Fünftes Buch

Dioskurides Arzneimittellehre, Seite 557
zwischen den Fingern gerieben ist sie aber auch etwas rauh, als ob sie ein leises Geräusch verursachte, ähnlich dem, wenn auf Bimsstein gerieben wird. Sie hat eine dem Alaun ähnliche, aber viel schwächere Kraft, was sich auch durch den Geschmack offenbart, trocknet auch leicht die Zunge. Ferner vermag sie den Körper zu reinigen und ihm eine gute Farbe zu verschaffen. Sie macht die Haare dünn und beseitigt weisse Flecken und Aussatz. Weiter dient sie den Malern zur grösseren Haltbarkeit der Farben und unterstützt die Heilkraft der grünen Mittel. Von dieser wie überhaupt von jeder Erde muss die steinfreie und frische gewählt werden, welche weich, leicht zerreiblich ist und, wenn sie nass gemacht wird, leicht zergeht.
Cap. 180 (181). Weinstockerde.
Von der Weinstockerde, welche Einige auch Pharmakitis nennen und die bei Seleukia in Syrien entsteht, muss man die schwarze auswählen, welche grossen Fischtenknollen ähnlich, feinsplitterartig und ebenso glänzend ist, welche ferner nicht schwer zerfliesst, wenn sie fein gerieben mit etwas Oel übergossen wird. Die dünne, aschfarbige und nicht zerfliessende ist für schlecht zu halten. Sie hat vertheilende und kühlende Kraft, wird auch zu den Verschönerungsmitteln der Augen und zum Färben der Haare benutzt und dient zum Bestreichen der Weinreben zur Zeit des Treibens, da sie die daran befindlichen Würmer (Insecten) tödtet.
Cap. 181 (182). Russ.
Der Russ, welchen die Maler gebrauchen, wird aus den Glashütten geholt, denn dieser ist der beste. Er hat ätzende, adstringirende Kraft. Mit Rosenwachssalbe bildet er bei Brüchen Narben.
Cap. 182 (183). Tinte.
Die Tinte, mit der wir schreiben, wird aus dem Kienruss gemacht; zu 1 Unze Gummi werden 3 Unzen Russ gemischt. Sie wird aber auch aus dem Harzruss und dem vorhin genannten Malerruss bereitet; man muss 1 Mine Russ, 1/2 Pfund Gummi, 1 1/2 Unzen Stierleim und 1 1/2 Unzen Vitriol nehmen. Sie dient gegen Fäulniss und Verbrennungen, wenn sie mit Wasser dick