Königswallnuß

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Königs­wall­nuß, Iuglans regia, L. [Zorn, pl. med. Tab. 517.] mit glat­ten, fein­ge­säg­ten, ziem­lich glei­chen Blät­tern, ein ursprüng­lich in Per­si­en ein­hei­mi­scher, im tem­per­ir­ten Euro­pa gezo­gner Baum, von ansehn­li­cher Höhe, wel­cher im Juny und July blüht.

Der rei­fen Nüs­se äuße­re grü­ne Scha­le (put­amen, cort. nucum iug­lan­dis virid., exte­ri­or) von herb­bit-term Geschma­cke, besitzt pur­gi­ren­de, wurmt­öd­ten­de Kräf­te, und wird mit Nut­zen auch als Absud in feuch­ten schwam­mi­gen Geschwü­ren (von wahr­schein­lich leben­di­gen Haut­schär­fen) und bei Mund­ge­schwü­ren und Schwämm­chen ange­wen­det. Der aus­ge­preß­te Saft die­ser grü­nen Nuß­scha­len wird zum innern Gebrau­che ent­we­der vor sich zum Dick­saf­te (extra­c­tum nucum iug­lan­dis), oder, mit Honig ver­mi­schet, (rhob nucum) abge­raucht. Was sie beim inner­li­chen Gebrau­che gegen vene­ri­sche Krank­hei­ten ver­mö­gen, scheint sehr zweifelhaft.

Zuwei­len erre­gen sie Erbre­chen, so wie die inne­re Rin­de des Stam­mes (cort. iug­lan­dis, cort. nucis), die man sonst als ein Brech­mit­tel ver­ord­ne­te, und deren Schär­fe man sich ehe­dem gegen Ent­zün­dungs­fie­ber bedien­te, ein Stück der fri­schen Rin­de auf die Hand­wur­zel oder die Fuß­so­len als ein bla­sen­zie­hen­des Mit­tel gelegt.

Der gewürz­haft wid­rig rie­chen­den und zusam­men­zie­hend schme­cken­den Blät­ter (fol. iug­lan­dis, fol. nucis) bedien­te man sich ehe­dem als eines schmerz­stil­len­den Mit­tels auf die podagri­schen Füße gelegt, theils frisch, theils mit Koch­salz bestreut, auf­be­wah­ret. Den Absud der Wur­zel (rad. iug­lan­dis, rad. nucis) rühm­te man gegen das vier­tä­gi­ge Fie­ber, auch sonst gegen gich­t­i­sche und Nie­ren­gries­schmer­zen inner­lich und äußerlich.

Die Blü­t­he {ndi nucis, iuli iug­lan­dis) ward in ältern Zei­ten als ein Brech­mit­tel gebraucht, mit Unrecht aber vor­zugs­wei­se hys­te­ri­schen Per­so­nen, und an Fall­sucht lei­den­den Kin­dern gegeben.

Die Ker­ne der Nüs­se geben fast die Hälf­te ihres Gewichts an süßem, mil­dem, gel­bem, leicht rau­zicht wer­den­dem Oele (ol. nuc. iugl.), wel­ches in der Käl­te nicht gerinnt, und 0, 920 spe­zi­fi­sche Schwe­re hat. Zu fünf Unzen nüch­tern genom­men und eini­ge Zeit dar­auf etwas weni­ger Ali­kan­ten­wein nach­ge­trun­ken, hat, meh­re­re Tage fort­ge­setzt, sich als ein wirk­sa­mes ant-hel­m­in­thi­sches Mit­tel selbst gegen den Band­wurm erwie­sen. Eben die­ses Oel ist mit Nut­zen (ver­muth­lich in ran­zi­gem Zustan­de, als Reit­zmit­tel) gegen Fle­cken der Horn­haut ange­wen­det wor­den. Die Mahler bedie­nen sich des­sel­ben vor­züg­lich sei­nes schnel­len Trock­nens wegen.

Das Ober­häut­chen der Nüs­se (epi­der­mis nuc. iugl.), vor­züg­lich in ihrem fri­schen Zustan­de abge­zo­gen, ist in (unbe­stimm­ten) Koli­ken als Pul­ver gebraucht worden.