Balsamespe

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Bal­sa­mespe, Popu­lus bal­sam ifera L. [Zorn pl. med. Tab. 303.] mit eirund läng­li­chen, ungleich gekerb­ten, auf der obern Flä­che dun­kel­grü­nen, auf der untern weiß­li­chen Blät­tern, ist ein sehr hoher in Nord­ame­ri­ka und Sibi­ri­en in feuch­ten Wie­sen ein­hei­mi­scher, und uns­re Win­ter leicht ertra­gen­der Baum, wel­cher sich durch abge­schnit­te­ne und im Früh­ling gesteck­te Aes­te fort­pflan­zen läßt.

Die Blatt­knos­pen (gem­mae, ocu­li, popu­li) sind ziem­lich groß, läng­lich­rund, zuge­spitzt, und bestehen aus dach­zie­gel­för­mig über­ein­an­der lie­gen­den har­ten Schup­pen, wel­che im Früh­lin­ge von einem gold­gel­ben, durch­sich­ti­gen, dick­li­chen, sehr wohl­rie­chen­den, bit­ter­li­chen, und erwär­mend gewürz­haft schme­cken­den Bal­sa­me strot­zen, den sie durch Pres­sen zwi­schen den Fin­gern leicht und häu­fig von sich geben, wel­cher aber im Som­mer gewon­nen, sich an Geschma­cke und Geru­che mehr der Rha­bar­ber nähert. Ber­gi­us erhielt aus vier Unzen Knos­pen durch Aus­pres­sen zwei Quent­chen but­ter­ähn­li­chen braun­röth­li­chen Bal­sam, wel­cher mit hel­ler Flam­me und wohl­rie­chen­dem Rau­che brenn­te, und sich leicht in Wein­geis­te auflösete.

Die Pap­pel­knos­pen müs­sen im Früh­lin­ge (am bes­ten im März und April) so lan­ge sie sich noch nicht auf­gethan haben, gesam­melt wer­den, und zwar am bes­ten, nach Ber­gi­us, von die­ser, nicht von der Schwarz­pap­pel, deren Blatt­knos­pen fast gar kein Harz führen.

Man hat sie mit Wein­geist aus­ge­zo­gen als Tink­tur gegen lang­wie­ri­ge Bauch­flüs­se gebraucht, auch zu ähn­li­chen Behu­fen das äthe­ri­sche Oel davon.

Getrock­net sol­len sie wenig Kraft besitzen.

Da weder die Blät­tern noch die Knos­pen der Bal­sa­mespe etwas ähn­li­ches im Geru­che mit dem Taka-mahak, selbst nicht mit der gerin­gern Sor­te des­sel­ben, haben, und da auch letz­te­res sich fast gar nicht in Wein­geist auf­löst, wel­ches doch der Bal­sam die­ser Espe thut, so ist wenig Wahr­schein­lich­keit vor­han­den, daß von die­sem Bau­me das Taka­ma­hak­harz her­rüh­re, selbst die gerin­ge­re Sor­te nicht.