Springwolfsmilch

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Spring­wolfs­milch, Euphor­bia Lathy­ris, L. [Zorn, pl. med. tab. 16] mit vier­spal­tig zweit­hei­li­ger Dol­de, und ganz glatt­ran­di­gen, ein­an­der gegen­über ste­hen­den Blät­tern ein etwa zwei Fuß hohes, zwei­jäh­ri­ges Kraut an den Rän­dern der Gemüß­ä­cker und Gär­ten, wel­ches im Juny und July grün­gelb­lich blüht.

Die Samen (Spring­kör­ner, Pur­gir­kör­ner, Sem. Ca-tapu­tiae mino­ris) sind etwas grö­ßer als der Hanf­sa­men, oval, an dem einen Ende schief abge­stutzt, und ent­hal­ten unter einer roth­brau­nen, runz­lich­ten, zer­brech­li­chen, geschmack­lo­sen Scha­le einen wei­ßen, öhlich­ten Kern, der einen anfangs süßen Geschmack besitzt, wel­cher bey fer­nerm Kau­en anhal­tend bei­ßend und fres­send wird. Der gemei­ne Mann und die alte Pra­xis haben fünf bis zehn Kör­ner zum Pur­gi­ren ein­ge­ge­ben, die Aerz­te haben sie jedoch oft mit Eidot­ter zur Emul­si­on auf­gelößt. Dieß auf alle Fäl­le gewag­te Unter­neh­men hat aber oft so gefähr­li­che Fol­gen gehabt, daß man schon längst ihre Anwen­dung unter­las­sen hat. Sie sol­len schreck­li­ches Rei­ßen im Magen und den Gedär­men, und Blut­ab­gang von oben und unten zuwe­ge gebracht haben. Ueber­dem zeu­gen Ver­su­che an Thie­ren, daß Aus­lee­run­gen ihr Wir­kungs­kreis gar nicht eigent­lich sind, und daß sie viel­mehr krampf­haf­te Beschwer­den in den Respi­ra­ti­ons­or­ga­nen zuwe­ge bringen.

Das Wort Cata­pu­tiaist aus dem Wor­te Catapo­tia ver­dreht, wel­ches Pil­len bedeutet.

Das aus­ge­preß­te Oel dar­aus lie­ßen die Alten auf den Unter­leib ein­rei­ben, um Pur­gi­ren zu erregen.