
Inhaltsstoffe und Pharmakologisches:
Das in der älteren Literatur als wirksamster Bestandteil der Droge angegebene Adonidin (in der Wurzel 2%) ist wahrscheinlich ein Gemenge aus dem neutralen und dem sauren Glykosid, der Adoninsäure. Mercier und Hoffmann-LaRoche isolierten zwei nicht hämolysierende Glykoside aus Adonis: das Glykosid I, ein amorphes, wasserlösliches, schwach gelbliches Pulver, und das Glykosid II, ein ebenfalls amorphes, leicht gelbliches, aber in Wasser unlösliches, dagegen in Alkohol, Chloroform und Essigester leicht lösliches Pulver. Die Zuckerkomponente des Glykosids II soll der Digitoxose nahestehen16. Weiter enthält Adonis u. a. 4% Zuckeralkohol Adonit, die – neuerdings auch bestrittene – Aconitsäure, Cholin und Harz17.
Die Adonisglykoside zeigen die charakteristischen Wirkungen der digitalisartigen Glykoside18, sie zählen zu den sogenannten Digitalisglykosiden 2. Ordnung und kumulieren nur wenig. So zeigten an Katzen durchgeführte Versuche, daß nach Injektionen von 60% der Dosis letalis minima vom Adonisglykosid I nach 48 Stunden nur noch 9%, vom Adonisglykosid II noch 15,7% der Dosis letalis minima nachweisbar waren. Nach fünfmal 24 Stunden konnte überhaupt kein Glykosid gefunden werden. Einzelheiten über Digitalisglykoside siehe im Kapitel Digitalis purpurea.
Hatcher und Haag19 fanden, daß Adonis außer der fehlenden Kumulation Digitalis gegenüber keine Vorteile besitze, aber klinisch als Digitalisersatz Verwendung finden könne.
Allerdings scheint Adonis durch starke Erregung der glatten Muskulatur auf den Verdauungskanal stärker reizend zu wirken als Digitalis20.
Nach Huchard und Hare21 erhöht Adonis die arterielle Spannung, während es nach Lemoine22 nur durch Beschleunigung der Zirkulation wirkt.
Die Adonisglykoside erzeugen eine periphere Gefäßverengerung und dadurch – in toxischen Dosen – Blutdruckerhöhung23.
Therapeutisch wertvoll ist die kräftige diuretische Wirkung24, die außer durch den indirekten Weg über das Herz und das Gefäßsystem auch direkt durch Reizung des Nierenparenchyms erzeugt wird25. Wahrscheinlich wird sie durch andere Stoffe als durch Adonidin verursacht26, so daß sich auch hier wieder die Verordnung der ganzen Pflanze an Stelle der Einzelsubstanz empfiehlt (Verf.). Die Ausscheidung von Harnstoff und Chloriden wird durch Adonis ebenfalls gefördert27.
Das alkohollösliche Adonisglykosid besitzt außer der diuretischen auch sedative Wirkung, die wohl als Ursache der von Bechterew28 beschriebenen antiepileptischen Heilkraft der Adonis anzusprechen ist29.
Die Adonidinsäure hat hämolytische Eigenschaften30.
Die nach größeren Adonidingaben auftretenden Vergiftungserscheinungen äußern sich durch Erbrechen, Diarrhöe (nach Tagesgaben von 0,03 mg)31, Magenbeschwerden und nervösen Störungen32.
Durand33 beobachtete scharfen Geschmack und einen Zustand der Übelkeit, der noch 12 Stunden nach dem Erbrechen anhielt. Bei Hunden traten Unruhe, Salivation, Vomitus, Erregung mit nachfolgender Lähmung und schließlich Exitus im Koma ein. Nach intravenöser Injektion war der Puls zunächst verlangsamt und der Blutdruck leicht erhöht, dann trat Tachykardie auf34.
Bei Krankheiten der Aorta, Arteriosklerose und in der ersten Periode der interstitiellen Nephritis ist Adonidin infolge seiner die Gefäßspannung erhöhenden Wirkung kontraindiziert35.
Redonnet36 fand, daß Adonidin Merck und Adoverne Roche per os gegeben nur schwach toxisch wirkten, während ihre Toxizität bei intravenöser Injektion um das 40fache stieg. Er warnt davor, Kranken im Anschluß an Digitalismedikation Adonispräparate, namentlich intravenös, zu verabreichen.
Über die einzelnen Stadien der Adoniswirkung auf das Herz berichtet eingehend eine Dissertation von Erelman37; über die Wirkungsdifferenzen von Adonisdrogen aus verschiedenen Erntejahren gibt Mochnačeva38 eine Übersicht.
Adonisblätter sind durchschnittlich weniger wirksam als Digitalisblätter, auch unterliegt ihre Wirksamkeit auffallenden Schwankungen, so daß 1 g Blätterpulver zwischen 300 und 1200 Froschdosen enthalten kann. Diese Wirksamkeitsschwankungen scheinen nach Weese39 auf dem raschen enzymatischen Abbau der Glykoside beim Trocknen zu beruhen. In der mit besonder Vorsicht hergestellten “Teep”-Zubereitung fand ich bis 3900 FD. pro g Trockensubstanz, in der homöopathischen Tinktur 500 FD. pro 1 ccm.
Während Brot40 eine aus alten Blättern bereitete Tinktur unverändert haltbar fand, stellten Hatcher und Haag41 fest, daß die Adonistinktur in 9 Monaten bereits 35% ihrer Wirksamkeit verliert. Ich fand bei wäßrigen Lösungen, die im Kühlschrank aufbewahrt wurden, dennoch eine Wirkungsabnahme von ca. 20% in 2 Monaten.
Nach Jaretzky42 sind die herzwirksamen Adonisglykoside ungleichmäßig über die Organe von Adonis vernalis verteilt, hauptsächlich liegen sie in den Stengeln und Blättern vor.
Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):
Italien: Als Diuretikum und Kardiakum, bei chronischer Nephritis.
Polen: Bei Hydrops.
Ungarn: Bei Nierenschmerzen und Nierensteinen.