Colon-Hydrotherapie - "Darm-Kneippen"

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Indische Sennesfrüchte (Cassia angustifolia)

Geht es dem Darm gut, fühlt sich der Mensch wohl und gesund. Denn: Der Darm ist mehr als nur ein komplexes Verdauungsorgan - er ist zentraler Hauptsitz des Immunsystems oder umfasst nach Gehirn und Rückenmark die größte Ansammlung von Nervengewebe im Körper („Darmhirn“). Wegen seiner offensichtlichen Bedeutung für die Gesundheit wurde Darmreinigung mit Einläufen oder Klistieren in sämtlichen Kulturen betrieben. Auch in der modernen Naturheilkunde hat die Darmspülung wegen ihrer gesundheitsfördernden Wirkung einen festen Platz. Die Colon-Hydro-Therapie (CHT) ist eine moderne, maschinell gestützte Variante des Darmeinlaufs.

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Klistier

Jeder Mensch weiss wie störend Blähungen, wie quälend Verstopfungen oder wie beunruhigend häufige Durchfälle sein können. Die ersten unangenehmen Erfahrungen mit dem Darm machen Menschen schon früh: Zum Beispiel alle Neugeborenen - sobald die Besiedlung ihres Darms mit Mikroorganismen stattfindet. Dies verursacht immer wieder Krämpfe und Blähungen. Babys schreien dann vor Schmerzen, sehr zum Leidwesen der verunsicherten Eltern, die oft nicht ahnen, was da gerade passiert. Mit zunehmendem Alter gehören auch funktionelle Magen-Darmstörungen zu den nicht gerade seltenen Lebensumständen: Sie können beispielsweise nach „schwerem“ Essen auftreten. Häufigere oder gar durchgehende Beschwerden beziehungsweise Schmerzen können in Lebensmittel-Unverträglichkeiten (Laktose und anderes) oder den selteneren Allergien begründet sein. Jenseits dieser funktionellen findet sich die Palette der vielen Darmerkrankungen, seien es Infektionen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und Tumorerkrankungen. Deshalb müssen häufige oder schwere Störungen der Magen-Darmfunktionen - zum Beispiel Blähungen, Verstopfung, Durchfall, Schleim- oder Blutabsonderungen - immer ernstgenommen werden: Sie können ein Hinweis auf eine schwere Erkrankung sein.

Einläufe: Ein uraltes Verfahren

Der Dickdarm ist schon seit Urzeiten Ziel therapeutischer Maßnahmen - seine gute Erreichbarkeit des Darms wurde schon früh genutzt, um beispielsweise Einläufe zu machen. Diese wurden bei chronischen Verstopfungen eingesetzt oder - mit heilsamen Zusätzen - versehen, um Bauchschmerzen oder Unterleibskrämpfe zu lindern. Auch die regelmässige Darmreinigung als gesundheitserhaltende Massnahme zu Beginn von Kuren oder weiterleitenden medizinischen Therapien ist gut dokumentiert. Die Ägypter imitierten beispielsweise den Ibis-Vogel, der mit seinem langen Schnabel Wasser in sein Rektum einführte. In der traditionellen, schwarzafrikanischen Medizin wurden Tierhörner oder ausgehöhlte Flaschenkürbisse zur Einleitung von Wasser in den Darm verwendet. Und in Europa waren Einläufe etwa im 17. Jahrhundert in gehobenen Kreisen so populär, dass sie fast den Charakter von Gesellschaftsspielen hatten.

(Darm-)EinlaufEinfüllung von Flüssigkeit in den Darm (Mastdarm und/oder Dickdarm) vom Darmausgang her. Ziel ist die Reinigung („Lavage“) oder die Applikation von Zusätzen (s.u.).
Irrigator und DarmrohrAls Irrigator wird der Flüssigkeitsbehälter bezeichnet, die die Spülflüssigkeit enthält. Diese kann über ein Schlauch und das rektal eingeführte Darmrohr ventilkontrolliert in den Darm geleitet werden.
KlistierAls Klistiere werden alle Hilfsmittel bezeichnet, die einen vereinfachten Einlauf ermöglichen. Beispielsweise die Klistierspritzen, -pumpen oder -ballons („Birnspritze“). Auch die modernen Mikroklistiere zum Einmalgebrauch gehören dazu.
KlysmaArzneistoffhaltige Flüssigkeiten, die als Einlauf rektal eingeführt werden. Entweder als verformbare Plastikflaschen oder fertig befüllte kleine Plastikbehälter.
Purgation„Ausleitung“, vor allem über den Darm (im übertragenen Sinne auch Reinigung). Paracelsus: „Wenn die Natur irgendwo im Körper einen Schmerz erzeugt, so haben sich dort schädliche Stoffe angehäuft und der innere Arzt will sie dort ausleeren.“
ZusätzeEinläufe werden auch zur Verabreichung von Medikamenten, Röntgen-Kontrastmitteln oder Nährlösungen verwendet („Entero-Klysma“, „Instillation“). Die Naturheilkunde verwendet therapeutisch wirksame Zusätze aus Heilpflanzen, homöopathischen Zubereitungen, Heilerde, Kaffee, Essig oder Mineralsalzen.

Konzepte der CHT

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Irrigator

Traditionell wurden Einläufen, Klistieren oder anderen Hilfsmitteln zur Aus- oder Ableitung über den Darm verwendet. Hiermit ist das alte humoraltherapeutische Konzept des Purgierens gemeint - also eine als Ausleitung bezeichnete, auch energetisch gemeinte Korrektur krankmachender „Körpersäfte“. Heute werden eher materialistische Vorstellungen wie „Entgiftung“, „Entschlackung“ oder „Reinigung“ mit diesen Verfahren in Beziehung gesetzt. Die moderne Naturheilkunde hat schließlich die modernen Möglichkeiten entwickelt, den Kontakt der Enddarm-Oberfläche mit Wasser als tiefgreifend wirksame Reiztherapie einzusetzen. Teilweise fussen die Vertreter der modernen Naturheilkunde auf humoraltherapeutischen Vorstellungen zur Darmreinigung. Die schon seit der Antike bestehende Säftelehre beruht auf der Vorstellung, dass die Gesundheit des Menschen sich aus der richtigen Zusammensetzung und Bewegung von als „Säfte“ bezeichneten Energiequalitäten ergibt. Bei jedem funktionellen oder mengenmäßigen Ungleichgewicht der Kardinalsäfte „Blut“, „Schleim“, „gelbe Galle“ und „schwarze Galle“ kann Krankheit entstehen oder akute Störungen chronifizieren. Dieses Konzept erweist sich in der Naturheilkunde bis heute als ungemein fruchtbar: Der Wiener Arzt Bernhard Aschner (1883-1969) entwickelte beispielsweise daraus seine nach ihm benannten Methoden weiter: Er beschrieb die verschiedenen, seit Urzeiten bekannten ausleitenden Verfahren, die Ausscheidungs- und Entgiftungsvorgänge im Körper in Gang setzen können: Entweder über die Haut (Schröpfen, Pflaster), den Darm (Einläufe, Colon-Hydro-Therapie), den Magen (Erbrechen), vermehrtes Trinken (Steigerung der Nierenausscheidung) oder schweisstreibende Massnahmen (schweisstreibende Tees, Sauna, Schwitz­packungen). Die Therapieziele reichen dabei von der Reinigung des Blutes (oder der Lymphe) über eine Stoffwechselentlastung bis hin zu einer immunologischen Umstimmung.

Therapieform „Darmbad“

Aus diesen klassischen Purgations-Verfahren wurde schließlich die moderne, maschinell gestützte Colon-Hydro-Therapie entwickelt. Sie hat in der Naturheilkunde einen festen Platz erhalten. Diese moderne Variante des Darmeinlaufs wird auch als Darmspülung oder - noch besser - als Darmbad bezeichnet. Während einer CHT-Behandlung kommen weder Irrigator noch Klistier zum Einsatz. Die Einläufe werden vielmehr von Geräten übernommen, die Darmreinigung und Darmbad fast vollständig automatisieren. Zu Beginn der Behandlung wird dem anfangs auf der Seite liegenden Patienten mit Gleitmittel-Hilfe ein 5-10 Zentimeter langes Kunststoffrohr schmerzfrei in den Endarm („Rektum“) eingeführt. Bei der Behandlung liegt der Klient dann bequem auf dem Rücken. In dem Darmrohr befinden sich getrennte Kanäle für die Wasserzufuhr zur Darmspülung und für den Abfluss. Das Spülsystem ist geschlossen, so dass es während der Behandlung weder zu Verschmutzungen noch zu Geruchsbelästigungen kommen kann. Während der Behandlung lässt der Colon-Hydro-Therapeut über den Zulauf temperiertes Wasser (zwischen 21-41 Grad Celsius) langsam in den Darm des Patienten einlaufen. Dabei entsteht kaum Druck, wie es zum Beispiel bei unerfahrener Handhabung von Klistieren oft passiert. Der Therapeut wacht während der ganzen Behandlung über das Wohlergehen der Klienten. Das Wasser löst und lockert Darminhalte, der dann über den Abfluss wieder hinausgespült wird. „Manchmal ist zu lesen, dass zehn Liter Wasser in den Darm gespült werden“, sagt Regula Blumer, Präsidentin des Schweizer Verbandes für CHT, Basel. „Das ist natürlich unsinnig. Denn dies kann das Gesamtvolumen sein. Im aktuellen Moment wird aber gerade nur soviel eingeführt, wie nötig ist, um Darminhalte zu entfernen. Das A und O einer Behandlung ist das Wohlbefinden des Klienten“, so Blumer. Jede Behandlung ist deshalb individuell und ganz auf die Konstitution oder das gegenwärtige Befinden des Klienten eingestellt. Während der Behandlung unterstützt der Therapeut das Lösen und Ausführen von Darminhalt mit einer sanften Massage der Bauchdecke, die auch die Eigenaktivität der Darmmuskulatur anregt („Peristaltik“). Wenn vom Klienten gewünscht, ist während des Wassereinlaufs auch ein kurzzeitiger Temperaturunterschied beim Wassereinlauf möglich: „Dieses ‚Darm-Kneippen’ von innen kann einen zusätzlichen Reizeffekt haben“, erklärt Blumer. Doch im Normalfall reizt das Wasser die gereinigte Darmschleimhaut genügend.  

Therapie

Wellness  Aus medizinisch-therapeutisch Sicht zwar überflüssig, hat die CHT wie andere als Lifestyle-Behandlungen (Reiki, Ayurveda im Fitnesshotel usw.) trotzdem eine gewisse Bedeutung erlangt. Typische Anwendungsbereiche sind dabei chronische Müdigkeit, Verlust der Leistungskraft oder depressive Verstimmungen - jeweils bei gesunden Menschen. Oder positiv formuliert: CHT soll Fitness, Wohlbefinden und Lebensfreude steigern und der Vorbeugung von Krankheiten dienen.

Funktionsstörungen des Darms
  Im Selbstverständnis vieler CHT-Behandler stehen Funktionsstörungen des Darms im Vordergrund der Therapie. Hierzu gehören als Zivilisationskrankheiten die chronische Verstopfung oder der Reizdarm (Verstopfung und Durchfall häufig abwechselnd, Blähungsneigung, verstärkte Darmwinde, krampfartige Unterleibsbeschwerden). Auch die Chronifizierung der Verstopfung durch ungeeigneten Einsatz von Abführmitteln gehört hierzu. „Bei der Entleerung des Darms wird der Therapeut immer auch Farbe und Konsistenz des Stuhls beurteilen und daraus Rückschlüsse auf den Gesundheits-Zustand des Darms ziehen“, sagt Blumer. Wie bei allen großen Zivilisationskrankheiten gilt auch hier: „Nach den Behandlungen wird immer auch über die individuelle Ernährung gesprochen“. Sie empfindet es als wünschenswert, wenn Klienten zu Veränderungen ihres möglicherweise krankmachenden Lebensstils bereit sind - also zum Beispiel ihre Ernährung ändern oder sich mehr sportlich betätigen möchten. „Die CHT kann somit bedeutend zu einem gesünderen Lebenswandel beitragen“, so Blumer.

Komplementärmedizin  Als naturheilkundliche Therapie ist die CHT, so die Erfahrung von Blumer, zudem eine Maßnahme, deren tiefgreifende Effekte die Wirkung anderer medizinischer Behandlungen optimieren können. Damit wird die Darmspülung zu einem echten komplementärmedizinischen Verfahren - sie ergänzt vor allem ganzheitliche, naturheilkundliche Therapien (Homöopathie, Phytotherapie, Manualtherapie).

Chronische Erkrankungen  CHT im Rahmen einer ärztlich veranlassten Behandlung wird vor allem als ergänzendes Verfahren bei chronischen Erkrankungen eingesetzt, die auf den erheblichen Heilungsimpuls der Darmspülung reagieren können. Hierzu gehören unter anderem Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, chronische Hauterkrankungen (Akne, Schuppen­flechte, Neurodermitis), Herz-Kreislauferkrankungen (Angina pectoris, Bluthochdruck), Stoffwechselstörungen (Zuckerkrankheit) oder Allergien. Wichtig: Darmspülungen sind aus naturheilkundlicher Sicht niemals als Monotherapie, sondern sind immer in Kombination mit anderen Verfahren durchzuführen.

Spezielles
  Manchmal wird die Darmspülung auch als Vorbereitung einer „Darmsanierung“ oder zur Bekämpfung von „krankmachenden Darmpilzen“ durchgeführt. Die hierbei bestimmende Auffassung, bestimmte Spezies der aus Milliarden von Mikroorganismen bestehenden Darmflora führe bei vielen Menschen zu Erkrankungen, wurde wissenschaftlich niemals bestätigt.

Kontraindikationen  
Bei Krankheiten von Herz und Kreislauf, Bluthochdruck, Lebererkrankungen, nach Darmoperationen oder Darmverschluss darf die Darmspülung nur im Rahmen einer ärztlichen Behandlung durchgeführt werden. Das gleiche gilt für Nierenerkrankungen (zum Beispiel Niereninsuffizienz) oder bei Störungen des Mineralstoffwechsels. Grund: Die CHT kann wegen der einlaufbedingten Mineralstoff-Konzentrationsunterschiede zwischen Körper und Darminhalt zu kurzfristigen Elektrolyt-Verschiebungen im darmnahen Gewebe und im Blut führen, was bei diesen Grunderkrankungen Störungen verstärken kann (beispielsweise zu einer vorübergehenden Herzrhythmus-Störung führen kann). Schwangere sollten keine Colon-Hydro-Therapie durchführen lassen. Bei unsachgemäßer Anwendung der CHT sind Verletzungen der Darmwand, Bauchkrämpfe, Blutungen oder Infektionen möglich. Deshalb sollten nur qualifizierte Therapeuten das Verfahren anwenden.

Starke Heilungsimpulse durch Umstimmung

Viele Colon-Hydro-Therapeuten erleben in ihrer täglichen Praxis ausgeprägte, spontane Therapiereaktionen, von denen auch Blumer berichtet: „Viele Patienten fühlen sich nach der Behandlung plötzlich, als könnten sie Bäume ausreissen“. Dies führt sie nicht nur auf den reinigenden oder entschlackenden Effekt der Darmspülungen zurück. „Dahinter steckt mehr“, sagt die CHT-Expertin. Die Menschen würden aus ihrem Alltag gerissen, erführen durch die Therapie einen intensiven Heilungsanreiz. „Denn viele Menschen leben vor sich hin, sind gestresst und gefangen von ihren alltäglichen Sorgen“. Die Darmspülung mit ihrem offensichtlich reinigenden Effekt gibt solche Heilungsimpulse. Aus naturheilkundlicher Sicht geht es allerdings werniger um Reinigung von Stuhlresten oder eine wissenschaftlich nicht fassbare „Entschlackung“, sondern um „Umstimmung“. Diese bedeutet in der Humoraltherapie („Säftelehre“) eine, durch starke Reize bedingte, energetische Umorientierung von Patienten innerhalb der Grundkräfte der Welt. Dabei leuchtet manchmal die lebens- und gesundheitsbestimmende dynamische Grundidee des Menschen (Paracelsus nannte dies den „inneren Archaeus“) blitzartig auf. Und führt spontan - wie ein körperliches Aha-Erlebnis - zu Wohlbefinden und Freude. Im Rahmen dieser „Rückbesinnung“ taucht das Menschenideal - wie der Phönix aus der Asche - so wieder auf, wie es ursprünglich vielleicht gedacht und erschaffen wurde. Der erkrankte Organismus erhält dadurch - aus sich selbst heraus - sein eigentliches Heilungsziel zurück. Und damit eine neue Chance auf Gesundung. CHT ist somit, wie andere Umstimmungstherapien auch, eine echte naturheilkundliche Therapie - eine Therapie, deren Dynamik aus der Natur selbst stammt.

Darm-Wunder: Der Darm ist das längste Organ des Menschen: Dünn- und Dickdarm ergeben in entspanntem Zustand eine Länge von etwa acht bis neun Metern. Mit der riesigen Oberfläche des Darms setzt sich der menschliche Körper intensiv mit der Aussenwelt auseinander: Mit Hilfe anderer Organe wird im Darm körperfremde zu verwertbarer Nahrung umgewandelt. Ausserdem ist der Darm Wirt für zahlreiche Mikroorganis­men. Sie leben in symbiotischer Weise auf seiner Oberfläche: Für die Lieferung ihrer Nahrung produzieren bestimmte Mikroorganismen zum Beispiel Vitamine, die der Mensch nicht herstellen kann. Andere Mikroorganismen hingegen sind schädlich für den Organismus und können zu Erkrankungen führen. Deshalb verfügt der Darm über ein sehr wirkungsvolles Unterscheidungssystem, mit dem er den Körper gegen das Eindringen unerwünschter Fremdstoffe oder Organismen schützt. Daher gilt der Darm als Hauptsitz des Immunsystems und trägt wesentlich zur Gesundheit und des Wohlbefindens bei.

Autor/In: Marion Kaden, natürlich leben (2008)
Quellen: Vereinigung Colon-Hydro-Therapie Schweiz
Weitere Informationen: www.colon.ch