Waldmeistermeserich

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Wald­meis­ter­me­se­rich, Aspe­ru­la odo­ra­ta, L. [Zorn, pl. med. tab. 82] mit zu acht um den Sten­gel ste­hen­den, lan­zet­för­mi­gen Blät­tern und gestiel­ten Blu­men­bü­scheln; ein kaum fuß­ho­hes Kraut mit mehr­jäh­ri­ger Wur­zel in schat­ti­gen, ber­gich­ten Wäl­dern, wel­ches im Mai und Juny weiß blüht.

Das Kraut (Hb. Aspe­ru­lae, Matri­syl­vae, Hepa­ti­cae stel­la­tae) hat im fri­schen Zustan­de kei­nen, wel­kend aber und tro­cken einen star­ken, Ambra und Me-loten ähn­li­chen, dau­ern­den Geruch, und einen gru-sich­ten, bit­ter­li­chen Geschmack; es ent­hält viel ad-strin­gi­ren­des Wesen. Man schreibt ihm erhei­tern­de Kräf­te zu in Wein und Bier infun­dirt (wel­chen bei­den es einen ange­neh­men Geschmack und Geruch mitt­heilt), und aus­ser­dem noch eine Men­ge unbe­grün­de­ter Tugen­den, (unbe­kann­te und unge­seh­ne) Ver­stop­fun­gen der Ein­ge­wei­de­ge­fä­ße zu heben, inne­re Ver­här­tun­gen zu zert­hei­len, das unrei­ne Blut (?) zu bes­sern, Gelb­sucht, Krät­ze, Fall­sucht, ja selbst die Was­ser­scheu durch innern Gebrauch, und durch äus­se­re Anwen­dung Geschwü­re zu hei­len und Geschwüls­te zu zert­hei­len. Die geis­ti­ge Tink­tur der Blu­men hat man in der Läh­mung ange­prie­sen. Es ist aber nie ernst­li­cher arz­nei­li­cher Gebrauch davon gemacht wor­den; blos die Empi­rie wen­de­te es als Haus­mit­tel an, und so blie­ben sei­ne wah­ren Eigen­schaf­ten unbekannt.

Unrich­tig wird statt des­sel­ben oft das hohe, dünns­teng­lich­te Kraut des Wald­stroh­me­gers, Gali­um syl-vati­cum, L. [Hop­pe, Ect. tab. 163] mit glat­ten, unter­wärts rau­hen, zu acht um den glat­ten Sten­gel, und zu zwei unter den Blüt­hen ste­hen­den Blät­tern, und haar­för­mi­gen Blüt­hen­stie­len, gesam­melt, wel­ches auch weit und getrock­net geruch­los bleibt.