Alaun

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Alaun, (eigent­li­cher Thon­vi­tri­ol­salz) (Alu­men cru-dum.) Die­ses gemei­nig­lich aus thon­ar­tig eisen­kie­si­gen Mine­ra­li­en durch Kunst berei­te­te erdi­ge Mit­tel­salz; besteht aus unge­fähr 24 Thei­len Vitri­ol­säu­re, 18 Thei­len Alaun­erde und 58 Thei­len Was­ser, und löset sich bei 53° Fah­renh. in 6 Thei­len, bei star­ker Hit­ze aber in 1/​3 sei­nes Gewichts Was­ser auf; von Wein­geist wird es dar­aus nie­der­ge­schla­gen, und sei­ne Gegen­wart in damit ver­fälsch­ten Wei­nen am bes­ten entdeckt.

Die Gestalt sei­ner Krystal­len ist gewöhn­lich acht­sei­tig, näm­lich kur­ze, an bei­den Enden abge­stutz­te, sechs­sei­ti­ge Säu­len, doch auch zuwei­len mit einer sechs­sei­ti­gen End­spit­ze; ein wei­ßes durch­sich­ti­ges Salz von süß­lich styp­ti­schem, höchst zusam­men­zie­hen­dem etwas ekel­haf­tem Geschma­cke, wel­ches die blau­en Pflan­zen­säf­te röthet.

Die eig­ne, in ihm ent­hal­te­ne (Alaun-) Erde (ter­ra alu­mi­no­sa) ist der Haupt­be­standt­heil des Thons. (Sie scheint nie zu arz­nei­li­chen Absich­ten gebraucht wor­den zu seyn, wie­wohl sie in Säu­re erzeu­gen­der Magen­schwä­che und in Durch­fäl­len von Schlaff­heit des Spei­se­ka­nals ein vor­züg­li­ches Hülfs­mit­tel zu seyn scheint. Sie wird am bes­ten aus einer Alaun­auf­lö­sung durch kaus­ti­sche Lau­gen­sal­ze nie­der­ge­schla­gen, aus­ge­süßt, durch Fil­tri­ren der Wäs­se­rig­keit beraubt, und jäh­ling getrocknet.) 

Auf dem Feu­er blä­het der Alaun sich auf, läßt sein Krystal­li­sa­ti­ons­was­ser, aber wenig von sei­ner Säu­re (Alaun­spi­ri­tus) fah­ren, und wird dann zu einem bei­zend styp­ti­schen Pul­ver, wel­ches man gebrann­ten Alaun nennt.

Zink, Eisen und Kup­fer schei­den aus sei­ner Auf­lö­sung in der Wär­me die Alaun­erde von der Säu­re als einen wei­ßen Nie­der­schlag ab.

Die gelb­li­chen unrei­nen Alaun­sor­ten sind ver­werf­lich; sie ent­hal­ten Eisen, selt­ner Kup­fer. Man ent­deckt letz­te­res Metall dar­in, wenn man die Auf­lö­sung mit luft­säu­re­hal­ti­gem Sal­mi­ak­geis­te über­sät­tigt; dann wird die blaue Far­be der Lau­ge das Kup­fer zeigen.

Inner­lich ist der Alaun als ein sehr siche­res Mit­tel gegen Blut­flüs­se zu 10 bis 20 Gran, öfters gege­ben, emp­foh­len wor­den; äus­ser­lich aber in Auf­lö­sung zur Stär­kung schwa­cher Thei­le aller Art. Gebrannt und als Pul­ver auf­ge­streut wirkt er in unrei­nen Geschwü­ren als ein Beitzmittel.