Konserven

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Kon­ser­ven, oder Kräu­ter­zu­cker (con­ser­vae) nennt man eine Arz­nei­be­rei­tung, wo fri­sche Pflan­zen-thei­le, auch wohl ani­ma­li­sche Sub­stan­zen, in einem stei­ner­nen Mör­sel mit höl­zer­ner Keu­le zu einem fei­nen Brei gesto­ßen, innig mit Zucker gemischt, und so in glä­ser­nen Gefä­ßen vor der Ver­derb­nis mög­lichst auf­be­wah­ret wer­den. Die Wur­zeln wer­den klein geschnit­ten, die Blät­ter von den Stie­len, und die Blu­men von den Kel­chen befreit. Zu weni­ger saft­vol­len Sub­stan­zen setzt man Einen, zu saft­rei­chern bis zwei Thei­le Zucker am Gewich­te. So viel braucht die Rosen‑, die Erdrauch‑, die Löffelkraut‑, die Kellerasselkonserve.

Die­se Arz­nei­form hält sich aber doch nicht lan­ge; sie gäh­ren und wer­den sau­er, oder sie schim­meln. Kaum daß sie drei bis vier Mona­te unver­dor­ben blei­ben. Man gie­bt den Rath, die Mischung mit Zucker durch ein gelin­des Abko­chen bis zur Mala­xir­kon­si-stenz ein­zu­di­cken, um eine halt­ba­re­re Kon­ser­ve zu erhal­ten, aber weni­ge zur Kon­ser­ve bestimm­ten Dro­qu-en ver­tra­gen die­se Hit­ze, wel­che weit über den Punkt des sie­den­den Was­sers steigt, ohne Ver­lust ihrer Kräfte.

Die Pflan­zen getrock­net, gepül­vert und in ver­stopf­ten Glä­sern auf­be­wahrt, auf der Stel­le zu Kon­ser­ven zu mischen mit vier Thei­len Zucker und etwas Was­ser – ist noch ein and­rer Rath der Ver­derb­nis aus­zu­wei­chen. Die­se Form ist aber nur eine Lat­wer­ge, in Kon­sis­tenz und Kräf­ten gar weit von der aus der fri­schen Sub­stanz berei­te­ten Kon­ser­ve ver­schie­den. Durch Trock­nen und Pül­vern geht z.B. alle Kraft der kreß­ar­ti­gen Pflan­zen verloren.

Die Unhalt­bar­keit uns­rer Kon­ser­ven liegt unstrei­tig in der kal­ten Berei­tung, wobei der selbst durch Rei­ben nicht auf­ge­lö­se­te Zucker die zur Gäh­rung dis­po-niren­de über­schüs­si­ge Feuch­tig­keit des fri­schen Pflan­zent­heils in sich zu neh­men nicht ver­mö­gend ist; ganz wider den Sinn der alten Erfin­der die­ser Arz­nei­form, wel­che fort­ge­setz­te Son­nen­wär­me dazu anwen­de­ten, und so durch inni­ge Auf­lö­sung des Zuckers in dem Pflan­zen­saf­te eine kon­sis­ten­te­re, weni­ger gäh-rungs­fä­hi­ge Mischung erhielten.

Die­se Absicht zu errei­chen, darf man nur die brei­ar­tig gesto­ße­ne Pflan­zen­sub­stanz in einen star­ken stei­ner­nen Mör­sel schüt­ten, wel­cher vor­her bin­läng­lich lan­ge, bis zur völ­li­gen Erhit­zung in einem Kes­sel sie­den­den Was­ser gestan­den hat, und das ver­hält­niß-mäßi­ge Gewicht (zwei Thei­le Zucker gegen einen Theil des aus der Pflan­ze zu pres­sen­den Saf­tes) zur Tafel­kon­sis­tenz gekoch­ten und fein gepül­ver­ten (durch fei­nes Haar­sieb geschla­ge­nen) Zuckers dazu thun, und in die­sem etwa bis 210° Fahr. erhitz­ten Mör­sel das Gemisch eini­ge Zeit, etwa eine hal­be Stun­de, mit dem höl­zer­nen Pistill rei­ben, bis der Zucker völ­lig auf­ge­löst ist. Die wär­me Mischung thut man in Ein­mach­glä­ser, ver­bin­det sie mit Bla­se und setzt sie in einen recht trock­nen Kel­ler, oder ein vor Som­mer­hit­ze und Win­ter­frost geschütz­tes Gewöl­be. Nun ist, durch den Zucker hin­weg­ge­nom­men, so wenig Feuch­tig­keit in der Mischung, daß nicht nur kei­ne Gäh­rung oder Zer­set­zung ent­ste­hen kann, son­dern daß so gar in eini­gen Wochen der Zucker kan­dirt und theils eine von der Luft undurch­dring­li­che Krus­te dar­über setzt, theils klei­ne Zucker­krystal­len an den Fasern der Gewächs­sub­stanz anschie­ßen läßt, und so hält sich die Kon­ser­ve weit län­ger als ein Jahr, unver­sehrt an Geruch, Far­be, Geschmack und Kräften.

Ist man etwas davon benö­thigt, so darf es nur in einem Mör­sel zer­rie­ben wer­den, daß alle Zucker­krystal­len verschwinden.

Die dabei ange­wand­te Wär­me ist nicht hin­rei­chend, selbst die kreß­ar­ti­gen Pflan­zen in ihrer Kraft zu mindern.

Die Kräu­ter zu den Kon­ser­ven müs­sen in trock­nem Wet­te ein­ge­sam­melt seyn. Die fri­sche Scha­le der Zitro­nen und Pome­ran­zen wird mit einem Reib­ei­sen abge­rie­ben, mit fein gestoß­nem Zucker ver­mischt; und in einer ver­stopf­ten Fla­sche etli­che Wochen ste­hen gelas­sen; denn läßt sich das Gemen­ge leicht zu einem Breie und auf obi­ge Wei­se zur halt­ba­ren Kon­ser­ve bereiten.

Man wen­det die Kon­ser­ven gewöhn­lich zur Berei­tung der Bis­sen, Pil­len und Opi­ate an, und sie die­nen ihnen zugleich als Wir­kung ver­stär­ken­de Mit­tel, wenn sie die fri­sche Pflan­zen­sub­stanz in allen ihren Kräf­ten auf­be­wahrt enthalten.