Kropfschwamm

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Kropf­schwamm, Spon­gia offi­ci­na­lis, L. ein gestalt­lo­ses, etwas ästi­ges, zähes, rau­ches, fein­lö­che­rich­tes Zoo­phyt von gilb­li­cher oder bräun­li­cher Far­be, und gerin­gem, unan­ge­neh­mem Geru­che, wel­ches im mit­tel­län­di­schen Mee­re an Fel­sen fest anhän­gend gefun­den wird.

Die weichs­ten, nach­gie­bigs­ten, hell­far­bigs­ten und fein­lö­che­rigs­ten Stü­cken, der eigent­li­che Bade­schwamm (spon­gia mari­na) wer­den zum chir­ur­gi­schen Gebrau­che am meis­ten geschätzt, das Blut aus fri­schen Wun­den hin­weg­zu­neh­men, zum Auf­neh-mungs­mit­tel der Bähungs­flüs­sig­kei­ten; zum Ver­ban­de all­zu feuch­ten­der Geschwü­re, und zur Berei­tung des Preß­schwamms (spon­gia prae­pa­ra­ta), einer alt­mo­di-gen, nacht­hei­li­gen Art, statt des heil­sa­men Mes­sers, fis­tu­lö­se Geschwü­re zu erwei­tern, wel­cher ent­steht, indem man dünn­ge­schnit­te­ne, rei­ne, trock­ne Schei­ben Schwamm in geschmol­ze­nes gel­bes Wachs taucht und stark aus­preßt; der Wund­arzt schnei­det selbst dar­aus die erfor­der­li­chen Wieken.

Die grö­be­re, här­te­re, wohl­fei­le­re Sor­te, mit grö­ßern Löchern, der Roß­schwamm und die klei­nern Stü­cken davon (frag­men­ta spon­gi­arum) wer­den blos zum in-nern Gebrauch ange­wen­det, und zu die­ser Absicht ver­koh­let (spon­gia usta, tos­ta), ent­we­der so, daß man den gerei­nig­ten, klein geschnit­te­nen Schwamm in einer ver­deck­ten Pfan­ne oder einem bedeck­ten Schmelz­tie­gel glü­hen läßt und so gänz­lich zu Koh­len brennt, oder wie And­re für bes­ser hal­ten, in einer Kaf­fee­trom­mel nur gelind rös­tet, bis sie durch­gän­gig schwarz­braun und zer­reib­lich wer­den. Im erstern Fal­le sind blos Koh­le und Kalk­er­de, nebst etwas Koch­salz die Bestandt­hei­le, im letz­tern, auch ein bränz­lich­tes Thieröl.

Die Alten schrie­ben dem gebrann­ten Schwam­me eine eröf­nen­de und anti­s­kor­bu­ti­sche Kraft zu. Jetzt wird er blos zur Ver­trei­bung der Kröp­fe ange­wen­det, nicht ohne Erfolg, wie ich gesehn, wenn noch erhit­zen­de Gewür­ze dazu gesetzt werden.