Arzneipflanzen-Merkblätter des Kaiserlichen Gesundheitsamts: Nr. 26, Bibernellwurzel (1917)

Biber­nell­wur­zel

Als Biber­nel­le, Pim­pi­nel­le, Stein­pe­ter­lein, Bock­spe­ter­si­lie, Pim­pi­nella saxif­ra­ga L. und Pim­pi­nella magna L. bezeich­net man zwei Pflan­zen­ar­ten, die sehr nahe mit­ein­an­der ver­wandt sind und sich nur schwer von­ein­an­der unter­schei­den las­sen. Sie sol­len des­halb hier als zusam­men­ge­hö­rig beschrie­ben werden.

Die sehr kräf­ti­ge, aus­dau­ern­de Pfahl­wur­zel geht bis 30 cm tief senk­recht in die Erde, am obe­ren Ende ist sie oft 3 cm dick und läuft hier in einen kur­zen, ver­äs­tel­ten Wur­zel­kopf aus; die Wur­zel ist kaum ver­zweigt, außen bräun­lich oder braun bis schwärzlich,“innen weiß; sie ist schwam­mig und ent­hält einen Bal­sam, der scharf gewür­zig riecht und schmeckt und an der Luft braun wird. Der Sten­gel erreicht gewöhn­lich eine Höhe von 30–80 cm und ist reich ver­äs­telt, wobei jeder Ast in einen Blu­ten­stand aus­läuft; am Grund trägt er eine Rosette von Grund­blät­tern. Die obe­ren Blät­ter sind feder­för­mig geteilt (gefie­dert) und meist deut­lich behaart; die Grund­blät­ter sind 20–25 cm lang und bestehen aus 5, 7 oder 9 Blätt­chen; die­se sind 3 cm lang, 2 cm breit, eiför­mig und spitz; am Grun­de sind sie breit und keil­för­mig oder abge­run­det. Die Blätt­chen sit­zen ohne Stiel­chen an dem gemein­sa­men Blatt­stiel oder sind nur kurz gestielt, am Ran­de sind sie gesägt; die Sten­gel­blät­ter sind klei­ner und haben weni­ger Blätt­chen. Die klei­nen wei­ßen, sel­te­ner rosa Blü­ten ste­hen zu sechs bis acht in Dol­den, von denen wie­der je zehn bis zwan­zig an einem Sten­gel ver­ei­nigt sind; vor der Blü­te­zeit hän­gen die­se Blü­ten­stän­de über, zur Zeit der Boll­blü­te sind sie aufgerichtet.

Biber­nel­le ist auf Wie­sen, Wie­sen­moo­ren, in Gebü­schen, an Wege­rän­dern, in Laub­wäl­dern, auf Hügeln, auf Trif­ten über­all in Deutsch­land ver­brei­tet und meist häu­fig, stel­len­wei­se in dich­ten Beständen.

Haupt­säch­lich im Früh­jahr und Herbst wer­den die Wur­zeln samt dem Wur­zel­stock aus dem Boden aus­ge­sto­chen und nach Abschnei­den der ober­ir­di­schen Tei­le der Pflan­zen und sorg­fäl­ti­gem Waschen an der Luft getrock­net. Der Han­dels­na­me ist Radix Pim­pi­nell­ae.

Die Biber­nel­le gleicht äußer­lich man­chen ande­ren bei uns ver­brei­te­ten Dol­den­blüt­lern, so daß die Pflan­ze anfangs, selbst nach obi­ger Beschrei­bung, nicht von Jeder­mann erkannt wer­den wird; es ist des­halb rat­sam, sich die Pflan­ze von einem Ken­ner erst ein­mal zei­gen zu las­sen. Wich­tig ist, beson­ders auf den eigen­ar­ti­gen scharf wür­zi­gen Duft und Geschmack der Pflan­ze zu ach­ten, der ähn­li­chen Gewäch­sen nicht zukommt. — Wegen ihrer Ähn­lich­keit wer­den häu­fig die Blät­ter des Wie­sen­knop­fes (San­gu­i­sor­ba offi­ci­na­lis) fälsch­lich als Biber­nell bezeich­net und gesammelt.

Beach­tet beim Sam­meln die in einem beson­de­ren Merk­blatt zusam­men­ge­stell­ten all­ge­mei­nen Regeln. Schont beim Sam­meln die Fel­der und Äcker. Geht nicht beim Sam­meln in die Fel­der hin­ein, sam­melt nur, was am Ran­de steht, reißt nicht die gan­zen Pflan­zen aus, wenn ihr nur die Blü­ten oder Blät­ter zu sam­meln braucht. Beschä­digt die Bäu­me nicht und reißt von ihnen kei­ne Äste ab. Sam­melt nur, wo die Pflan­zen zahl­reich vor­kom­men, laßt ver­ein­zel­te ste­hen, rot­tet sie nicht aus.

Quel­len
Arz­n­ei­pflan­­zen-Mer­k­­blä­t­­ter des Kai­ser­li­chen Gesund­heits­amts /​​ Bearb. in Gemein­schaft mit d. Arz­n­ei­pflan­­zen-Aus­­­schuß d. Deut­schen Phar­ma­zeut. Gesell­schaft Ber­­lin-Dah­­lem. Sprin­ger, Ber­lin, 1917.

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