Fünftes Buch

Dioskurides Arzneimittellehre, Seite 513
wie möglich ist, in dessen Ermangelung Natron zu und verarbeite es in der Sonne zur Zeit der Hundstagshitze, bis es eine grünspanartige Farbe und eine zähe Consistanz hat, sodann bringe es in den Rosenpastillen ähnliche wurmartige Formen und bewahre sie auf. Er wird aber kräftig und von schöner Farbe, wenn man 1 Theil Essig nimmt, 2 Theile alten Urin und das Uebrige, wie angegeben ist. Einige mischen dem misslungenen abgekratzten Grünspan Essig zu, formen ihn zu Pastillen und verkaufen ihn, diesen muss man als schlecht verwerfen. Es gibt auch einen von den Goldarbeitern mittelst eines kupfernen Mörsers sammt Keule und Knabenurins hergestellten Grünspan, mit dem sie das Gold löthen. Im Allgemeinen entsprechen die vorgenannten Arten Grünspan dem gebrannten Kupfer, haben aber eine viel kräftigere Wirkung. Man muss aber wissen, dass von diesen der als Mineral vorkommende wurmförmige die erste Stelle einnimmt, die zweite der abgekratzte. Dann kommt der sonst gemachte. Beissender und mehr adstringirend ist allerdings dieser; der der Goldarbeiter entspricht dem abgekratzten. Alle Sorten Grünspan haben die Kraft, zu adstringiren, zu erwärmen, die Narben auf den Augen wegzuglätten, zu verdünnen, Thränen hervorzurufen, fressende Geschwüre aufzuhalten, Wunden vor Entzündung zu schützen und mit Oel und Wachs Geschwüre zu vernarben. Mit Honig gekocht reinigen sie Geschwüre von wildem Fleisch und Schmutz. Mit Ammoniakum zu Kollyrien angewandt vertilgen sie Fisteln und wildes Fleisch. Hilfreich sind sie bei Geschwülsten und Auswüchsen des Zahnfleisches; besonders gut verdünnen sie, mit Honig aufgestrichen, (geschwollene) Augenlider, man muss sie aber nach dem Einschmieren mit einem Schwamm aus warmem Wasser bähen. Mit Terpentinharz, Kupfer und Natron gemischt vertreiben sie den Aussatz. Wenn du den Grünspan brennen willst, so geschieht es auf diese Weise: Zerstosse ihn zu gröblichsten Pulver und bringe ihn in einen irdenen Tiegel, setze ihn zwischen glühende Kohlen und rühre um, bis er sich verändert und eine aschgraue Farbe angenommen hat; zuletzt kühle ihn ab, hebe ihn auf und wende ihn an. Einige rösten ihn in einem rohen irdenen Tiegel wie oben angegeben; aber er verändert sich beim Brennen nicht immer zu derselben Farbe.
Cap. 93. Eisenrost.
Der Eisenrost adstringirt, im Zäpfchen eingelegt stellt er den Fluss der Frauen, innerlich genommen verhindert er die Empfängniss. Mit Essig ausgestrichen heilt