst mit der Ent­wick­lung der neu­es­ten phy­si­ka­li­schen und che­mi­schen Metho­den, wie die Colo­ri­me­trie unter Ein­be­zie­hung des U.-V.-Bereiches, die Aus­wer­tung der Ener­gie­ad­sorp­ti­on im Infra­rot­spek­trum der Spek­tro­pho­to­me­trie, der Gegen­strom­ver­tei­lung und der mehr­di­men­sio­na­len Papier­chro­ma­to­gra­phie — um nur die haupt­säch­lichs­ten Metho­den zu nen­nen — war ein leich­te­res Erfas­sen und auch Mes­sen von the­ra­peu­tisch wirk­sa­men Stof­fen mög­lich, die sich bis­her wegen ihrer ungüns­ti­gen Lös­lich­keits­be­din­gun­gen, stö­ren­der Bei­men­gung, leich­ter Ver­än­der­lich­keit oder zu gerin­gen Sub­stan­zen­an­fal­les der Bear­bei­tung ent­zo­gen. Die­sen Metho­den, die jede ein Spe­zi­al­wis­sen erfor­dern, ver­dan­ken wir heu­te das rasche Fort­schrei­ten der che­mi­schen und che­misch-phy­si­ka­li­schen Erkennt­nis­se; die — nicht zuletzt — auch für das Gebiet der Medi­zin von aus­schlag­ge­ben­der Bedeu­tung sind.

Die Behand­lung von Erkran­kun­gen mit Heil­pflan­zen stellt ein eige­nes Gebiet dar. Sieht man von den stark­wir­ken­den Dro­gen ab, deren Inhalts­stof­fe zum Teil inji­ziert wer­den, dann ist eine Wir­kung oft nicht sofort sicht­bar, und zahl­rei­chen, mehr zu syn­the­ti­schen Sub­stan­zen ten­die­ren­den The­ra­peu­ten mag die „sanf­te“ Wir­kung der Heil­pflan­zen nur wenig impo­nie­ren, zumal sich der Effekt manch­mal etwas pro­tra­hiert gel­tend macht. Aber die nicht sehr star­ke Wir­kung der durch die Empi­rie erkann­ten Heil­pflan­zen hat ihre Vor­tei­le. Eine Ein­zel­sub­stanz die­ser Dro­gen mag zwar am bio­lo­gi­schen Sub­strat unter­schwel­lig angrei­fen, mit Hil­fe ähn­li­cher aber auch anders kon­fi­gu­rier­ter, jedoch ähn­lich wir­ken­der Inhalts­stof­fe kommt eine Sum­ma­ti­on der Rei­ze am Erfolgs­or­gan zustan­de, die den gewünsch­ten Effekt bewirkt. Die Ver­hält­nis­se die­ser The­ra­pie lie­gen ähn­lich wie bei einer Tumor­be­strah­lung mit rotie­ren­der Rönt­gen­röh­re. Der Punkt, auf den es ankommt, wird von meh­re­ren Sei­ten aus wirk­sam ange­grif­fen, wäh­rend der Effekt eines jeden Ein­zel­sek­tors unter­schwel­lig bleibt. Hier­aus resul­tiert ein Mini­mum an Stö­rung für das umge­ben­de gesun­de Gewebe,