
Wirkung
Lonicerus1 schreibt den Elefantenlausfrüchten die seltene Kraft zu, das Gedächtnis zu stärken, Vergeßlichkeit zu vertreiben und den Verstand zu schärfen. Sie sollen weiter gegen Gliederlähmungen helfen, und der Fruchtsaft soll die Warzen vertreiben. Allerdings weist Lonicerus darauf hin, daß der Saft auch die Haut aufätze.
Den Kernen kommt nach v. Haller2 magenstärkende und stimulierende Kraft zu, das Mark fand äußerliche Anwendung gegen zirrhöse Verhärtungen und Hühneraugen.
Die Volksmedizin benützt die westindischen Früchte als Hautableitungsmittel bei Zahnweh, Ohrenschmerz und Ophthalmien3.
Bartels4 behauptete, daß die Wirkung lokal beschränkt sei und ein weniger massiges Exsudat als Cantharis liefere, während
Lewin5 ausgedehnte Hauterkrankungen nach dem Gebrauch von Anacardium feststellte. So entwickelte sich z. B. bei einer Frau, die sich wegen Zahnschmerzen eine halbe Bohne ins Ohr gesteckt hatte, ein riesiges Erysipel: aufgedunsenes Gesicht, serös infiltrierte Augenlider, Schwellung und Rötung von Ohr, Wange, vorderer Halsgegend bis zur Clavicula, blasige Abhebungen am äußeren Gehörgang, an der Ohrmuschel und den umgebenden Hautpartien. In einem anderen Falle verursachte eine wegen Brustschmerzen aufgelegte Bohne ein Erysipel, das sich über die ganze Brustwand, die Mammae und die Schultergegend bis zum Unterkiefer erstreckte und zahlreiche Blasen aufwies.
Touton6 stellte fest, daß die durch Anacardium erzeugten Dermatitiden Verbrennungen zweiten Grades gleichen. Auch ich beobachtete bei einer Person, die Anacardium verarbeitet hatte, ein vesikuläres Ekzem, wie es die folgende Abbildung zeigt.

Ekzem, hervorgerufen durch Anacardium bei der Verarbeitung der Samen.
In der Homöopathie7 wird Anacardium orientale bei Magenschmerzen der Neurastheniker, bei Verdauungsschwäche mit großer Trägheit des Darmkanals, bei Gedächtnisschwäche und ‑verlust und bei juckenden Hautkrankheiten, wie gewissen Formen von Urtikaria, Ekzemen und Pemphigus verordnet. Als charakteristisch für Anacardium gilt das in allen Teilen des Körpers auftretende Gefühl eines dumpfen Druckes, “wie wenn ein Pflock hineingetrieben würde”.
Die Fruchtschale enthält als wichtigsten Bestandteil Cardol, ferner einen scharfen öligen Saft mit schwarzfärbender Substanz (“Tintennüsse”), Brenzkatechin und ein scharfes Phenol Anacardol8.
Cardol verursacht, auf die Haut gebracht, erysipelatöse oder pustulatöse Dermatitis, nach Verabreichung per os heftige Gastroenteritis, motorische Lähmungen und Respirationsstörungen9.
Der wirksame Bestandteil der beiden Arten, das Cardol, ist bei Anacardium occidentale und orientale nicht der gleiche. Kuhn und Schäfer10 zeigten, wie man das Cardol unterscheiden kann. Der Verdampfungsrückstand der Dilution wird mit Äther extrahiert. Der Verdampfungsrückstand des Ätherauszuges löst sich bei Anacardium orientale in Salpetersäure mit braunroter Farbe, bei Anacardium occidentale entsteht erst eine rosa und dann eine braune Färbung. In Kalilauge löst sich der Rückstand mit grüner bei Anacardium orientale und bei Anacardium occidentale mit blaßroter Farbe.
Eine interessante Selbstvergiftung beschrieb Basiner11.