Frost

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Frost. Die­ser Zustand von ver­min­der­ter Wär­me, wo Was­ser zu Eis gerinnt, den man nach dem Reau­mü-rischen Wär­me­mes­ser durch 0, nach dem Fah­ren­heit-ischen aber durch 32° aus­ge­drückt sieht, ist bei phar-maceu­ti­schen Arbei­ten von gro­ßem Nut­zen, und ein guter Arbei­ter muß die­se Zeit sorg­fäl­tig in Acht nehmen.

Bei die­ser und noch grö­ße­rer Käl­te las­sen sich die feins­ten Geis­ter, und die leich­tes­ten äthe­ri­schen Oele, der stärks­te Wein­geist, die ver­schied­nen Aether­ar­ten, das Thier­öl u.s.w. theils unter dem mög­lichst gerings­ten Ver­lus­te, theils in ihrer größ­ten Rei­nig­keit destil-liren.

Der Essig, vor­züg­lich der destil­lir­te, wird durch die Frost­käl­te fast ohne den min­des­ten Ver­lust in die Enge gebracht und kon­zen­trirt, indem der wäs­se­ri­ge Theil dar­inn zu blät­te­ri­gen Eis­schol­len gefriert, wel­che man auf höl­zer­ne Sie­be legt und abtröp­feln läßt. Die noch übri­ge Flüs­sig­keit ist der durch Frost ver­stärk­te Essig (ace­tum per fri­gus con­cen­tra­tum).

Die Wur­zel der Meer­zwi­bel darf blos in Diges­ti­ons­wär­me gut getrock­net wor­den seyn, um sich in der Frost­käl­te leicht und bequem pül­vern zu lassen.

Die meis­ten Schleim­har­ze, vor­züg­lich das Ammo-niak-Gal­ba­num-Saga­pen-Panax­gum­mi, stin­ken­der Asant las­sen sich nur in star­ker Frost­käl­te fein pülvern.

Ver­schied­ne Sal­ze, als das Glau­ber­salz, der Sal­pe­ter u.s.w. schie­ßen bey star­kem Fros­te in grö­ße­re und rei­ne­re Krystal­len an, und die Lau­gen krystal­li­si­ren sich rei­ner aus, so daß ihre Berei­tung und Rei­ni­gung am vort­heil­haf­tes­ten bei Win­ter­käl­te unter­nom­men wird.