Wurmsamen

Hahnemanns Apothekerlexikon
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Wurm­sa­men (Semen Cinae, Zinae, Sinae, Semen sanc­tum, Semen San­to­ni­ci, s. Lum­bri­corum, Semen con­tra ver­mes, Semen Con­tra, Semen­ti­na, und, wegen des ähn­li­chen Geruchs der Zit­wer­wur­zel, wie­wohl unei­gent­lich Sem. Zedo­ariae) besteht aus klei­nen, leich­ten, läng­lich­ten, bräun­lich­grü­nen oder gelb­grü­nen Blu­men­köpf­chen mit Blu­men­kelch­schup­pen dar­an, mit dün­nen Stiel­chen, und Spreu­blätt­chen ver­mischt, von star­kem, duf­ten­dem, ziem­lich wid­ri­gen, bal­sa­mi­schem Geru­che dem des Trau­ben­gän­se­fu­ßes ähn­lich, und von einem mit dem Geru­che über­ein stim­men­den, lang anhal­ten­den, sehr bit­tern, hit­zi­gen, gewürz­haf­ten Geschma­cke, der bei dem Kau­en nach der Hit­ze auf der Zun­ge eine Art von Käl­te­emp­fin­dung zurück­läßt. Wir bekom­men ihn über Nato­li­en, wie man sagt, aus der Mon­go­lei und Per­si­en, von einer bis jetzt noch unbe­stimm­ten Pflan­ze, die im Aeus­sern viel Aehn­lich­keit mit dem Stab­wurz­bei­fuß haben soll. Ehe­dem hielt man sie für die Arte­mi­sia judai­ca, L. [Zorn, pl. med. tab. 367] mit umge­kehrt ova­len, stamp­fen, gel­app­ten, klei­nen Blät­tern, und ris­pen­för­mi­gen, gestiel­ten Blüt­hen; in neu­ern Zei­ten aber hat man über­ein­stim­men­der theils die Arte­mi­sia Con­tra, L. [ver­muth­lich Arte­mi­sia aus­tria­ca Jac-quin, Aus­tr.1. tab. 100] mit hand­för­mi­gen, gleich­brei­ten, sehr klei­nen Blät­tern und Blüt­hen­trau­ben mit unge­stiel­ten Blu­men, theils auch die Arte­mi­sia San­to­ni­cum, L. [Zorn, pl. med. tab. 240] am Sten­gel mit gleich­brei­ten, gefie­dert viel­spal­ti­gen, an den Aes­ten mit unget­heil­ten Blät­tern, und zurück­ge­bo­ge­nen Aeh­ren mit Blüt­hen an der einen Sei­te, deren jede aus fünf klei­nern Blüth­chen zusam­men­ge­setzt ist, dafür gehal­ten. Wie dem auch sei, so hat man doch in den neu­es­ten Zei­ten die Mut­ter­pflan­ze des Wurm­sa­mens unter das Gän­sen­fuß­ge­schlecht verwiesen.

Am dien­lichs­ten ist es, den grob gepül­ver­ten Samen in Sub­stanz unter Honig oder einen Sirup gerührt, den Kin­dern gegen Spuhl­wür­mer ein­zu­ge­ben, oder das mit Wein­geist berei­te­te Extrakt in Pil­len. Die Tink­tur und der Auf­guß grei­fen nur all­zu unmit­tel­bar das Ner­ven­sys­tem des Kran­ken an, ohne son­der­lich die Wür­mer zu bekämp­fen. Es ist nicht zu leug­nen, daß der gute Wurm­sa­men eins der gewis­ses­ten Tödungs­mit­tel der Spuhl­wür­mer ist, die Erfah­rung aller Zei­ten bekräf­tigt dieß; aber eben so wenig ist es zu leug­nen, daß eine Men­ge Kin­der, denen (muth­mas­lich gegen Wür­mer) Wurm­sa­men in gro­ßer Men­ge ein­ge­ge­ben wor­den, unter Zufäl­len gestor­ben sind, die vom Empi­ri­ker auf Rech­nung der bösen Wür­mer geschrie­ben wur­den, die aber eigent­lich der Ueber­men­ge des Wurm­sa­mens eigent­hüm­li­che Sym­pto­me waren. Das Kind wird etwa 3 bis 4 Stun­den nach dem Ein­neh­men sehr ängst­lich, ver­langt eine Men­ge Din­ge unter ein­an­der, sein Gesicht wird blaß und kalt, es jam­mert über Leib­schmer­zen, ist schlaf­los, bekömmt gro­ßen Durst, hef­ti­gen Hus­ten, sehr kur­zen, sto­cken­den Athem, kal­ter Schweiß bedeckt Hän­de und Gesicht, es wirft sich umher, fällt in Zuckun­gen u.s.w. Dieß ist der Erfolg einer über­gro­ßen Gabe selbst bei gesun­den Kin­dern. Bei Mäd­chen erfolgt oft Blut­fluß aus der Bär­mut­ter. Man gie­bt vier und mehr­jäh­ri­gen Kin­dern 10, 15, 20 Gran Pul­ver auf die (zuwei­len mehr­mahl täg­lich, wie­der­hol­te) Gabe, grö­ßern Per­so­nen bis zum Quent­chen; man sehe zu, ob die­se Gaben nicht zu hef­tig sind, vor­züg­lich wenn kein star­kes Pur­gir­mit­tel (das nebst den Wür­mern auch das Wurm­mit­tel wie­der aus­führt) zugleich gege­ben wird. Sei­ne angeb­li­chen Magen stär­ken­den und Monat­zeit her­stel­len­den Kräf­te sind einer noch schär­fern Prü­fung zu unterwerfen.

Man unter­schei­det im Han­del den alep­pi­schen als den bes­ten, reins­ten, und am wenigs­ten mit Spreu ver­misch­ten, dann folgt der ori­en­ta­li­sche oder india­ni­sche, wel­cher klei­ne Blüm­chen haben soll, und zulezt der bar­ba­ri­sche oder afri­ka­ni­sche als der gerings­te, mit vie­len Sten­geln und Stie­len ver­misch­te. Den schwach rie­chen­den, mit Sand und andern Unrei­nig­kei­ten ver­misch­ten, in Klum­pen zusam­men­hän­gen­den, stau­bi­gen, muß man verwerfen.

So hat man sich auch vor der Ver­mi­schung mit dem unkräf­ti­gen Samen des Stab­wurz­bei­fuß wel­cher gilb­lich, leicht, und mehr von spreu­ähn­li­chem Ansehn ist, mit dem Samen der Rain­fahr­re­vier­blu­me, der Zypreß­san­to­li­ne, und der Sophien­rau­ke zu hüten.