Dioskurides Arzneimittellehre, Seite 23

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Dio­s­ku­r­i­des Arz­nei­mit­tel­leh­re, Sei­te 23

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Cap. 1. Iris.

Iris ger­ma­ni­ca, Iris flo­ren­ti­na (Iri­daceae) – Deut­sche und Flo­ren­ti­ni­sche Schwertlilie

Die Iris [die Einen nen­nen sie die illy­ri­sche, die Ande­ren Thel­pi­de, die himm­li­sche, rei­ni­gen­de, wun­der­ba­re, die Römer mari­ca, auch Gla­dio­lus, Opertri­tos, Con­se­cra­trix, die Aegyp­ter Nar ist nach der Aehn­lich­keit mit dem Regen­bo­gen benannt. Sie hat der Sieg­wurz ähn­li­che Blät­ter, aber grös­ser, brei­ter und glän­zen­der. Die Blüt­hen ste­hen auf Stie­len in glei­cher Ent­fer­nung, sind zurück­ge­bo­gen, ver­schie­den­ar­tig gefärbt, denn man sieht weis­se, blass­gel­be, pur­pur­far­bi­ge oder bläu­li­che, dar­um wird sie wegen der Far­ben­ver­schie­den­heit dem Regen­bo­gen am Him­mel ver­gli­chen. Die Wur­zeln dar­un­ter sind geglie­dert, fest, wohl­rie­chend; die­sel­ben wor­den abge­schnit­ten, im Schat­ten getrock­net und, auf eine Schnur gezo­gen, auf­be­wahrt. Die bes­te ist die illy­ri­sche und make­do­ni­sche, und unter die­sen ver­dient den Vor­zug die mit Wür­zel­chen dicht besetz­te, hie und da ver­stüm­mel­te, schwer zu bre­chen­de Wur­zel, wel­che von hell­gel­ber Far­be, sehr wohl­rie­chend ist und auf der Zun­ge brennt, [wel­che einen rei­nen Geruch hat und nicht feucht ist], und beim Zer­stos­sen Nie­sen erregt. Die liby­sche ist gerin­ger an Kraft, hat eine weis­se Far­be und bit­te­ren Geschmack. Beim Ael­ter­wer­den ver­fal­len sie dem Wurm­fras­se, wer­den aber wohl­rie­chen­der und haben erwär­men­de Kraft, ver­trei­ben, mit dop­pelt so viel weis­ser Nies­wurz auf­ge­legt, Son­nen­brandf­ler­ken und Leber­fle­cken. Sie fül­len die Geschwü­re mit Fleisch aus, ver­dün­nen die schwer aus­zu­wer­fen­den Flüs­sig­kei­ten und beneh­men einem ver­der­ben­brin­gen­den Mit­tel die Kraft, wenn sie mit Honig­me­th genos­sen wer­den. Sie sind aber auch schlaf­ma­chend, ver­ur­sa­chen Thrä­nen und hei­len Leib­schnei­den. Mit Essig genom­men sind sie denen heil­sam, die von gif­ti­gen Thie­ren gebis­sen sind, eben­so auch Milz­süch­ti­gen und denen, die an Krämp­fen lei­den, die von Käl­te und Frost­schau­ern ergrif­fen sind und denen, die an Samen­fluss lei­den. Mit Wein genom­men, beför­dern sie die Kata­men­i­en, auch ist die Abko­chung davon zu Bähun­gen für Frau­en sehr geeig­net, indem sie die Stel­len erweicht und öff­net. Mit Honig als Pas­te ein­ge­führt, zie­hen sie den