Reis

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Reis, Ory­za com­mu­nis­si­ma, Lou­rei­ro.[Zorn, pl. med. tab. 579] mit vier­fü­ßi­gem Hal­me, ähren­för­mi­ger Ris­pe, meh­rent­heils ein­fa­chen Aeh­ren, lan­gen Gran­nen, und läng­lich­tem blas­sem Samen, eine Art Som­mer­ge­trei­de, unbe­kann­ten Vater­lan­des (Aethio­pi­ens?), wel­che häu­fig auf Java und Chi­na, sonst auch in Mai­land und Valen­cia auf unter Was­ser gesetz­ten, san­di­gen Aeckern gebau­et wird, und bin­nen sechs oder acht Mona­ten reift.

Die dicken, über zwei Lini­en lan­gen Samen (Sem. ory­zae), wie sie aus­ge­hül­set zu uns kom­men, sind hart, zer­brech­lich, weiß, durch­schei­nend und von unmerk­li­chem Geschma­cke. Sie schei­nen äußerst wenig Gewächs­leim und eben so wenig Zucker­stoff zu ent­hal­ten und größ­tent­heils aus Stärk­mehl zu bestehen, daher ihre so gerin­ge Gäh­rungs­fä­hig­keit, wel­che auch Ursa­che ist, daß der Genuß des Rei­ses ungleich weni­ger Blä­hun­gen, selbst bei schwäch­li­chen Per­so­nen erzeugt, als irgend eine bekann­te Mehlspeise.

Arz­nei­lich betrach­tet ist der Reis unter die Leib anhal­ten­den Din­ge gesetzt wor­den, eine Eigen­schaft, die er mit jedem Absu­de des Stär­ken­mehls gemein hat, als Dekokt genos­sen, oder als Klystir eingespritzt.

Mit dem nach Abschnei­dung der weib­li­chen Blü-then aus der Cocos nuci­feraund dem Bor­as­sus fla-bel­li­for­misflie­ßen­den, süßen Saf­te (Palm­wein genannt) und mit Zucker­si­rup gemischt, wird der Reis in Ost­in­di­en in Gäh­rung gesetzt, und dann aus dem ge-gohr­nen Gemi­sche durch Destil­la­ti­on jener star­ke Brannt­wein erhal­ten, den man Arak nennt, und aus Ben­ga­len über Eng­land zu uns bringt, ein Ingre­di­enz des so bekann­ten Punsches.

Der japa­ni­sche Reis, wel­cher, weit grö­ßer und wei­ßer, über­dieß weit schlei­mi­ger, wohl­schme­cken­der und süßer ist, rührt von Ory­za glu­ti­no­sa (Lou­reiro) mit brei­tern gelb­li­chen Blät­tern und kür­zern Gran­nen her, wird aber sel­ten oder nie nach Euro­pa gebracht.